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Wärmeproduktion in Eigenregie : Ein Holzhackschnitzelheizwerk nimmt den Betrieb auf

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Schäferhof in Appen nimmt ein Holzhackschnitzelheizwerk in Betrieb. Jährliche Erdölersparnis reicht für 2,6 Millionen Kilometer Autofahrt.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Appen | „Das System läuft seit Mitte November stabil“, hat Rainer Adomat, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Hamburger Arbeiter-Kolonie, bei der offiziellen Einweihung des neuen Holzhackschnitzelheizwerks auf dem Appener Schäferhof zufrieden festgestellt. Etwas mehr als eine Million Euro war in das System investiert worden. Das Projekt wurde von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert.

„Die Anlage deckt normalerweise 100 Prozent des Wärmebedarfs ab“, sagte Adomat. Bisher hatte der Schäferhof jährlich etwa 65.000 Euro für Heizöl ausgegeben. Künftig soll mit Holzabfällen aus den beiden eigenen Holzbetrieben sowie von den 345 Hektar Grundeigentum geheizt werden. „Wir wollen überwiegend Holz aus der Region verwenden“, sagte Adomat. Jährlich würden etwa 2000 Kubikmeter Holz benötigt – 60 Prozent davon sollen aus den Knicken und von den Waldflächen kommen, 40 Prozent sollen Abfallprodukte der hauseigenen holzverarbeitenden Betriebe sein.

Etwa sieben Monate dauerte der Bau des Holzhackschnitzelheizwerks. Es hat einen Pufferspeicher für bis zu 35.000 Liter Inhalt, ein Brennstoffförder- und Filtersystem sowie ein 975 Meter langes Nahwärmenetz, um alle 20 Gebäude auf dem Gelände mit Wärme zu versorgen – von den Reihenhäusern bis zum Gewächshaus. Die alten Öl- und Gasheizkörper wurden durch moderne Wärmetauscher ersetzt. „Wenn wir mal richtig harte Winter mit Temperaturen von minus 20, minus 25 Grad Celsius haben, können wir eine Zusatzheizung nutzen“, sagte Adomat.

Vor drei Jahren sei die Idee entstanden, berichtete Adomat. Im März 2014 hätten die Planungen und im Juli vergangenen Jahres die Bauarbeiten begonnen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Anlage durch ihren Betrieb selbst finanziert“, sagte Adomat während der Vorstellung des Systems. Wann konkret das der Fall sei, könne er derzeit aber noch nicht sagen. „Momentan trifft uns der niedrige Ölpreis, aber ich bin sicher, dass der Preis nicht auf diesem Niveau bleibt, sondern deutlich ansteigen wird“, fügte er an. Doch sei neben dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt auch der Umweltschutz von großer Bedeutung: „Wir wollen ein Stück weit an der Energiewende teilhaben. Wir haben umwelt- und klimapolitische Zielsetzungen, die hier auch aktiv verfolgt werden.“ Das merkte auch Bodo Schäfer, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Hamburger Arbeiter-Kolonie, an: „Wir eröffnen nicht nur eine neue technische Anlage, sondern leisten einen wichtigen Beitrag, unsere Klimaziele zu erreichen.“

Der Schäferhof organisiert für den heutigen Sonnabend in der Zeit von 14 bis 16 Uhr Führungen durch das neue Holzhackschnitzelheizwerk. Vor Ort können sich interessierte Besucher über die Arbeitsweise des Nahwärmenetzes informieren. Treffpunkt ist die Werkhalle im Schäferhofweg 33 in Appen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.

„Mit dem Erdöl, dass hier im Jahr eingespart wird, kann so viel Benzin hergestellt werden, dass ein Auto 2,6 Millionen Kilometer weit käme“, sagte Staatssekretärin Ingrid Nestle (Grüne) aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein. Sie lobte das Projekt. Nahwärmenetze seien aus ihrer Sicht ein wichtiger Teil der Energiewendepolitik.

Appens Pastor Frank Schüler und Diakoniepastorin Maren von der Heyde gestalteten eine Andacht im Rahmen der Einweihungsfeier. Der Kinderchor der Appener St. Johanneskirchengemeinde sorgte für die musikalische Gestaltung und mit dem „Holz-Hack-Schnitzel-Heizwerk“-Lied für viel Gelächter.

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