Die Reportage : Ein Besuch im Legoland: Darth Vader tief in die Augen geschaut

Mangels Jedi-Kräften macht es vielleicht Sinn, bei Darth Vader um Gnade zu flehen. Bastian Fröhlig versucht es.
Mangels Jedi-Kräften macht es vielleicht Sinn, bei Darth Vader um Gnade zu flehen. Bastian Fröhlig versucht es.

Bastian Fröhlig, Mitarbeiter des tip-Tageblatt am Sonntag, zwischen Star Wars, Piratenland und viel dänischem Regen.

shz.de von
05. Juli 2015, 11:00 Uhr

Rissen/Billund | New York, Miami, Pittsburgh – egal was ich vorschlug, immer wieder lehnte meine Verlobte die Idee ab. „Der Gutschein für eine Städtetour gilt für einen Ort, den wir an einem Wochenende erreichen können“, machte sie deutlich. Ginge bei New York, aber die Aufenthaltszeit wäre sehr kurz. Ich grübelte über ein mögliches Ausflugsziel während ich auf die Regale in meinem Zimmer starrte. Mehr als 70 Lego-Modelle stehen dort – Star Wars, das Haus der Simpsons, der aus der Comicserie bekannte „Kwik-E-Markt“ sowie das Auto aus Ghostbusters. Legoland – warum war mir das Ausflugsziel nicht schon eher eingefallen.

„Wir fahren nach Billund“, sagte ich meiner Freundin, die in etwa so ausdruckslos schaute, wie die Augen der gelben Steinmännchen. „Was soll da sein?“, frage sie unwissend. „Legoland“, gab ich zurück und ergänzte: „Keine 300 Kilometer entfernt. Das schaffen wir an einem Tag.“ Gesagt getan.

Auf der Webseite wählten wir den letzten Tag, der mit „normaler Andrang“ gekennzeichnet war. Mitten in der Woche. Ohne Ferien. Perfekt. Als wir am Morgen starteten, meldete die Wetterprognose noch leichten Nieselregen. Mit jedem Kilometer gen Norden sollte das Wetter und auch die Prognose schlechter werden. Am Ende standen eine durchweichte Regenjacke, eine leichte Erkältung und zwei Deutsche zwischen deutlich besser aufs Wetter vorbereiteten dänischen Familien. Dafür gab es keine Wartezeiten.

Wir parkten quasi direkt gegenüber des Haupteingangs. Das große Schild „Legoland Billung Ressort“ war schon aus dem Auto zu sehen – getragen von bunten Legosteinen. Nichts wie rein. Das erste Ziel: Der Lego Store. Erst einmal einen Lego-Poncho kaufen. Die gelben Plastiktüten-ähnlichen Überzüge sehen zwar nicht schick aus, schützen aber super gegen Regen. Und man fällt nicht mehr auf. Dann geht es weiter ins Miniaturland, wo der benachbarte Flughafen ebenso nachgebaut ist wie die Grachten aus Amsterdam, die Innenstadt von Oslo oder Cape Canaveral, wo alle paar Minuten mit lautem Getöse und viel Rauch ein Raketenstart simuliert wird.

Nach zwei Runden und ratlosen Blicken der Mitarbeiter auf meine Fragen gebe ich die Suche nach dem Wedeler Willkommhöft und der Kult-Fischbude „Isi’s“ auf. Denn der Gedanke macht sich breit, dass diese wohl eher im Deutschen Legoland bei Günzburg zu finden ist. Ein gutes Ziel für den nächsten Tagesausflug, denke ich mir. Weiß meine Freundin noch nicht – außer sie liest diesen Artikel. Aber das ist ein anderes Thema.

Am Spukhaus mit Riesenspinne  vorbei geht es ins Piratenland. Ich stehe vor dem weißen Soldaten-Fort, um das wir als Kinder unzählige Schlachten geschlagen haben. Es ist wie früher, nur um den Faktor X vergrößert. Das gleiche gilt für die Piratenschiffe, auf denen man selbst seine Runden drehen und die Parkbesucher nass spritzen kann. Bei strahlendem Sonnenschein sicherlich traumhaft, bei Regen eher ein Spiel, der zahlreichen dänischen Besucher mit passender Kleidung.

Ein Millenium Falke in XXL – den schnapp ich mir. (Foto: Fröhlig)
Ein Millenium Falke in XXL – den schnapp ich mir. (Foto: Fröhlig)
 

Vorbei an Wikingern, Drachen, Feuerwehren, den Adventure- und Polarbereichen komme ich endlich am eigentlichen Ziel meiner Reise an. Dem neuen Star-Wars-Bereich mit dem größten Legomodell der Welt: ein X-Wing-Starfighter auf fünf Millionen Steinen, einer Flügelspannweite von 13 Metern und mehr als 20 Tonnen Gewicht. Bevor ich der klassischen Melodie der Filmreihe folge, stehe ich Darth Vader Auge in Auge gegenüber. Fast. Denn der – einfach ausgedrückt – Oberbösewicht aus Legosteinen überragt mich ganz bequem um einen Kopf.

Dann geht es in die Halle, in der scheinbar jemand dauerhaft die Nebelmaschine aktiviert hat. Der X-Wing ist ebenso beeindruckend wie schwer zu fotografieren, was am Nebel und der sehr verwinkelten Halle liegt. Sehr schade für die vielen Fans, die versuchen, den Giganten auf Speicherkarte zu bannen.

Einem  Piraten die Hand geben. (Foto: Fröhlig)
Einem Piraten die Hand geben. (Foto: Fröhlig)
 

Auf großen Monitoren zeigen die Konstrukteure wie das Modell entstanden und vor Ort zusammengebaut wurde. Ansonsten ist die Halle, die erst dieses Jahr neu eröffnet wurde, eher enttäuschend. In sechs Vitrinen stehen Verpackungen von einem Bruchteil der mehr als 350 Star Wars Modelle. Viele habe ich selbst schon zusammengebaut.

Der Raum um den X-Fighter wirkt notdürftig ausgestattet. Warum die Parkorganisatoren nicht einfach alle Modelle präsentieren und so die Vielfalt der Serie  zeigen, bleibt wohl ihr Geheimnis. Schnell noch mal mit Luke Skywalker fürs Erinnerungsfoto salutiert und den X-Wing mit beleuchteten Triebwerken von hinten fotografiert, dann stehe ich mit meiner Verlobten wieder im kalten dänischen Regen. Da dieser nicht enden will und die Mägen mittlerweile knurren, steuern wir die Ritterburg an. Kleine gelbe Männchen wachen hinter den Zinnen. Wir bekommen Löwenschwerter und stärken uns am mittelalterlichen Büfett. 

Sie wollten unbedingt mit aufs  Foto. Na gut. (Foto: Fröhlig)
Sie wollten unbedingt mit aufs Foto. Na gut. (Foto: Fröhlig)
 

Als wir gestärkt aus der Burg treten, hat sich der Regen in einen Sturm verwandelt. Selbst den Dänen wird es zu viel und sie strömen zum Ausgang. Wir sparen uns den Besuch im Duplo-Land, drehen eine Runde mit der Lego-Bahn durch den Park und schauen uns die überdimensionalen Star-Wars-Modelle vor dem Lego-Store an. Diese hätten die neu eingerichtete Halle deutlich aufgewertet. In mir kommt der Wunsch auf, die meisten Modelle, die ich oftmals einige Nummern kleiner besitze, direkt einzupacken. Es bleibt allerdings bei Fotos. Zum Abschluss geht es in den Outlet- und den normalen Lego-Store. Die Preise sind – nicht nur wegen der höheren Mehrwertsteuer – teilweise 30 Prozent höher als in deutschen Online-Shops.

Ein Adventskalender von 2012, der noch in meiner Sammlung fehlte, wandert als Erinnerungsstück über die Theke. Dann ist nach sechs Stunden Abschied angesagt. Als wir durch den Ausgang treten, scheint jemand einen Schalter umzulegen. Just in diesem Moment hört der Regen auf. Hat es sich gelohnt? Ein klares Jein. Die Piraten- und Ritterbereiche zeigen die Modelle, mit denen ich als Kind stunden verbracht habe. Unzählige. Der Star-Wars-Bereich war trotz des Mega-X-Wings eher enttäuschend. Sicherlich hätte besseres Wetter dazu eingeladen, einige Fahrgeschäfte wie die Wasserrutsche ausgiebig zu testen, doch fehlte mir persönlich ein Bereich, in dem verschiedene Legomodelle ausgestellt werden, bei deren Betrachtung man in seiner eigenen Kindheit schwelgen kann. Freizeitparkbesucher kommen sicherlich auf ihre Kosten.

Wer in seinen Erinnerung schwelgen will, sollte auf dem Dachboden schauen, welche Steine und Bauanleitungen dort noch stehen und einfach mal wieder selbst basteln. Das macht auch mit Mitte 30 noch unglaublich Spaß.

Unter dem Namen Legoland wurden weltweit Freizeitparks eröffnet, die sich thematisch mit den beliebten Legosteinen beschäftigen. Das Unternehmen Lego eröffnete das erste Legoland 1968 im dänischen Billund. Es folgten Legoland-Parks in Sierksdorf, der Ende 1976 wieder geschlossen wurde, im britischen Windsor (1996), im kalifornischen Carlsbad (1999), im deutschen Günzburg (2002), Malaysia (2012). Das nächste soll 2016 in Dubai eröffnet werden. Alle Legoland-Parks sind für ihr jeweiliges Miniland bekannt, in dem internationale und nationale Wahrzeichen aus Lego-Steinen nachgebaut wurden. Den Park im dänischen Billund, der sich auf 14 Hektar erstreckt, besuchen pro Jahr 1,65 Millionen Menschen. www.legoland.dk
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