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Wedel : „Ein Buch über Boote war überfällig“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Erste Veranstaltung in der Wedeler Kunsthalle: Till Verclas stellt zwei Kunstbücher mit Kohlezeichnungen und Holzdrucken vor.

Die Flugtickets liegen bereit, und Till Verclas fiebert bereits der kommenden Woche entgegen. Auf der „Codex International Artist Book Fair“ in Richmond, Kalifornien, wird der Wedeler Künstler seine neuen Kunstbücher präsentieren. Sonntag stellte er die ersten fertigen Exemplare bereits in der Kunsthalle Wedel vor.

„Ich freue mich, dass so viele Besucher zu unserer ersten offiziellen Veranstaltung in diesen Räumlichkeiten gekommen sind“, sagte Till Verclas. Auf dem Schreibtisch lagen vier in Papier eingeschlagene Pakete. „Wir machen es heute wie die reichste Firma der Welt und zelebrieren das Auspacken“, sagte Verclas, der die neuen Werke im Zwiegespräch mit dem Physiker Kevin Rachor vorstellte.

„Keiner ruft mich an – No One‘s Ringing Me Up“ heißt das erste Künstlerbuch, das in den vergangenen drei Monaten entstanden ist und 16 Faksimiledrucke von Kohlezeichnungen zeigt. „Vor mir stand ein typischer Telefonblock und irgendwann habe ich einfach angefangen, mit Kohle zu zeichnen“, erläuterte Verclas. Das Material war am Ende Grundlage für den Titel des Druckwerks. Die Zettel pinnte er an die Wand. Nach einiger Zeit landeten sie in der Schublade. Als er sie vor einigen Monaten wieder rausholte, war die Idee zum Buch geboren.

Zunächst sei der Digitaldruck geplant gewesen, doch die Ergebnisse überzeugten den Kunstdrucker nicht. Also entschied er sich für das Offset-Verfahren. „Mir ist beim Drucken aufgefallen, dass die Rückseiten auch ein Leben haben“, so Verclas. Daher sind auch die Rückseiten der Faksimiledrucke im Buch entsprechend der Originale gestaltet. Neben der auf 50 Exemplare limitierten Auflage gibt es noch vier Vorzugsausgaben. Jeder liegen vier der Originalskizzen bei.

Zudem präsentierte Verclas am Sonntag auch sein zweites Buch: „Das Hohelied des Seemanns – Tagebücher und Erinnerungen“. Die Drucke zeigen eine Kombination aus Blättern und Schiffen. „Ein Buch über Boote war längst überfällig“, sagte der passionierte Segler. Allerdings sei die Umsetzung Zufall gewesen, da er zunächst mit dem Druck der Blätter begonnen habe.

Die Holzschnitte wurden anfänglich aus Buchsbaumholz gefertigt – dem klassischen Material der Kunstdrucker. „Ich wollte aber etwas Neues ausprobieren“, so Verclas. Daher nutzte er Regalbretter und am Ende auch Holz von Europaletten. „Richtig schlechtes Holz mit vielen Strukturen“, erläuterte der Künstler und ergänzte: „Das Spannende war, dass ich vorher nicht wusste, welche Teile der Oberfläche im Druck zu sehen sein werden.“ So bildet die Maserung des Holzes teilweise ganz eigene Strukturen innerhalb der Drucke.

„Haben die Blätter eine besondere Bedeutung?“, fragte Rachor. Verclas winkte direkt ab: „Da habe ich die genommen, die draußen rumgeflogen sind“, so der Künstler. Ob seine Werke auch am Computer entstehen könnten, fragte Rachor weiter? Nicht mit der entsprechenden Tiefe und Oberflächenstruktur war sich Verclas sicher. Dann würde er zudem den Job an den Nagel hängen: „Wenn ich mir vorstelle, das müsste ich am Computer setzten, dann würde ich Taxifahrer werden. Das wäre spannender. Denn das Wichtige ist für mich die Auseinandersetzung mit dem Material.“

Die 24 Ausgaben des Buchs „Das Hohelied des Seemanns“ wurden auf Whatman Papier gedruckt – übrigens mit familiärer Unterstützung von seinen Kindern. Auch hiervon präsentierte Verclas vier Vorzugsausgaben. Diesen liegen die 15 Holzschnitte als nummerierte und signierte Einzeldrucke bei. Wer es nicht nach Kalifornien schafft, kann die Bücher direkt über Till Verclas beziehen. 

www.tillverclas.de


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erstellt am 03.Feb.2015 | 16:00 Uhr

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