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Pinneberger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 03:29 Uhr

S21 : Ein Imagegewinn für die Kommunen?

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Nahverkehr: Staatssekretär wirbt für das Projekt und um Vertrauen in die Planer.

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2017 | 16:00 Uhr

Quickborn | Bei einem Besuch in Quickborn hat Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele (SPD) eine Neuausrichtung der Pläne zur Verlängerung der S-Bahn 21 von Hamburg über Quickborn nach Kaltenkirchen nicht grundsätzlich ausgeschlossen. „Erst wenn das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist, wissen wir, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt.“ Erst dann werde entschieden „machen wir weiter oder suchen wir andere Wege“, sagte er. Gleichzeitig machte Nägele allerdings deutlich, dass es für ihn zum Ausbau des Bahnverkehrs kaum noch Alternativen gibt.

„Wir müssen den Bahnverkehr ausbauen, weil die Straßen nicht mehr Verkehr aufnehmen können“, sagte er vor Befürwortern und Gegnern des Projekts. Die Hoffnungen der Planer sind groß, ihre Befürchtungen nicht minder. Mehr Komfort für die Pendler, ein Gewinn für die Umwelt und eine engere Taktung der Züge auch am Wochenende auf der einen Seite, die Folgen für die Menschen in der dicht besiedelten Region durch Oberlandleitungen, ein zweites Gleis bei Ellerau und mehr Lärm auf der anderen Seite: Vor dem Hintergrund dieser Gemengelage warnte Frank Nägele vor hastigen Entscheidungen. „Bei diesem Projekt geht Gründlichkeit in jedem Fall vor Schnelligkeit“, sagte er und warb insbesondere bei den S-Bahn-Skeptikern um Vertrauen.

Die heutige A1-Strecke von Hamburg-Eidelstedt über Quickborn nach Kaltenkirchen soll elektrifiziert und auf den S-Bahn-Betrieb umgestellt werden. Wer in die Hamburger Innenstadt pendelt, könnte damit zukünftig durchfahren, der Umstieg und die heute üblichen langen Wartezeiten in Eidelstedt würden entfallen. „Die Kommunalpolitiker ersehnen die Bahn“, so Nägele. Das „S“ am Bahnhof habe sofort einen Imagegewinn zur Folge und wirke sich auf die Bodenpreise in den angeschlossenen Kommunen aus. „Das schafft das ,A‘ nicht.“

Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske (BWG) bezeichnete die Planunterlagen dagegen als mangelhaft und warf der Landesregierung vor, viele Fragen nicht befriedigend geklärt zu haben. „Es gibt keine Untersuchungen über die Folgen der Erschütterungen durch die Bahn und den Lärm“, sagte er. Außerdem stellte er klar, dass sich seine Gemeinde mit den geplanten Oberlandleitungen nicht zufriedengeben wird. Auf die Anregung, alternative Antriebe etwa mit Wasserstoff oder Brennstoffzellen zu prüfen, reagierte Nägele zurückhaltend. Zwar sei das ein Thema, allerdings müsse der Fahrgast dann in Hamburg umsteigen, weil es dort ein anderes System gebe. „Das Projekt muss finanzierbar und in der Region zu vermitteln sein. Und der Vorteil der S-Bahn soll ja gerade sein, dass man umsteigefrei durchfahren kann“, so der Staatssekretär.

Ein großes Thema der Kritiker bleiben die Schließzeiten der Schranken. Wenn sich die Zahl der Züge erhöht, die Taktung enger wird, fürchtet etwa Haslohs SPD-Chef Jens Lehmann Dauerstaus. „In Burgwedel klappt das. Da gehen die Schranken erst kurz vorher zu und hinterher ganz schnell wieder auf. Das muss dann auch für Hasloh möglich sein“, sagte er.

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