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Das Sonntagsgespräch : „Ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Birte Ganser, Vorsitzende des Ackerfestival-Vereins, äußert sich zum Aus der Open-Air-Veranstaltung.

shz.de von
erstellt am 23.Jul.2017 | 13:00 Uhr

Kummerfeld | Legendäre Auftritte von Musikern wie Casper und Kraftklub, tolle Stimmung, grandiose Musik – dafür steht das Ackerfestival in Kummerfeld. Die zwölfte Auflage am 15. und 16. September ist aber die letzte. Im Sonntagsgespräch erläutert Birte Ganser, Vorsitzende des Vereins Ackerfestival, warum es kein weiteres Festival gibt.

Wieso ist die zwölfte auch die letzte Auflage des Ackerfestivals?
Wir haben das Festival ins Leben gerufen, als wir gerade einmal 18 Jahre alt und noch Schüler waren. Das Ackerfestival ist aus unserer Leidenschaft zur Musik entstanden. Damals hatten wir noch relativ viel Zeit. Zwölf Jahre später sieht das anders aus. Die meisten sind berufstätig, manche sind weggezogen, einige haben Familien gegründet – die Prioritäten haben sich deshalb verschoben, so dass vom ursprünglichen Organisationsteam nur noch wenige übrig sind. Dazu kommt, dass es schwierig ist, Nachwuchs zu gewinnen - gerade für einen Verein, der aus einem Freundeskreis entstanden ist.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Festivals?
Wir hatten gerade in der Anfangsphase kontinuierliche Steigerungen. Besucherzahlen, Einnahmen – das betraf alle Bereiche. Vor allem die Jahre mit den Auftritten von Casper und Kraftklub haben viele Besucher angelockt. So waren wir drei Jahre hintereinander ausverkauft. Besser ging’s eigentlich nicht mehr. Trotz allem hatten wir das Gefühl, dass wir das toppen müssten – was eigentlich gar nicht möglich war. Das war der Fluch des Erfolges. Die steigenden Kosten machten es stattdessen immer schwieriger, überhaupt den Standard zu halten. Schließlich war es immer unsere Bestreben, die Eintrittspreise möglichst niedrig zu halten.

Was bedeutet das Ende des Ackerfestivals für Sie persönlich?
Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Das mag zwar eine Floskel sein. Sie trifft aber zu. So kann ich auf zwölf schöne Jahre zurückblicken, die unsere Jugend geprägt haben. Wir haben etwas geschaffen, auf das wir stolz sein können. Nun ist ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören. Ich bin mir sicher, dass ich etwas anderes finde, in das ich meine Energie stecken kann.

Gibt es Höhepunkte, die besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ich dachte eigentlich jedes Jahr, dass wir den Höhepunkt erreicht hätten und es nicht besser werden kann. Deshalb war ich überrascht, dass wir doch immer wieder Luft nach oben hatten. Die Auftritte von Casper und Kraftklub waren sicherlich etwas Außergewöhnliches. Als Teamleiterin hat mich begeistert, dass von Jahr zu Jahr alles immer besser funktionierte. Wir haben nur mit Ehrenamtlichen ein tolles Festival auf die Beine gestellt.

Birte Ganser (30) wurde in Tangstedt geboren. Sie arbeitet in Hamburg als Veranstaltungskauffrau und wohnt in Pinneberg.

Was hat sich seit dem Start geändert?
Wir sind in allen Bereichen wesentlich professioneller als beim Start. Allerdings wurde es immer schwieriger, Bands in einer bestimmten Größenordnung zu finden, die für uns bezahlbar sind. Anfangs traten vor allem Nachwuchsbands auf. Seit einigen Jahren haben wir außerdem auf Headliner gesetzt. Dass wir Künstler wie Casper rechtzeitig gebucht haben, war sicherlich auch Glück.

Sind auch Freundschaften zu einzelnen Bands entstanden?
Auf jeden Fall. Aber noch mehr zu den Booking-Agenturen, über die wir die Künstler gebucht haben. Zu denen sind im Laufe der Jahre enge Bindungen entstanden, weil wir immer wieder miteinander zu tun hatten. Die Kontakte zu vielen Musikern aus dem Kreis waren schon vorher da. Man kannte sich, weil man sich in der gleichen Szene bewegte.

Konnten Sie das Festival selbst überhaupt genießen oder waren die Veranstaltungstage eher Stress?
Am Anfang war ich eigentlich nur am Rotieren. Es wurde aber von Jahr zu Jahr entspannter. Seit mindestens fünf Jahren habe ich Zeit, mir die Bands in Ruhe anzugucken und die Musik zu genießen. Alle sind so routiniert, dass ich nur noch in Krisensituationen gefragt bin, den Gesamtüberblick behalten muss und Auf- sowie Abbau dirigiere.

Was erhoffen Sie sich für das letzte Ackerfestival?
Die Vorbereitungen laufen reibungslos. Ich hoffe, dass das letzte Ackerfestival ausverkauft ist und wir uns am Ende über einen tollen Abschluss freuen können.

Kommt schon Wehmut auf?
Natürlich. Wir sprechen im Verein schon seit zwei Jahren über diesen Schritt. Es fühlt sich richtig an, dass jetzt Schluss ist. Wir hätten uns gewünscht, dass wir das Festival weiterführen können, sind aber an einem Punkt angelangt, an dem das nicht mehr möglich ist. Ich hoffe, dass es in Zukunft im Kreis Pinneberg Menschen gibt, die etwas Ähnliches auf die Beine stellen. Wenn jemand konkrete Ideen für Projekte hat, stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite.

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