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Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 08:34 Uhr

Exotische Haustiere : Ein folgenschwerer Trend

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Immer wieder sind Halter von Exoten wie Stinktieren und Waschbären überfordert. Kritik aus der Wildtierstation.

shz.de von
erstellt am 07.Jun.2017 | 10:00 Uhr

Klein Offenseth-Sparrieshoop | Stinktier „Miefy“ wurde in einem Wald entdeckt. Vermutlich hatten ihm seine Besitzer die Sekretdrüsen entfernen lassen, damit es bei der Haltung als Haustier nicht allzusehr zu Geruchsbelästigungen kommt. Aber möglicherweise waren die Besitzer dennoch mit dem Tier überfordert. Wie so viele Menschen, die sich Exotentiere zulegen. Denn immer mehr von ihnen landen in der Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop.

Die ehrenamtliche Einrichtung im Kreis Pinneberg betreut und vermittelt verletzte und herrenlos aufgefundene Wildtiere. Stationsleiter Christian Erdmann beobachtet einen folgeschweren Trend: „Immer mehr Menschen finden es offenbar interessant, sich exotische Tiere zuzulegen. Leider dürfen in Deutschland wahllos exotische Tiere gehandelt werden“, kritisiert der Stationsleiter. „Ein Riesengeschäft boomt und die Behörden unternehmen nichts um die Flut dieser Haustiere einzudämmen.“ Erdmann fordert daher strengere Regelungen für den Verkauf von exotischen Tieren und mehr Kontrollen, ob entsprechende Verbote auch eingehalten werden.

Eine entlaufene Ginsterkatze, Wasserschildkröten in einem Aquarium auf dem Sperrmüll in Uetersen, eine extrem bissige Schönnatter: All diese Tiere landeten bei Erdmann und seinem Team. Derzeit sind vor allem Waschbären und Nasenbären sehr beliebt. Erst gestern habe laut Erdmann eine Frau aus Dithmarschen angerufen, die mit der Haltung ihrer sechs Waschbären überfordert ist und jetzt zwei von ihnen abgeben will. Diese beiden wiederum habe sie selbst von einer überforderten Bekannten erhalten.

Der Trend zu Exoten zeigt sich auch im Hamburger Tierheim an der Süderstraße. Wie berichtet, bevölkern dort zwischenzeitlich 140 Echsen, Schlangen, Schildkröten und andere Exoten einen Raum, der ursprünglich für 30 Tiere gedacht war. Exotentiere, für die das Hamburger Tierheim nicht über die geeigneten Haltungsbedingungen verfügt, landen ebenfalls in der Station in Klein Offenseth-Sparriershoop. Eine noch weitere Anreise hatte Miefy: Er wurde von einem Jäger im niedersächsischen Verden entdeckt und kam dann zur Wildtierhilfe in Soltau. „Allerdings hatten die nicht das richtige Gehege für Stinktiere“, sagt Stationsleiter Erdmann. Wie es mit „Miefy“ weitergeht, steht noch nicht fest. Vier Wochen haben die ehemaligen Besitzer Zeit, sich zu melden. Danach suchen die Helfer der Wildtierstation für das kleine Stinktier ein neues Zuhause. Vermutlich landet es in einem Wildpark oder Zoo – wie so viele Exotentiere von überforderten Besitzer vor ihm.

Die Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop ist für Hamburg sowie Schleswig-Holstein zuständig und finanziert sich ausschließlich über Spenden und durch ehrenamtliche Arbeit. Eine Möglichkeit, die Arbeit des Vereins zu unterstützen, ist eine Patenschaft für eines der Wildtiere. Gegen eine Spende von mindestens 15 Euro monatlich für mindestens ein Jahr erhalten die Paten eine Urkunde, Infos zu dem Tier, Besuchstermine nach Absprache und im Falle einer Auswilderung kann der Pate bei diesem Ereignis dabei sein. Auch Sachspenden sind willkommen.
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