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Pinneberger Tageblatt

19. November 2017 | 22:48 Uhr

Eine Chronik : Ein Jahr nach dem Großbrand

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Anfang Oktober 2016 ist die Tennishalle des TuS Holstein in Quickborn komplett niedergebrannt. Derzeit wird eine neue Halle für 2,5 Millionen Euro gebaut. Währenddessen muss sich der mutmaßliche Brandstifter - ein ehemaliges TuS-Mitglied – vor Gericht verantworten.

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 10:00 Uhr

Quickborn | Die Saison 2016/2017 werden die Mitglieder des Quickborner TuS Holstein Tennisvereins nicht vergessen. Sie ist auf tragische Weise außergewöhnlich in der 50-jährigen Vereinsgeschichte. Eine Chronik vom Hallenbrand bis heute:

4.Oktober 2016: Als in der Nacht die Tennishalle am Harksheider Weg bis auf die Grundmauern niederbrennt, stehen die etwa 250 Vereinsmitglieder vor dem Nichts. Von Halle und Vereinsheim ist nur ein Haufen Schutt und Asche übrig. Mehr als 150 Rettungskräfte sind bei dem Großbrand stundenlang im Einsatz gewesen. Sachverständige des Landeskriminalamts und Spürhunde untersuchen den Brandort anschließend. Alles deutet auf Brandstiftung hin.

Nichts war mehr übrig: Die Feuerwehr kämpfte in der Nacht zum 4. Oktober 2016 gegen die Flammen am Harksheider Weg.

Nichts war mehr übrig: Die Feuerwehr kämpfte in der Nacht zum 4. Oktober 2016 gegen die Flammen am Harksheider Weg.

Foto: Michael Bunk

Ab 5.Oktober 2016: Nach dem Brand muss der Tennisverein bei Null anfangen. Über die Wintersaison verteilen sich die Spieler auf andere Hallen in der Umgebung. Die Einnahmen durch die Hallengebühren für die Saison fallen weg, der Verein muss sie den Abonnenten erstatten. „Wir haben durch den Brand erhebliche Einnahmeeinbußen“, bedauert Stefan Theobald. „Damit werden wir noch die nächsten Jahre zu kämpfen haben“, schätzt der stellvertretende Vorsitzende.

April 2017: Ein halbes Jahr nach dem Hallenbrand wird der mutmaßliche Brandstifter gefasst: Tom K., ein ehemaliges Vereinsmitglied des TuS Holstein. Der 23-Jährige steht seit dieser Woche vor Gericht. Verfolgen die Vereinsmitglieder den Prozess? „Ich bin froh, dass der Täter gefasst wurde. Aber mich persönlich hat diese Person nie interessiert“, antwortet Theobald knapp. „Ich möchte nach vorne schauen, nicht zurück “, betont der 46-jährige Quickborner.

Das letzte Überbleibsel von der alten Halle.

Das letzte Überbleibsel von der alten Halle.

Foto: Kira Oster
 

 Mai 2017: Aufatmen für den Verein: Die Versicherung übernimmt die Neubaukosten in Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro. Die Pinneberger Firma Bruhn Stahlbau bekommt den Zuschlag. Währenddessen richten sich die Quickborner Tennisspieler für die Sommersaison ein provisorisches Vereinsheim ein. Das Land Schleswig-Holstein hat ihnen Container geschenkt, die ehemals zur Flüchtlingsunterbringung gedacht waren, dafür aber nicht mehr benötigt wurden.

 

Juli 2017: Spatenstich am Harksheider Weg: Monatelang hat der Vorstand des Vereins Anträge und Gespräche mit Ämtern und Behörden geführt. „Vor allem auf die Baugenehmigung mussten wir warten. Dadurch hat sich leider alles in die Länge gezogen“, sagt Theobald rückblickend.

Im September 2017 wird Richtfest gefeiert. Unbeständiges Wetter verzögert den Bau. Sobald das Dach steht, kann unabhängig von der Wetterung gearbeitet werden.

Oktober 2017: Diese Woche sind 50 Betonmischer vorgefahren. Der Boden wurde gegossen. Sobald der Beton getrocknet ist, sollen Heizung und Elektrik verlegt werden. Dann folgt der Fußboden. „Wir setzen auf einen gelenkschonenden Hallenboden“, sagt Theobald. „Ende des Jahres wollen wir fertig sein. Das ist Rekordzeit“, bewertet Architekt Gunther Wördemann.

 

Ende Dezember 2017 soll die neue Halle voraussichtlich stehen. Für Theobald und das restliche Vorstandsteam wird es dann endlich wieder ruhiger. „Am meisten freue ich mich natürlich auf den ersten Aufschlag in der neuen Halle. Und auf ein kühles Bier im neuen Vereinsheim“, sagt der 46-Jährige. Eigentlich hätte es 2017 noch einen Grund zum Anstoßen gegeben: Der 1967 gegründete Tennisverein hat dieses Jahr sein 50. Jubiläum.

Januar 2018: Anfang nächsten Jahres sollen die Heimspiele der Wintersaison in der neuen Halle ausgetragen werden. „Und wir wollen mit der Eröffnung auch unser Jubiläum nachfeiern“, so Theobald. Nach 15 Monaten wird Quickborn wieder eine Tennishalle haben. Gäste können sich dann online einbuchen und bekommen Zugangscodes. Der Verein kann so besser kontrollieren, wenn sich vereinsfremde Personen in der Halle aufhalten. „Auch die Steuerung von Licht und Heizung werden modern geregelt. Das wird Hallenmanagement 2.0“, sagt Theobald. „Und wir werden das Gelände mehr überwachen als vorher – wir sind schließlich gebrandmarkt.“

Im Einsatz für den Neubau: Der stellvertretende Vorsitzende Stefan Theobald (l.) und Architekt Gunther Wördemann.

Im Einsatz für den Neubau: Der stellvertretende Vorsitzende Stefan Theobald (l.) und Architekt Gunther Wördemann.

Foto: Kira Oster
 

Knapp ein Jahr nach dem Feuer hat nun der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter Tom K. begonnen. Die Zerstörung der Quickborner Tennishalle ist nicht die einzige Tat, für die sich der 23-Jährige vor dem Landgericht Hamburg verantworten muss. Die Polizei hatte K. Ende April dieses Jahres – knapp sechs Monate nach der Quickborner Tat – in Hamburg auf frischer Tat ertappt. Laut Gericht sollen er und ein Mittäter im Stadtteil Harvestehude mehrere Pkw angezündet haben. Zivilfahnder hatten die Zündeleien beobachtet. Der Brand der Tennishalle und die mutmaßliche Brandstiftung an zwei Pkw werden jetzt gemeinsam verhandelt. Zwei Termine zu der Sache am Hamburger Landgericht waren bereits. Anfang November muss Tom K. wieder auf der Anklagebank Platz nehmen. Dann sollen nicht nur weitere Zeugen aussagen. Auch der Ermittlungsleiter zu dem Brand der Tennishalle wird vernommen. Für Brandstiftung sind im Strafgesetzbuch bis zu zehn Jahre Haft vorgesehen. (FK)

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