Ein Kaiserschloss und sieben Dörfer

Die Wulfsmühle ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Wagner
Die Wulfsmühle ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Wagner

Kate nach Bewohnern benannt / Tangstedter Straßenname gibt Hinweis auf Gesetz aus dem 12. Jahrhundert

von
27. Juli 2018, 16:00 Uhr

„In Tangstedt gibt es sogar ein Kaiserschloss“, ssgt die Tangstedterin Helga Müller und Bernd Laackmann bestätigt: „Ja, das stimmt tatsächlich. Das Gebäude steht im Heidehofweg.“

Die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, handelt jedoch nicht von adeligen Häuptern, Prinzessinnen oder Rittern, sondern schlicht von einem Familiennamen. „Bis 1949 wohnte dort eine Familie in einer kleinen Kate, die Kaiser hieß – seitdem wird das Gebäude von den Tangstedtern Kaiserschloss genannt“, klärt Laackmann auf. Gemeinsam mit Müller und weiteren Mitstreitern war er für das Erstellen der Festschrift zur 750-Jahr-Feier zuständig. „Im Moment bereiten wir in einem Arbeitskreis die Chronik, einen Kalender und ein Buch vor. Diese Materialien werden im kommenden Jahr zur 777-Jahr-Feier veröffentlicht“, kündigt Laackmann an.


Flurstücke als Namensgeber

Bei der Suche nach den Geschichten, die hinter Straßennamen stecken, helfen Laackmann und Müller weiter. „Sehr viele der Bezeichnungen sind auch auf den Karten zu finden, in denen die Bezeichnungen der Flurstücke stehen“, erläutert Müller. So sind etwa der Battelsweg, die Brannentwiete, der Steenacker, Bendloh und der Eiser zu ihren Namen gekommen.

Ganz anders ist die Geschichte des Siebendörferwegs: Der Name ist eng mit der Geschichte der Wulfsmühle verbunden. „Über diesen Weg wurden früher aus sieben Dörfern das Getreide zum mahlen zur Wulfsmühle gebracht: Hasloh, Garstedt, Friedrichsgabe, Winzeldorf, Bönningstedt, Ellerbek und Tangstedt“, erläutert Hermann Ahrens.

Allerdings geschah dies für diese sieben und acht weitere Dörfer keineswegs freiwillig. „Die Wulfsmühle war früher eine sogenannte Zwangsmühle. Das bedeutet, dass die Bauern verpflichtet waren, dort ihr Getreide mahlen zu lassen“, erklärt Laackmann. Erlassen wurde dieses Gesetz von Friedrich Barbarossa im Jahr 1158. Für die Müller dieser Zeit bedeutete das Gesetz über Jahrhunderte hinweg, dass die Einnahmen gleichbleibend und damit planbar waren. Erst im 19. Jahrhundert wurde mit der Einführung der Gewerbefreiheit dieses Gesetz zunächst in Preußen 1810, später bis 1866 im gesamten deutschen Gebiet wieder aufgehoben.

„Die erste Erwähnung der Wulfsmühle haben wir auf einer Urkunde aus dem Jahr 1382 gefunden: Dort steht die Bezeichnung ,Mole to de Wulvesborch‘“. Das Dokument selbst besagt, dass Graf Otto I und sein Bruder, der Dompropst Bernhard, die Einkünfte der Wulfsmühle an einen Geistliche verpfänden.

Erst im 17. Jahrhundert begannen die Chronisten erneut über die Wulfsmühle zu berichten. Zahlreiche Urkunden über die wechselnden Pächter geben Auskunft über den damaligen Wert des Anwesens, das damals knapp 70 Hektar groß war. Besitzer wie auch Pächter gaben sich im 19. und 20. Jahrhundert die Klinke in die Hand. Je nach Betreiber liefen die Geschäfte mehr oder weniger gut. Es folgten Umbauten am Wasserrad (1858) und die Ausweitung des landwirtschaftlichen Geländes auf 100 Hektar.

Seit 1984 ist die Wulfsmühle im Besitz der Familie Druve. Statt Landwirtschaft zu betreiben wird dort heute Golf gespielt und ein Restaurant betrieben.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen