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Kreistag in Pinneberg : Ein Festakt zum 70. Geburtstag

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Mitglieder des Pinneberger Kreistags haben Montagabend das 70-jährige Bestehen ihres Gremiums gefeiert. Dabei erinnerten sie an die Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg, und nannten auch die aktuellen Herausforderungen.

shz.de von
erstellt am 12.Jan.2016 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Der Pinneberger Kreistag ist gestern 70 Jahre alt geworden. Die britische Militärregierung hatte einst für den 11. Januar 1946 zwei Frauen und 56 Männer eingeladen, die den ersten Pinneberger Kreistag unter britischer Aufsicht bildeten und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder demokratische kommunale Strukturen in der Region etablieren sollten. Die heutigen 49 Mitglieder des Kreistags feierten diesen Geburtstag gestern Abend mit zahlreichen Gästen mit einem Festakt im Pinneberger Ratssitzungssaal.

Hans-Helmut Birke (SPD) erinnerte sich in seinem Grußwort als mit 41 Jahren Zugehörigkeit dienstältestes Kreistagsmitglied an einige der Umschreibungen, die ihm gegenüber für den Pinneberger Kreistag genutzt wurden. „Mein ehemaliger Arbeitgeber, die Stadt Hamburg, sprach von einem ‚Feierabendparlament‘“, sagte Birke. „Ein Elmshorner Bürgermeister, nicht der aktuelle, nannte ihn ‚eine Kuh, die man melken kann‘ und ein Journalist schrieb einmal von einer ‚Quasselbude‘“, führte Birke weiter aus. „In all diesen Bezeichnungen steckt ein Fünkchen Wahrheit.“ Denn die Kreistagsmitglieder arbeiteten viele Stunden nach ihrem Feierabend ehrenamtlich für die Bürger des Kreises Pinneberg und nickten dabei die Verwaltungsvorlagen nicht nur ab, sondern diskutierten sie auch, so Birke. Zudem übernehme der Kreis zahlreiche Aufgaben im Zusammenspiel mit dem Land und den Kommunen, etwa die Schulsozialarbeit. „Hier liegt ein Stück politische Verantwortung, die wir gern erfüllen“, sagte er.

Kreispräsident Burkhard Tiemann (CDU) erinnerte in seinem Grußwort an die Mitglieder des ersten Kreistags. „Ich denke, dass nie wieder im Laufe der vergangenen 70 Jahre Abgeordnete dieses Hauses so kompromisslos nach vorne geblickt, Chancen ergriffen und ohne Lamentieren die eigene Zukunft gestaltet haben, wie es diese Frauen und Männer der Ersten Stunde taten.“ Die heutigen Vorbilder sollten sich diese Menschen als Vorbild nehmen, fügte Tiemann an.

Der Kreistag legt die Ziele und Grundsätze für die Verwaltung des Kreises Pinneberg fest. Er trifft alle für den Kreis wichtigen Entscheidungen in Selbstverwaltungsangelegenheiten und überwacht ihre Durchführung, soweit die Kreisordnung für Schleswig-Holstein keine anderen Zuständigkeiten vorsieht. Er kann Entscheidungen, auch für bestimmte Aufgabenbereiche, allgemein durch die Hauptsatzung oder im Einzelfall durch Beschluss auf den Hauptausschuss, einen anderen Ausschuss oder auf den Landrat übertragen, soweit dem keine Vorbehalte der Kreisordnung entgegenstehen. Der Kreistag ist über die Arbeiten der Ausschüsse und über wichtige Verwaltungsangelegenheiten zu unterrichten. Zudem ist er oberste Dienstbehörde des Landrats.

Auf die Bedeutung der Kreise wies Reinhard Sager, Präsident des Deutschen Landkreistags und Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Landkreistags, hin. „In den letzten Jahren haben die Kreise immer mehr Aufgaben übernehmen müssen. Entgegen mancher Unkenrufe nimmt also die Bedeutung der Kreise nicht ab, sondern zu. Man kann es auch so sagen, dass die bisherigen Landesregierungen und die heute im Amt befindliche Landesregierung den Kreisen viel zutrauen“, sagte er. So seien Kreise etwa Träger der Sozial- und Jugendhilfe und des Asylbewerberleistungsgesetzes. Er fordere vom Bund, diese Leistung finanziell stärker zu unterstützen.

ÜBERSICHT Die Präsidenten

Heinrich Stühmeyer, Oberkreisdirektor, 1946-1947

Alfred Bethke, Kreisdirektor, 1948-1950

Heinrich Sellmann (SPD), Kreispräsident, 1950-1951

Georg Boyksen (CDU), Kreispräsident, 1951-1955

Hans Werner Harms (CDU), Kreispräsident, 1955-1959

Alfred Hornig (SPD), Kreispräsident, 1959-1962

Hans Werner Harms (CDU), Kreispräsident, 1962-1970

Robert Rehm (SPD), Kreispräsident, 1970-1974

Otto Stummer (CDU), Kreispräsident, 1974-1989

Heinz Meyer (CDU), Kreispräsident, 1989-1990

Gudrun Schlüter (SPD), Kreispräsidentin, 1990-1998

Dietrich Anders (SPD), Kreispräsident, 1998-2003

Burkhard Tiemann (CDU), Kreispräsident, seit 2003

 

Für die kommunale Ebene bleibe das Jahr 2016 spannend und herausfordernd, sagte Sager. „Ich wünsche dem Kreistag und der Kreisverwaltung Pinneberg weiterhin eine glückliche Hand und jeden verdienten Erfolg.“

HISTORIE Das bewegte Deutschland noch im Jahr 1946

1. Februar: Trygve Lie wird erster Generalsekretär der Vereinten Nationen.

5. März: Die drei Präsidenten der Länder der amerikanischen Zone unterzeichnen das „Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“, die Grundlage für die Entnazifizierung.

7. März: Die FDJ wird in der sowjetischen Zone als kommunistische Jugendorganisation gegründet.

8. März: Die Weltbank nimmt ihre Arbeit auf.

18. April: Der Völkerbund löst sich in Genf auf. Die Vereinten Nationen übernehmen seine Arbeit.

21./22. April: Die KPD und die SPD schließen sich in Ost-Berlin zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zusammen.

9. Mai: Die West-SPD übt Kritik an der Vereinigung von Ost-SPD und KPD zur SED in der sowjetischen Zone.

30. Juni: Sowjetunion, USA, Frankreich und Großbritannien führen den Interzonenpass ein.

1. Juli: Die USA schlagen den Zusammenschluss der Zonen zur künftigen Bundesrepublik Deutschland vor, was sowohl Frankreich als auch die Sowjetunion verhindern.

23. August: Die britische Militärregierung gründet das nördlichste Land: Schleswig-Holstein.

1. September: Frankreich stimmt gegen die politische Einheit der künftigen Bundesrepublik Deutschland in den drei westlichen Zonen.

15. September: Sowohl in der französischen als auch in der britischen Zone finden die ersten Kommunalwahlen nach dem Zweiten Weltkrieg statt.

30. September/1. Oktober: Im Nürnberger Prozess werden die Urteile gegen die Hauptkriegsverbrecher verkündet, darunter zwölf Todesurteile, sieben Haftstrafen und drei Freisprüche.  Hermann Göring, ehemals Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe,  begeht vor der Vollstreckung des Todesurteils Selbstmord.

15. Oktober: Der erste deutsche Nachkriegsfilm – „Die Mörder sind unter uns“ von Regisseur Wolfgang Staudte mit Schauspielerin Hildegard Knef in  der Hauptrolle – feiert im Berliner Admiralspalast Premiere.

20. Oktober: Zum letzten Mal finden freie Wahlen in der sowjetischen Zone statt.

16. November: Die SED legt den ersten Verfassungsentwurf für eine „Demokratische Deutsche Republik“ vor. gma

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