Das Sonntagsgespräch : „Ein Boom wie im Tennis ist unrealistisch“

Klaus Kroppa.
Klaus Kroppa.

Klaus Kroppa, Vorsitzender des Kreistischtennisverbandes, erläutert, was sich in seinem Sport ändern muss.

shz.de von
08. Juni 2014, 06:00 Uhr

Quickborn | Was ist das Faszinierende am Tischtennissport?
Er gilt als der schnellste Sport überhaupt. Zu der Faszination gehört aber auch die Zeit nach den Spielen. Der Zusammenhalt mit der Mannschaft hatte für mich immer eine große Bedeutung.

Wie sind Sie zum Vorsitzenden des Kreistischtennisverbandes geworden?
Zum Kreisverband kam ich, weil ich gefragt wurde, ob ich das Amt übernehmen will. Davor war ich lange auf Vereinsebene ehrenamtlich aktiv. Ich bin wohl das, was man einen Vollblutfunktionär nennt. Beim TuS Holstein Quickborn habe ich schon kurz nach meinem Eintritt ein Amt übernommen. 30 Jahre lang war ich Abteilungsleiter und habe alle Höhen und Tiefen mitgemacht. Eine Zeitlang spielten wir in der Oberliga und waren die beste Mannschaft im Kreis. Sogar Schweden waren bei uns im Team. Das Geld dafür haben wir durch Veranstaltungen eingenommen. Deshalb galt ich in Sachen Tischtennis als „Partylöwe“.

Mit welchen Problemen hat der Tischtennissport im Kreis zu kämpfen?
Wir haben vielleicht noch vier Vereine im Kreis, die sich für größere Veranstaltungen anbieten. An erster Stelle ist da sicher der TuS Esingen. Dort stehen noch Helfer zur Verfügung. Das fehlt in den meisten Vereinen. Keiner hat mehr Lust, sich zu engagieren. Und ein Amt kommt sowieso nicht in Frage. Wenn im Verband Vorstandswahlen anstehen, schauen die meisten nur auf ihre Schuhe und hoffen, dass sie niemand anspricht. Das ist ein Problem, mit dem der Sport generell zu kämpfen hat.

Deutschland ist die zweitbeste Tischtennisnation der Welt. Profitieren die Vereine von den Erfolgen?
Wir haben Glück, dass wir mit Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov gleich zwei Riesentalente haben. Solche Ausnahmeathleten wird es so schnell nicht mehr geben. Ein Boom wie mit Boris Becker und Steffi Graf im Tennis ist unrealistisch, weil Tischtennis fürs Fernsehen offensichtlich nicht interessant ist und nur Insider anspricht. Die Mitgliederzahl ist in Schleswig-Holstein in den vergangenen 20 Jahren sogar kontinuierlich gesunken. Früher gab es noch 30 000 Spieler im Land. Die Zahl hat sich um die Hälfte reduziert.

Wie kann es gelingen, Nachwuchs für den Tischtennissport zu begeistern?
Das geht nur mit engagierter Nachwuchsarbeit. Wer ein gutes Training anbietet, hat Zulauf. Das klingt einfacher als es ist. Qualifizierte Trainer sind leider häufig zu teuer. Im Kreis haben wir vor drei Jahren ein Leistungskonzept entworfen. Dieses beinhaltet unter anderem Stützpunkttraining, Arbeit in den Vereinen, Fördermaßnahmen und einiges mehr. Ein Leistungskoordinator sorgt dafür, dass dieses Konzept mit Leben gefüllt wird. Der Erfolg ist bereits sichtbar. In den vergangenen drei Jahren waren wir auf Landesebene zwei Mal der erfolgreichste Kreis und belegten einmal den zweiten Rang.

In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Regeländerungen. Haben sich diese bewährt?
Wir haben immer das Schlimmste befürchtet, konnten uns aber meistens schnell an die Änderungen gewöhnen. Wirklich gebracht haben Reformen wie die Reduzierung der Gewinnpunkte von 21 auf 11 oder die Vergrößerung der Bälle allerdings nichts. Die Entwicklung von Kunststoffbällen ist sogar ein völliger Flop. Die sollten zum 1. Juli eingeführt werden, sind aber schon nach wenigen Schlägen kaputt. Grundsätzlich halte ich es für Irrsinn, dass wir selbst im Kreis mit unterschiedlichen Systemen und Regeln spielen. Mal besteht eine Mannschaft aus sechs, in anderen Klassen dagegen nur aus vier oder drei Spielern. Wie soll der Sport bei solch einem Chaos vermarktet werden?

 

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