zur Navigation springen

Das Sonntagsgespräch : „Ein Bekenntnis zum Sport“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Dieter Scheithe, Vorsitzender der LG Wedel-Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2016 | 15:00 Uhr

Pinneberg | Die Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Wedel-Pinneberg des Wedeler TSV und des VfL Pinneberg ist eines der sportlichen Aushängeschilder des Kreises Pinneberg und hat sogar schon Olympiasieger hervorgebracht. Im Sonntagsgespräch erklärt der LG-Vorsitzende Dieter Scheithe unter anderem, was dem Sport in Pinneberg fehlt.

Mit welchen Problemen hat die LG Wedel Pinneberg zu kämpfen?
Der Zustand des Stadions An der Raa bereitet uns große Sorgen. Die Stadt Pinneberg ist nicht mehr in der Lage, Sportgeräte zu beschaffen. Stabhochsprunganlage, Startblöcke, Zeitmessung – alles müssen wir selbst kaufen, weil die Stadt kein Geld hat. Auch die Infrastruktur stimmt nicht. So muss zum Beispiel die Sprecherkabine dringend saniert werden. Die Wurf- und Sprunganlagen und die Laufbahn (Belag und Kennzeichnung) im Stadion bedürfen ebenfalls dringend der Erneuerung. Ich bedauere, dass die beiden Sportplätze und die Halle auf dem Gelände der ehemaligen Eggerstedt-Kaserne geopfert wurden. Das ist ein Eigentor. Diese Anlagen fehlen dem Pinneberger Sport. Dass die Bürgermeisterin trotz allem von einem Sportpark spricht, passt nicht zusammen.

Was wünschen Sie sich von der Stadt?
Ich wünsche mir ein klares Konzept, wie sich der Sport in Zukunft entwickeln soll. Wir brauchen einen Plan für die Infrastruktur und für die Beschaffung von Geräten. Wenn wir mehrere Jahre auf eine Matte für Hochspringer warten müssen, ist irgendwann keiner mehr da, der springt. Es muss ein klarer Wille erkennbar sein, den Sport zu fördern. Früher hatte die Stadt vier Sportlehrer eingestellt, die sowohl in den Schulen als auch in den Vereinen arbeiteten. Dadurch war auch der Kontakt zu den Schulen wesentlich enger. Der ist bei uns inzwischen leider unterentwickelt.

Ist Pinneberg trotzdem eine Sportstadt?
Durch die Vereine ja. Ansonsten fehlt einiges, unter anderem der politische Wille, Geld für die Infrastruktur und Sportanlagen zur Verfügung zu stellen. Das Sportamt ist inzwischen selbst bei vielen Veranstaltungen nicht mehr vertreten. Wir brauchen ein klares Bekenntnis zum Sport. Nicht nur Worte, sondern auch Taten. Dann kann sich einiges verbessern. Ein Beispiel für den Ist-Zustand: Als ein neues Diskusnetz aufgehängt werden musste, waren lange Diskussionen erforderlich. Der städtische Bauhof sollte wegen zu hoher Kosten nicht eingesetzt werden, weil er seine Leistungen der Stadt in Rechnung stellt.

Ist die Bedeutung des Sports insgesamt geringer geworden?
Der Sport muss grundsätzlich höher aufgehängt werden, nicht nur in Pinneberg. Wir klagen, dass unsere Kinder zu wenig Sport treiben, halten aber häufig keine vernünftige Infrastruktur vor. So wird zum Beispiel einerseits bedauert, dass immer weniger Kinder schwimmen können. Andererseits schließen immer mehr Schwimmbäder, weil der Betrieb zu teuer ist. Auch die Förderung des Spitzensports ist in anderen Ländern wesentlich besser.

Hat die Leichtathletik einen geringeren Stellenwert?
Der Stellenwert ist aus meiner Sicht immer noch groß. Allerdings macht sich die sinkende Medienpräsenz negativ bemerkbar. Es dreht sich alles um den Fußball. Von den anderen Sportarten ist höchstens mal bei deutschen Meisterschaften, Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen etwas zu sehen.

Was hat sich im Vergleich zu früher verändert?
Die langen Schulzeiten sind für uns ein Problem. Kinder, die bis 16 Uhr in der Schule sind, gehen danach nicht mehr unbedingt in die Vereine. Wir haben das Glück, dass trotz allem noch relativ viele Jugendliche zur Leichtathletik kommen.

Was ist das Besondere an der LG Wedel-Pinneberg?
Bemerkenswert ist, dass schon seit mehr als 30 Jahren eine Freundschaft mit Montpellier besteht. Die gegenseitigen Besuche in den Osterferien sind immer ein tolles Erlebnis. Die Entwicklung des Sports ist dort bemerkenswert. Von den Voraussetzungen können wir nur träumen. Höhepunkte sind auch immer unsere eigenen Veranstaltungen wie das Himmelfahrt-Sportfest mit etwa 450 Teilnehmern und der Stadtwerkelauf mit 800 Teilnehmern. Diese Ereignisse stemmen wir ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern.

Warum engagieren Sie sich gerade in der Leichtathletik?
Der Sport ist mein Leben. An der Leichtathletik liebe ich die Schönheit und Vielfalt. Außerdem freue ich mich riesig, wenn ich junge Sportler zu Erfolgen führen kann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen