Ein exzellentes Lebensmittel

Lichtdurchflutete Filterhalle: Betriebsleiter Gerhard Gehrke produziert mit seinen Kollegen im Wasserwerk Haseldorfer Marsch in Wedel etwa 17  000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag.
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Lichtdurchflutete Filterhalle: Betriebsleiter Gerhard Gehrke produziert mit seinen Kollegen im Wasserwerk Haseldorfer Marsch in Wedel etwa 17 000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag.

EU kritisiert Nitratwerte in deutschem Grundwasser / Belastung mit Spritzmitteln im Kreis Pinneberg / Kontrollen sichern Qualität

shz.de von
11. Juni 2014, 16:00 Uhr

Schlummert im Boden eine tickende Zeitbombe, die unser Grundwasser zu verseuchen droht? Das behauptet jedenfalls die Umweltorganisation Greenpeace und bezieht sich dabei auf Dokumente der Europäischen Union. Die EU-Kommission hat in einem Bericht die Qualität des deutschen Grundwassers bemängelt. Nur auf Malta sei das Wasser stärker mit Nitrat belastet als in Deutschland. Vor allem der Norden sei davon betroffen.

Messungen der Wasserwerke im Kreis Pinneberg zeigen zudem, dass der Boden in Teilen der Region mit Spritzmitteln aus den Baumschulen vergiftet ist (siehe Infokasten). Für das Umweltministerium Schleswig-Holstein ist der Kreis deswegen ein Gebiet mit besonderem Gefährdungspotenzial – Grund für diese Zeitung, bei der Kreisverwaltung Pinneberg nach dem Zustand von Grund- und Trinkwasser zu fragen.

Die Experten vom Fachdienst Umwelt geben Entwarnung. „Das Trinkwasser ist eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel“, sagt Fachdienstleiter Holger von Thun. „Auch das Trinkwasser im Kreis Pinneberg ist von bester Qualität.“ Zur Suche nach Pflanzenschutzmitteln sagt Frauke Schierau, Sachbearbeiterin beim Fachdienst Umwelt: „In den vergangenen Jahren sind keine neuen Wirkstoffe oder Abbauprodukte nachgewiesen worden. Das zuletzt entdeckte DMS wurde inzwischen als nicht gesundheitsgefährdend eingestuft.“

DMS ist die Abkürzung für N.N.-Dimethylsulfamid. Es entsteht laut Kreisverwaltung, wenn die Pflanzenschutzwirkstoffe Dichlofluanid und Tolylfluanid abgebaut werden. Seit 2007 ruhe deren Zulassung für die Verwendung im Freiland. Seit 2009 wurde dieser Stoff in nahezu allen Wasserwerken im Kreis nachgewiesen. Nach Angaben der Verwaltung hat das Umweltbundesamt (UBA) den Stoff aber inzwischen als nicht gesundheitsgefährdend eingestuft. Insgesamt elf verschiedene Abbauprodukte von Spritzmitteln wurden seit den 1980er-Jahren im Wasser nachgewiesen. Ohne Auffälligkeiten sind laut Kreisverwaltung nur die Werke Hamburg-Baurberg, Hamburg-Schnelsen und Horst (Kreis Steinburg), die ebenfalls ins Pinneberger Kreisgebiet liefern. In Uetersen, Halstenbek, Wedel Wasserwerk (JDM Möller) sowie in beiden Elmshorner Werken müssen Aktivkohlefilter eingesetzt werden, um die Chemie aus dem Wasser zu bekommen.


Abbauprodukte sind unbekannt


„Unkalkulierbare Gefahren sehen wir nicht“, sagt Schierau. Mit den strengen Kontrollen werde sichergestellt, dass keine Chemikalien ins Trinkwasser gelangen. Doch was in den kommenden 20 bis 30 Jahren tatsächlich im Grundwasser landet, weiß scheinbar keiner. „Es ist nicht klar, welche Abbauprodukte von Spritzmitteln im Boden entstehen. Und wir wissen auch nicht, wie lange es dauert, bis Stoffe in der Fördertiefe ankommen“, sagt Schierau. Das Wasser werde aus Tiefen von 30 bis 180 Metern geholt – es könne also Jahrzehnte dauern.

Gerhard Gehrke, Betriebsleiter des Wasserwerks Haseldorfer Marsch, sieht das entspannt. „Der Einsatz von Spritzmitteln in der Landwirtschaft ist heute reglementierter als früher. Außerdem wurden viele Wasserschutzgebiete eingerichtet“, sagt der Wasserexperte. Die Situation werde sich seiner Ansicht nach eher verbessern als verschlechtern.

Eine Belastung mit Nitrat sei kein Thema. Gehrke: „Weder in den Brunnen noch im oberflächennahen Wasser erreichen wir die Grenzwerte.“

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