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Stadtforum zur Zukunft des Sportangebotes : Ein erster Schritt für Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Teilnehmer des Forums sehen einen Bedeutungsverlust von Sportvereinen. Die Bindung von ehrenamtlichen Funktionsträgern gilt als Hauptproblem.

Die Pinneberger Sportvereine hatten eingeladen und mehr als 70 Bürger der Kreisstadt folgten dem Ruf. Vertreter der Parteien, der Verwaltung, des Senioren- und des Jugendbeirats, der Schulen und viele interessierte Pinneberger – alle versammelten sich am Sonnabend in den Räumen der Sparkasse Südholstein, um über die Zukunft des Sports in der Stadt zu diskutieren. Es wurde ein Tag, der zum Startschuss für ein großes gemeinsames Konzept, wie einen Sportentwicklungsplan, werden könnte.

Schüler haben weniger Zeit für Sport

Am Anfang waren zwei Vorträge zu hören. Zunächst sprach Thomas Behr vom Landessportverband (LSV) und stellte die Ergebnisse des Sportentwicklungsberichts für Schleswig-Holstein vor. Einige grundsätzliche Probleme wurden hier bereits deutlich: Durch die Verkürzung der Zeit bis zum Abitur auf acht Jahre haben Schüler immer weniger Zeit, um in Vereinen aktiv Sport zu treiben. „Es gibt außerdem zunehmend Probleme mit der Bindung von ehrenamtlichen Funktionsträgern“, so Behr. Die Bedeutung des Ehrenamts dürfe nicht hoch genug eingeschätzt werden, so der LSV-Geschäftsführer. Für Schleswig-Holstein gelte: „30 Prozent der Vereine fühlen sich in ihrer Existenz bedroht.“ Behrs Fazit daher: Die Vereine müssten bereit sein, sich zu verändern, es dürfe kein einfaches „Weiter so“ mehr geben.

Elmshorn hat sich bereits an einem Sportentwicklungsplan versucht. Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) war eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt. Hatje teilte seine Erfahrungen mit den Pinnebergern. Immer wieder hatten sich die Elmshorner im Plenum getroffen, eine Bestandsaufnahme der Sportstätten erstellt, Umfragen an Bürger verschickt, die Ergebnisse ausgewertet und Konzepte erarbeitet. „Eine Erkenntnis aus den Umfragen war beispielsweise: Die Vereine werden unwichtiger. Die am häufigsten ausgeübten Sportarten waren Laufen und Radfahren“, so Hatje. Eine Konsequenz: In Elmshorn sollte das „Eiserne Dreieck“ der Beziehung zwischen Sportvereinen, Sportamt und Kommunalpolitik aufgebrochen werden. „Wir wollen stattdessen eine Vernetzung zwischen allen Beteiligten, zwischen den Bürgern und allen Verbänden und Organisationen.“

Politik hat Konzept nicht abgesegnet

Mit diesen Ergebnissen ist Hatje zufrieden. Das Problem: Bis heute hat die Politik das Konzept nicht abgesegnet, die Parteien scheuten die Verantwortung, so der Bürgermeister. Doch auch Vereine und Schulen würden zu oft Aufgaben an die Verwaltung abschieben wollen. Gekostet hat das Projekt Elmshorn 40.000 Euro. Dazu kommen viele Arbeitsstunden. Nicht nur ehrenamtliche.

Es folgte das „World-Café“: In den einzelnen Besprechungszimmern der Sparkasse wurde pro Raum jeweils ein Thema diskutiert. In wechselnden Runden ging es um Integration durch Sport, die Infrastruktur der Sportstätten, Sport für Senioren oder für Kinder, die Zusammenarbeit von Vereinen und Schulen oder die Bedeutung des Ehrenamts. Bis zu sieben Teilnehmer tauschten sich gleichzeitig über einen Punkt aus, nach einer halben Stunde wurden die Gruppen gewechselt.

Sportforum nur erster Schritt für große Lösungen

Die Ergebnisse wurden anschließend in großer Runde präsentiert. Dabei wurde deutlich, dass das Sportforum nur der erste Schritt zu den großen Lösungen sein kann. Konkrete Vorschläge gab es für die Infrastruktur in Zeiten klammer Kassen. Eine Mehrzwecknutzung von öffentlichen Räumen wurde angedacht. „Mutter-Kind-Turnen im Ratssitzungssaal“ lautete das anschauliche Beispiel. Vereine und Schulen sollten verstärkt Sportgeräte gemeinsam nutzen. Durch Flutlichtanlagen oder Überdachungen für Sportplätze könnten diese Anlagen auch in der dunklen Jahreszeit intensiver genutzt werden.

City-Manager Dirk Matthiessen hob die Bedeutung des Sportangebots für den Standort Pinneberg hervor. Er betonte auch: „Wir sollten die Anerkennungskultur für sportliche Leistungen stärken, vielleicht über Sportpreise.“ Um die Zusammenarbeit zwischen Schule und Vereinen zu fördern, könnten die Angebote der Vereine und die Nachfrage der Schüler auf einer Sportbörse abgeglichen werden.

Kritik an Nutzung des Eggerstedt-Areals

Die Sportentwicklung in Pinneberg dürfte aber auch noch einiges an Konfliktpotenzial bereithalten. Nach Informationen dieser Zeitung beklagten Vertreter von VfL und SC Pinneberg in einem Brief an Bürgermeisterin Urte Steinberg den Umgang der Verwaltung mit den Sportstätten auf dem Eggerstedt-Gelände und An der Raa.

Die Vereine seien nicht zufrieden mit der Tatsache, dass die Anlagen auf dem Eggerstedt-Gelände für den Vereinsport verloren gehen. Für die angrenzenden Sportanlagen An der Raa habe die Stadt für das Lärmgutachten falsche Nutzungszeiten genannt. Die Vereine sollen sich daher gegen den Bebauungsplan für das Eggerstedt-Gelände aussprechen, der am Mittwoch, 5. Februar, im Stadtentwicklungsausschuss besprochen werden soll.

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