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Kreis Pinneberg : Ein Gasthof wird zur Unterkunft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kreis Pinneberg will unbegleitete Minderjährige im Tornescher Hotel Krögers Gasthof unterbringen. 20 Plätze sind geplant.

Tornesch | Der Kreis Pinneberg mietet das Hotel Krögers Gasthof an der Ahrenloher Straße in Tornesch, um dort 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterzubringen. Inhaber Heinz Münster, der Ende 2014 bereits den Gaststättenbetrieb des Traditionshauses aufgegeben hatte, wird nun auch keine Handwerker und Urlauber mehr beherbergen.

Im Kreisgebiet leben 88 minderjährige Flüchtlinge, die ohne ihre Familie nach Deutschland gekommen sind. Für diese Kinder und Jugendlichen muss die Kreisverwaltung Vormünder finden. Außerdem muss der Kreis sie so unterbringen, dass eine besondere Betreuung durch Pädagogen gewährleistet ist. Deswegen können die Minderjährigen nicht mit erwachsenen Flüchtlingen zusammen wohnen – es sei denn, sie kommen bei Verwandten unter.

Mieter des Gasthofs ist die Stadt Tornesch, die dort zunächst erwachsene Flüchtlinge unterbringen wollte. Der Kreis ist bis zum 31. Dezember 2016 Untermieter. Den Vertrag hat Landrat Oliver Stolz (parteilos) gestern unterzeichnet. Dem Kreis stehen elf Räume mit jeweils zwei bis vier Betten zur Verfügung. Zu den Mietkosten macht die Verwaltung keine Angaben. „Über konkrete Vertragsinhalte erteilen wir keine Auskunft. Die Miete bewegt sich aber im ortsüblichen Rahmen“, teilte Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung auf Anfrage dieser Zeitung mit. Umbauarbeiten seien für die Unterbringung nicht nötig.

Kinder und Jugendliche können ab sofort einziehen. Die Betreuung übernimmt der freie Hamburger Jugendhilfeträger Vielfalt. Sechs Fachkräfte werden sich um die Minderjährigen kümmern. Der Betreuungsdienst läuft 24 Stunden am Tag.

Die Kreisverwaltung hat sich nun etwas Luft verschafft. Jugendamtsleiter Christoph Helms sagte: „Wir suchen laufend neue Möglichkeiten der Unterbringung. Die Anmietung von Krögers Gasthof verschafft uns eine kurze Atempause, auch wenn die Gesamtlage weiter äußerst angespannt ist“. Bis Ende des Jahres würden 70, für 2016 mindestens 300 neue minderjährige Flüchtlinge erwartet, teilte Carstens mit. Bisher wohnen die Kinder und Jugendlichen im Elmshorner Kinderschutzhaus, in einem Hotel in Brande-Hörnerkirchen, in einer Wohngemeinschaft in Schenefeld, sowie in Uetersener und Elmshorner Jugendhilfeeinrichtungen. Etliche wohnen bei Verwandten.

Für Münster ist es ein Abschied auf Raten. Einen Käufer für sein Hotel hat er bereits gefunden. Er selbst will an einem neuen Standort in Tornesch investieren. „Die lange Tradition unseres Familienbetriebs war für uns das größte Problem. Aber das alte Hotel auf den neuesten Stand zu bringen, ist finanziell nicht möglich“, sagt Münster. Offiziell läuft sein Hotelbetrieb im kommenden Jahr noch weiter. Ende 2016 gibt es laut Münster dann drei Optionen: Kreis oder Stadt verlängern den Mietvertrag, Münster bringt selbst wieder Gäste unter oder die Abrissbirne kommt. Die Tornescher Ratsversammlung hattte im September mit einer Änderung des Flächennutzungsplans den Weg für einen Neubau an der Ahrenloher Straße geebnet. Im Gespräch ist ein Tagungshotel.

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erstellt am 03.Nov.2015 | 10:00 Uhr

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