Ein Koffer voller Erinnerungen

Die Stücke aus dem braunen Koffer sollen bei Demenzkranken im Pinneberg Museum Erinnerungen wecken.
Die Stücke aus dem braunen Koffer sollen bei Demenzkranken im Pinneberg Museum Erinnerungen wecken.

Museumsstücke aus längst vergangenen Tagen sollen Demenzkranken helfen / Heute starten Führungen im Pinneberg Museum

shz.de von
05. Juni 2018, 16:00 Uhr

Der in die Jahre gekommene braune Koffer im Pinneberg Museum mag nicht so recht in die Ausstellung zum 80. Geburtstag von Detlef Allenberg passen. Der Koffer ist Teil einer neuen Ausstellung im Rahmen des Projekts „Wir haben Kultur!“ der Alzheimer Gesellschaft Kreis Pinneberg.

„Alleine hätten wir uns an das Thema nicht herangetraut“, gab Ina Duggen-Below, Leiterin des Pinneberg Museums, zu. „Es ist wichtig, dass wir professionelle Begleitung haben. Nur so können wir das auch umsetzen.“ In dem Koffer befinden sich ein Fön, eine Milchkanne, ein Nachthemd, eine alte Kamera, ein Rasierapparat und andere Alltagsgegenstände. „Wir haben Dinge ausgewählt, die die Menschen kennen und die vielleicht Erinnerungen wecken“, erläuterte Duggen-Below. Daher heißen die beiden Veranstaltungen am Dienstag, 5. Juni, und Donnerstag, 30. August, jeweils um 14.30 Uhr passenderweise auch „Erinnerungen aus dem Koffer“.


Drei Museen arbeiten zusammen

„Wir hatten schon lange die Idee und den Wunsch, Menschen mit Demenz die kulturelle Teilhabe zu ermöglichen“, erläuterte Ines Hundsdörfer von der Alzheimer Gesellschaft. Hundsdörfer nutzte das Museumsnetzwerktreffen in der Landdrostei, dem Kulturknotenpunkt Pinneberg (unsere Zeitung berichtete), um Kontakte zu den verschiedenen Museen herzustellen. Außer dem Pinneberg Museum beteiligen sich das Industriemuseum Elmshorn und das Elbmarschenhaus an dem gemeinsamen Projekt. „Menschen mit Demenz im Museum – funktioniert das überhaupt?“, fragte Hundsdörfer und lieferte gleich die Antwort: „Ja, wenn es gut vorbereitet ist.“ Die beteiligten Einrichtungen hätten ein buntes Angebot geschaffen, das vor allem Erinnerungen wecke. Während der Erinnerungskoffer in Pinneberg im Fokus steht, setzt das Industriemuseum auf die Themen Jahrmarkt und Kinderspiele. Das Elbmarschenhaus bietet Führungen durch den Schlosspark in Haseldorf und alles rund um das Thema Apfel an. „Wir wollen Menschen ansprechen, die noch zu Hause wohnen, aber auch Menschen, die in Pflegeeinrichtungen untergebracht sind“, sagte Hundsdörfer. Ehrenamtliche werden die Veranstaltungen in den Museen begleiten. „Wir suchen natürlich noch neue Helfer“, warb Hundsdörfer für den Basiskursus am 22. und 23. Juni.

„Museen sind prädestiniert, weil sie oftmals Vergangenes als Thema haben. Das kann ein Anknüpfungspunkt für die Erinnerungen der Betroffenen sein“, sagte Dagmar Rösner, Projektleitung Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein. Ziel sei es, die ganze Bandbreite der Gesellschaft für Museen zu interessieren. „Wir unterstützen gern Inklusionsprojekte. Museen haben für alle Formen der Erinnerung etwas im Repertoire, seien es Alltagsgegenstände oder Themen wie Kunst und Naturkunde, die Erinnerungen wecken“, betonte Rösner.


Interesse an Natur und Kultur bleibt

„Die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz unterscheiden sich nicht von denen ohne die Erkrankung. Sie sind genauso interessiert an Natur und Kultur“, sagte Sozial- und Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Kandt von der Fachstelle „ÄlterWerden“ des Kirchenkreises Hamburg/Südholstein. Es sei wichtig, die Besucher auf der emotionalen Ebene zu erreichen.

„Wir freuen uns sehr, dass der Kreis Pinneberg quasi unsere Pilotregion ist. Wir haben woanders einzelne Museen, aber das gebündelte Angebot ist vorbildlich“, lobte Melina Meding vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein. Die Veranstaltungsflyer liegen in den Museen sowie verschiedenen Sozialeinrichtungen aus. Zudem gibt es Informationen auf der Homepage der Alzheimer Gesellschaft Kreis Pinneberg. Wer an den eineinhalbstündigen Museumsführungen teilnehmen möchte, muss sich spätestens fünf Tage vor den Veranstaltungen per E-Mail an info@alzheimerpinneberg.de oder unter Telefon (01 51) 59 44 73 61 anmelden.

www.alzheimerpinneberg.de

www.pinnebergmuseum.de


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