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„Mehr als nur ein paar Primeln“ : Ein Biotechnisches Luftbefeuchtungssystem in der Kita

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Kita Biene Sonnenstrahl: Biotechnisches Luftbefeuchtungssystem soll das Raumklima in der Einrichtung verbessern.

Schenefeld | Sie haben Studien gewälzt, Internetseiten durchforstet und sich mit Fachleuten in Verbindung gesetzt – und hoffen, dass sie nun die Lösung des Problems gefunden haben. Die Leiterin der Kita Biene Sonnenstrahl Morna Fiedler und Diplomingenieur Willy Kanow wollen ein biotechnisches Luftbefeuchtungssystem für die Schenefelder Kita. In der Vergangenheit hatten – wie berichtet – Kinder und Erzieher unter anderem vermehrt über Atemwegsbeschwerden geklagt. Nun sollen die Pflanzen helfen, die Luftfeuchtigkeit deutlich zu erhöhen.

Zwei Gutachten hatte die Stadt in Auftrag gegeben. Schadstoffe, die Grenzwerte überschreiten oder diese erreichen, waren demnach „nicht nachweisbar“, sagte damals Bauamtsleiter Andreas Bothing. Die Luftfeuchtigkeit sei ebenfalls gemessen worden und „vergleichbar mit anderen städtischen Gebäuden“. Die Werte der Raumluftmessung bezeichnete er gegenüber der Politik als „nicht ideal, aber bei der jetzigen Belüftungs-Nutzung ein guter Kompromiss zwischen Luftfeuchtigkeit und Frischluft“. Dennoch sagte Bothing der Kita-Leitung finanzielle Unterstützung seitens der Stadt zu, als diese vorgeschlagen hatte, die Luftfeuchtigkeit mit speziellen Pflanzen zu erhöhen.

Nun hat sich Fiedler mit Unterstützung von Kanow in das Thema eingearbeitet. Fiedler nahm auch Kontakt zu einer anderen Kita auf, in der die Kinder Beschwerden geäußert haben, die vergleichbar sind mit denen in Schenefeld. Dort wurde ebenfalls mit besonderen Pflanzen gearbeitet – mit Erfolg. Als Übergangslösung sind in Schenefeld derzeit Luftbefeuchter in den Räumen aufgestellt. Bereits dadurch hätten sich die Beschwerden gebessert, so Fiedler.

Wie sieht nun die Lösung der Thematik aus? „Die Pflanzenberatung der Universität Hamburg im Botanischen Garten empfiehlt eine Luftfeuchteerhöhung mittels eines biotechnischen Luftbefeuchtungssystems“, sagt Fiedler. Hierbei handele es sich um ein Pflanzensystem mit Hydrokulturen oder Semikulturen. Das Unternehmen Radtke Biotechnik aus Bayern biete solche geeigneten „Prima-Klima-Pflanzen“ an. „Es geht hier um mehr als nur ein paar Primeln. Das ist ein komplexes System“, sagt die Kita-Leiterin.

Eine Bedarfsberechnung für ein solches biotechnisches Luftbefeuchtungssystem hat der Kita-Betreiber in Auftrag gegeben. Er hat hierfür die Raumdaten zusammengestellt und die über drei Monate gemessenen Luftfeuchtedaten für die Bedarfsberechnung aufbereitet. Die Daten weisen demnach sehr starke Schwankungen auf, mit Minimalwerten von bis zu 20 Prozent relativer Luftfeuchte. Auch die Gutachten der Stadt wurden hinzugezogen, da auch darin die Luftfeuchtigkeit gemessen worden war.

Aus Sicht von Kanow hat die Stadt als Bauherr der Kita zwar „grundsätzlich nichts falsch gemacht“. Jedoch sei die Luftfeuchte-Thematik bei modernen Bauten in Passivbauweise unterschätzt worden, so Kanow. Dies sei heute ein generelles Problem, das auch andere Bauherren betreffe. Dadurch, dass die Gebäude so gut gedämmt, also abgeschottet sind, entstehe das Problem. „Die einhellige Expertenmeinung ist: Auch die beste Lüftungsanlage kann diese Passivhaus-Grundeigenschaft nicht beseitigen, genauso wenig wie Fensterlüftung diese physikalisch gegebene Situation verbessern kann. Abhilfe für eine gute Luftqualität kann nur eine zusätzliche Luftbefeuchtung bringen“, urteilt Kanow.

Noch stehen die endgültigen Kosten für die „Prima-Klima-Pflanzen“ nicht fest. Die Kita steht aber laut Fiedler mit der Verwaltung in Kontakt und will die Bedarfsberechnung weitergeben, wenn diese vorliegt. Fiedler hofft auf eine schnelle Einigung. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der erste Raum bereits zum Tag der offenen Tür am Sonnabend, 20. Mai, mit den Pflanzen bestückt sein.

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erstellt am 28.Apr.2017 | 16:00 Uhr

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