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Brände in Schleswig und Rellingen : Ein Blick in die Psyche von Brandstiftern

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In Schleswig und im Kreis Pinneberg verbreiten Feuerteufel Angst. Was bewegt Brandstifter? Ein Psychologe gibt Antworten.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2014 | 13:36 Uhr

Rellingen | In Schleswig legte ein Mann am Mittwoch an einem Abend sieben Brände - gegen ihn erging inzwischen Haftbefehl. Bei den Bürgern von Rellingen im Kreis Pinneberg macht sich in den vergangen Wochen die Angst breit. Ein Feuerteufel hält seit dem 28. Juli die Gemeinde in Atem. Acht Autos sind bislang in Flammen aufgegangen – und auf der Facebook-Seite des Pinneberger Tageblatts wurde in einem vermeintlichen Bekennerschreiben Schlimmeres angedroht. Der Verfasser, er wurde von der unter Hochdruck ermittelnden Kriminalpolizei Pinneberg für authentisch gehalten, schrieb dort von einer „Kriegserklärung“ gegen die „arrogante Gemeinde“, die bluten solle. „Wir werden gnadenlos Feuer legen und Menschen angreifen“, so der Unbekannte, der sich in Anlehnung an einen Oberst der Waffen-SS „Felix Steiner“ nennt.

Die Frage drängt sich auf: Warum werden Menschen zu Brandstiftern? Der Psychologe Winfried Barnett sucht nach Erklärungsansätzen. Meist gehe es bei Brandstiftungen um Versicherungsbetrug oder schlichtweg um Rache, sagt der 57-jährige Mediziner. Deutlich schwieriger sei hingegen der Umgang mit krankhaften Brandstiftern, erklärte Barnett, der als Dozent an der Universität Heidelberg arbeitet. Die meisten der psychisch kranken Feuerteufel könne man in drei Gruppen einteilen: „Frusttäter, Lusttäter und solche mit gestörtem Sozialverhalten“, sagte Barnett, der viele Brandstifter nach ihrer Festnahme auf ihre Schuldfähigkeit untersucht hat.

„Das Frustmotiv haben meist junge, intellektuell minderbegabte und wenig erfolgreiche Männer bis 25 Jahre. In alkoholisiertem Zustand begehen sie zuerst eher zufällig eine erste Brandstiftung, merken dann aber, dass sie so unangenehme Emotionen abschwächen können“, erläuterte Barnett. Aus diesem Grund gebe es in Großstädten immer wieder Feuer in Hausfluren und auf Dachböden. Auch die Serie brennender Autos in Berlin und Hamburg führte der Arzt weniger auf politisch-extremistische Hintergründe, sondern auf derartige Täter und Nachahmer zurück.

Lusttäter seien meist Männer zwischen 14 und 21 Jahren. „Diese wollen angenehme Emotionen wie Freude am Feuer noch verstärken“, so der Psychologe. Einige würden durch das Feuer regelrecht sexuell stimuliert. „Ich rate Polizei und Feuerwehr immer, an den Tatorten nach auffälligen Personen zu schauen. Denn die Lusttäter helfen nicht selten eifrig beim Löschen oder sie filmen das Geschehen.“

Bei den Brandstiftern, bei denen Experten eine „Störung des Sozialverhaltens“ diagnostizieren, handele es sich ebenfalls meist um junge Männer. Bei ihnen gehöre das Feuerlegen genauso zum Alltag wie Schule schwänzen, lügen oder stehlen, erläuterte Barnett. Der Wissenschaftler sei selbst immer wieder erstaunt, welche Gründe Täter für eine Brandstiftung angeben. Als in Berlin ein 29-jähriger Zeitungsbote verhaftet wurde, der Kinderwagen angezündet und damit ganze Häuser zerstört hatte, habe er einen „tiefen Hass auf nach Berlin gezogene Schwaben“ als Begründung angegeben. „Der Mann ist eindeutig ein Frusttäter.“

Vor 200 Jahren habe es noch einen weiteren Typ von Brandstiftern gegeben. „Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts zündelten viele heimwehkranke Dienstmädchen auf dem Land.“ Als Zwölfjährige seien die Mädchen zu einer anderen Familie geschickt worden. „Sie dachten, dass sie nach dem Abbrennen des Bauernhofs wieder nach Hause kommen könnten, da sie nun überflüssig seien“, erzählte der Experte.

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