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Pinneberger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 11:45 Uhr

Ein halbes Jahr in der Kreisstadt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

AuslandserfahrungTschechische Austauschschülerin verbrachte die vergangenen sechs Monate an der Johannes-Brahms-Schule

Jetzt ist es schon fast vorbei. Noch im Januar wird Karolína Bendová im Flugzeug zurück nach Hause sitzen. Nach Prag in Tschechien. Die letzten sechs Monate war die 18-Jährige als Austauschschülerin bei einer Pinneberger Gastfamilie untergebracht und besuchte die Johannes-Brahms-Schule im Fahltskamp. Eine großartige Erfahrung für die junge Frau, die mit der gemeinnützigen Organisation Youth For Understanding im August nach Deutschland kam.

Nach einem fünftägigen Aufenthalt in Mölln, Kreis Herzogtum Lauenburg, ging es zunächst nach Hamburg und nach Pinneberg. Dort angekommen erwartete Bendová zunächst ein Kulturschock. „Es war für mich sehr schwierig, mich an die kleine Stadt zu gewöhnen“, gibt Bendová zu. Klar: Aus der goldenen Stadt Prag, die bevölkerungsreichste von Tschechien, ins kleine Pinneberg. Der Schock legte sich aber schnell. „Wenn ich die große Stadt zu sehr vermisse, treffe ich mich in Hamburg mit den anderen Austauschschülern. Und jetzt gefällt es mir gut, die Kleinstadt hat auch ihre Vorteile“, sagt Bendová. Ihr gefallen die kurzen Entfernungen, die sie mit dem Rad zurücklegen kann. „Hier ist man sehr flexibel“, sagt sie. Auch die familiäre Atmosphäre in Pinneberg findet sie schön. Besonders die gute Nachbarschaft, in der ihre Gastfamilie lebt. „Alle Familien kennen sich und haben eine gute Beziehung zueinander. Die Menschen sind positiver und streiten nicht so viel wie in Tschechien“, berichtet sie. Dafür seien sie auch passiver. Und ordnungsvernarrt. „Ich bin eher spontan, aber wenn sich meine Klassenkameraden verabreden, dann tun sie das schon Tage vorher“, wundert sich Bendová.

Sie hat aber auch eine kleine Mängelliste im Vergleich mit ihrer Heimat aufgestellt. „Pinneberg bietet für die Freizeit nicht so viele Möglichkeiten“, sagt sie. „Ich spiele Volleyball, aber es gibt nichts in meiner Altersklasse, das hat mich etwas enttäuscht.“ Doch auch sportlich ist sie letztendlich gut untergekommen: Mit einer Schulfreundin besucht sie regelmäßig das Fitnessstudio.

Ein rotes Tuch ist für sie das Unterrichtssystem an den deutschen Schulen. „Meine Lehrer sind gut und nett, aber das System eher nicht“, erklärt Bendová. In Tschechien besucht sie das Gymnasium, doch der Unterricht ist theoretischer und mit einer universitären Vorlesung vergleichbar. „Hier in Deutschland lerne ich, mich auszudrücken, das ist gut, aber es gibt dadurch auch wenig Klausuren und die Note besteht zu 50 Prozent aus der mündlichen Leistung. Wenn Deutsch eine Fremdsprache ist, ist das schwer. Und auch für Introvertierte ist das nicht angenehm.“ Die 18-Jährige vertritt ihre Meinung resolut. „In Tschechien arbeiten wir mündlich in kleinen Gruppen und nicht mit der ganzen Klasse, das ist besser.“

Für sie selbst war die deutsche Sprache kein großes Problem. Sie lernt sie seit Jahren als Schulfach in ihrer Heimat. Ihre Mutter arbeitete in einer deutschen Firma und wollte, dass sie auf ein Gymnasium mit Deutsch als zweite Fremdsprache geht. Zur Auswahl hatte sie noch Französisch, Italienisch, Spanisch oder Russisch. Jede Sprache wird jedoch an einer anderen Schule gelehrt – in Tschechien muss man sich früh festlegen. Doch auch mit ihrer guten Vorbildung war der deutschsprachige Alltag am Anfang eine Herausforderung: „Ich hatte oft Kopfschmerzen, weil ich mich so stark konzentrieren musste“, sagt Bendová. „Jetzt ist mein Deutsch viel besser und ich habe auch die Umgangssprache gelernt. Umlaute sind aber schwer.“ Dankbar ist sie, dass sie im Norden, wo Hochdeutsch gesprochen wird, gelandet ist. „Das ist cool, andere Austauschschüler in Bayern haben’s schwer.“

Ob sie sich schon auf Zuhause freut, kann sie gar nicht wirklich beantworten. „Ich wäre gern länger geblieben“, sagt sie. „Ich habe aber gelernt, was mir an Tschechien gefällt. Die meisten wollen nur ins Ausland, ich weiß jetzt aber, was dort gut ist.“ Für ein Studium will sie eventuell nach Deutschland zurückkehren. Doch jetzt geht es erstmal zurück nach Hause. Das Abitur wartet.

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