Ein cooler Reformator

Es gibt Luther-Kekse: Victoria (von links), Aleya-Leni und Felix zeigen stolz ihre bunten Meisterwerke, mit denen die Kinderbibelwoche gestern zu Ende ging.
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Es gibt Luther-Kekse: Victoria (von links), Aleya-Leni und Felix zeigen stolz ihre bunten Meisterwerke, mit denen die Kinderbibelwoche gestern zu Ende ging.

Junge Pinneberger lernen bei der Kinderbibelwoche Martin Luther näher kennen

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14. Oktober 2019, 17:56 Uhr

Pinneberg | Theologe, Angeklagter, Exilant, Reformator: Martin Luther (1483 - 1546) ist eine schillernde Person der deutschen und christlichen Geschichte. Seit vergangenem Jahr hat er in Schleswig-Holstein seinen eigenen Feiertag. Der steht jetzt wieder vor der Tür und passend dazu haben sich elf Kinder während der Pinneberger Kinderbibelwoche mit Luther und seinem Leben auseinander gesetzt.

Im Gemeindehaus am Kirchhofsweg herrscht Trubel: Zum Abschluss der Kinderbibelwoche werden Luther-Kekse gebacken. Neele rollt schon mal den Teig aus, Victoria, Felix und Aleya-Leni warten darauf, dass sie ausstechen können. Eine Kirche und Luthers Kopf samt Mütze gibt es als Form. „Ich freue mich, dass ich Keksebacken lerne“, sagt Felix. Aber auch andere kreative Basteleien haben die Kinder bereits geschafft: Specksteinschleifen, bunte Kirchenfenster mit Transparentpapier basteln, Filzen und eine Schatzsuche hat Karen Adler, Diakonin der Luther-, Christus- und Kreuz-Gemeinde, für sie auf die Beine gestellt.

Adler ist seit acht Jahren in Pinneberg. Seitdem veranstaltet sie die Kinderbibelwoche und auch Kinderbibeltage sowie die Sternsinger-Aktion. Sie sagt: „Die Idee, die Kinderbibelwoche in die Herbstferien zu legen, war zum einen, um den Eltern Zeit zu geben, sodass sie arbeiten können. Zum anderen können wir mit den Kindern anders Themen erarbeiten und kreativ sein als im Rahmen eines Gottesdienstes.“ Die Themenwahl fiel auf Luther wegen des Reformationsjubiläums 2018, bei dem auch beschlossen wurde, aus dem Reformationstag, dem 31. Oktober, einen Feiertag zu machen. „Viele Kinder haben sich damals in der Schule damit befasst. Wir vertiefen das nochmal. Ich möchte nicht, dass vergessen wird, warum der Tag frei ist.“

Adler hat gemeinsam mit sechs jungen Helfern das Programm organisiert und durchgeführt. Die Kinder befassten sich an jedem Tag der vergangenen Woche mit einer anderen Station aus Luthers Leben: sein Aufenthalt im Kloster und die Erkenntnis, dass Gott gnädig ist, Luthers Standhaftigkeit was seine Thesen betrifft, die Bibelübersetzung auf der Wartburg und die Heirat mit Katharina von Bora. Luther hat auch heute eine starke Botschaft, findet Adler. „Er prägt noch heute unser Leben“, sagt sie. „Gerade, dass man keine Angst haben darf, ist eine Erkenntnis, die wir brauchen.“ Auch das kritische Hinterfragen des eigenen Tuns ist etwas, was sie den Kindern mit auf den Weg geben möchte. „Heute ist nicht alles in der Welt in Ordnung und da müssen wir drüber sprechen. Und man muss den Mut haben, zu dem, was man glaubt, zu stehen.“

Luther als modernes Vorbild – das sehen auch die Kinder so. Die sechsjährige Aleya-Leni war erstaunt über das, was sie gelernt hat. „Ich kannte Luther vorher gar nicht, das war alles sehr spannend“, sagt sie, während sie einen Keks aussticht. Sie hat aus der Schule einen Flyer zur Kinderbibelwoche mitgenommen und wollte unbedingt teilnehmen. Die neunjährige Neele sagt: „Luther ist cool, weil er viele Sachen gemacht hat, die andere sich nicht getraut haben.“ Sein Kampf gegen Ablassbriefe der katholischen Kirche hat sie beeindruckt: „Das war mutig.“

Luther gab mit seinen Thesen den Anstoß für einen Wandel. Heute – 500 Jahre später – steht die Kirche vor neuen Herausforderungen. Wie die Deutsche Presseagentur jüngst mitteilte, treten immer mehr Menschen aus (siehe Kasten). Auch Adler bemerkt einen Rückgang. „Austreter können oft mit der Institution nichts anfangen“, sagt sie. „Aber das Bedürfnis nach Glaube ist nach wie vor da.“ Ihr falle auf, dass das Bild der Menschen von der Kirche oft ein veraltetes ist. „Viele sind überrascht, dass wir viele junge Menschen haben. Die Kirche bietet ein großes Angebot an, das gut besucht wird.“ Dazu gehört auch die Kinderbibelwoche. Sie ist offen für alle Kinder. „Wir gucken nicht darauf, ob jemand Kirchenmitglied ist“, sagt Adler. Und das Angebot kommt an. Felix sagt: „Ich finde es gut, dass wir so viele Geschichten hatten. Die waren alle schön.“

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