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Pinneberger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 11:48 Uhr

Ein Chor aus mehr als 300 Stimmen

vom

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg/Elmshorn | Diens tag, 19 Uhr, im Gemeindesaal der Hamburger FEG Holstenwall: Zirka 300 Menschen sitzen in den Stuhlreihen und blicken nach vorn, auf den Mann im weißen T-Shirt. "Wir leihern die Stimmenbänder jetzt schon mal provisorisch aus", ruft der Elmshorner Niels Schröder der Menge zu, die gleich zu einem Chor wird - zu seinem Chor.

Nach der letzten Probe hätten einige über Heiserkeit geklagt, daher konzentriert sich der 30-Jährige dieses Mal beim Einsingen ganz besonders auf die richtige Atemtechnik. Wie bei einer ganz normalen Chorprobe, und doch ganz anders: Denn wenn es am Dienstagabend heißt "Hamburg singt", kommen durchschnittlich 300 Menschen in den Gemeindesaal an der Stadthausbrücke. So auch an diesem Dienstag. "Einige sind heute zum ersten Mal dabei, aber ich sehe auch viele bekannte Gesichter", sagt der Elmshorner. "Man muss nicht jede Woche kommen - genau das macht Hamburg singt aus, die Unverbindlichkeit", betont Schröder.

Die Idee einen derartigen "Chor für alle" zu gründen, hat der Elmshorner aus Schweden: Eine Freundin hatte ihm erzählt, dass sie in einem derartigen Chor singt und ihn von der Idee begeistert, dieses Projekt nach Deutschland zu holen.

"Singen macht Spaß und ist gesund. Es geht hier nicht darum, die tollste Stimme zu haben, sondern einfach in einer Gruppe zu singen", verdeutlicht Schröder, und erklärt, dass es sein Wunsch sei, allen, die Lust darauf hätten, mit anderen zu singen, dieses zu ermöglichen.

Jede Probe beginnt mit dem "Hamburg singt"-Lied, in dem Schröder die vier Musiker, die "Hamburgs Sänger" instrumentalisch begleiten, vorstellt und begrüßt. Damit alle in den Refrain einstimmen können, werden die Liedtexte von zwei Technikern an die Wand projeziert. Nebenbei sorgen die beiden mit Lichteffekten für eine Konzertatmosphäre.

Nach diesem lockeren Begrüßungsteil beginnt die eigentliche Chorprobe: Die Sänger sitzen eingeteilt in Hauptstimme, hohe und tiefe Nebenstimme auf den Bänken. Schröder fordert sie auf, sich zu erheben und zum Aufwärmen Vokale zu singen, zunächst hohe, dann tiefe. Obwohl niemand muss, machen alle mit. Nach zirka zehn Minuten wird die Spannung aufgelöst: Schröder gibt bekannt, was gesungen wird. Dieses Mal sind es Gospel-Lieder, wegen des Kirchentags - eigentlich singt "Hamburgs größter Chor" Evergreens der Popmusik.

Die Band beginnt zu spielen, an der Wand erscheinen die Wörter "I will follow Him" und Schröder, im Rampenlicht auf der Bühne, gibt den Sängern das Signal, ihre Stimme zu erheben. Was er dann hört, gefällt ihm: "Ja, engelsgleich. Damit überzeugt ihr auch den Papst", ruft er der Menge begeistert zu.

Eine Stunde später werden alle Lieder des Abends noch einmal gesungen. Dann ist Schluß - zumindest für die Sänger. Schröder und sein Team haben noch viel zu tun: Die Musikinstrumente müssen eingepackt, das Technikpult abgebaut werden, und zwischendurch kommen immer wieder Teilnehmer, die sich bei Schröder für den schönen Abend bedanken möchten. So auch die kleine Anna. Sie erzählt ihm ganz stolz: "In einem Monat darf ich wiederkommen, hat Mama gesagt." Einen Musikwunsch dafür hat sie schon aufgeschrieben.

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