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Pinneberger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 13:17 Uhr

Ein Baumpark mit Visionen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Thema der Woche Viel hat das Arboretum in den letzten Jahren erreicht, aber die Visionen reichen Leiter Hans-Dieter Warda nicht aus

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 16:00 Uhr

Seit Erwerb des Arboretums 1980 durch den Kreis Pinneberg wurde viel erreicht auf dem Gelände. Zuschüsse des Kreises, aber vor allem die ehrenamtliche Arbeit der Familie Warda, die auch durch die Gründung eines Förderkreises Gelder von Gönnern und Sponsoren erhielten, ist es zu verdanken, dass das Arboretum heute nicht mehr eine Wiese mit einigen verschiedenen Gehölzen zu Forschungszwecken, sondern ein attraktives Ausflugsziel und eine Bildungseinrichtung für Jung und Alt ist - ein Kleinod der Region , eine Oase der Erholung für Pinneberger und Hamburger.

Trotz der ständigen Weiterentwicklung bis heute gehen dem Professor die Ideen aber anscheinend nie aus: „Ich habe einen dicken Leitz-Ordner voller neuer Projekte“, berichtet der 76-Jährige mit ungebremster Energie. „Den zeige ich ab und an meinen Gärtnern, und sie erschaudern bei dem Anblick regelmäßig.“ Was steht also auf Wardas Agenda?

Nächstes Projekt ist der Bau eines ökologischen Spielplatzes. „Das steht jetzt auf der nächsten Seite,“ so Warda. Hier sollen Kinder spielend an die Geheimnisse der Natur herangeführt werden. Das könnte beispielsweise der Nachbau einer Salbeiblüte sein: „Krabbelt ein Insekt dort hinein, muss es eine Hebelwirkung auslösen, um an den Nektar zu kommen“, erläutert Warda. Dadurch würden die Staubgefäße nach vorn direkt auf den pelzigen Rücken des Insekts gedrückt, an dem die Pollen hängen bleiben. „Solche Blüten könnte man nachbauen: Die Kinder könnten dann dort hineinkrabbeln, wie die Insekten“, schwärmt er. Zwar hat das Arboretum bereits einen Spielplatz, aber das reicht Warda nicht: „Der ist zu klein, das muss jetzt in Angriff genommen werden.“


Ein steinerner Riese schlummert im Park


Ein weiteres Kapitel des Arboretums kündigt sich durch einen bereits auf dem Parkgelände schlummernden steinernen Riesen an: Eine aus einem Stück gefertigte Papierwalze. Die hat der Professor durch Zufall bei der Auflösung einer Heilbronner Papierfabrik ergattert und nach Ellerhoop bringen lassen. „Die müssen wir haben, koste es, was es wolle, habe ich damals gesagt“, berichtet Warda. Per Schwertransport wurde der Koloss in den Norden gebracht. Neben ihm liegt auch ein Kollerstein, der einst dazu diente, Holz zu zerkleinern und zu Brei zu machen, aus dem dann Papier hergestellt wurde. Diese beiden Schwergewichte sind die Grundsteine eines neuen Kapitels im Arboretum: „Hier soll es um Papierherstellung und den Umgang mit Rohstoffen gehen“, erklärt Warda. Die Objekte sollen im Bereich der Schulbiologie für Veranschaulichung und Reflexion sorgen.


Landesgartenschau im Arboretum?


Im Jahr 2007 hatte sich das Arboretum um die Landesgartenschau beworben, bekam aber den Zuschlag nicht. Wäre das noch einmal ein Projekt? „Inzwischen frage ich mich ehrlich gesagt, wozu“, sagt Warda. Mit Schrecken erinnert er sich daran, dass bei der damaligen Diskussion das NDR-Zelt auf seiner mühsam angelegten Narzissenwiese hätte stehen sollen. „Das wäre fast wie ein Motorbootrennen auf dem Lotosteich – nur über meine Leiche“, habe er damals gesagt. Und nun sei er noch viel entschlossener, „die Schätze, die wir hier langfristig angelegt haben, zu schützen gegenüber Dingen, die nur temporär sind.“


Professor Warda macht blau


Seit gut einem Jahr hat das Arboretum die nebenliegende Wiese gekauft, den sogenannten Wiesenpark, auf dem momentan bunte Wiesenblumen zu bewundern sind. Darauf steht auch eine ehemalige Reithalle, in der künftig viele Veranstaltungen stattfinden können. Warda plant dort auch klassische Konzerte, Orchestermusik. „Die Menschen lieben den Wiesenpark“, sagt Warda. Diese Wiese würde er gern ein Jahr vollkommen blau erscheinen lassen, „denn blau ist nun mal meine Lieblingsfarbe. Die Leute sollen auf die Knie gehen und heulen, so schön soll es werden“, schwärmt er.

Wann er das umsetzen will? „Bald, also da kann ich einfach nicht mehr lange warten.“ Und bei dem ersten Konzert in der Halle wolle er dann auch selbst auftreten und singen – denn Warda studierte nicht nur Pflanzen, sondern auch Gesang. „Und wenn dann alles blau ist, kann ich vielleicht auch blau machen“, sagt er und lacht.

In der Tat wollte Warda mit 70 spätestens die Leitung des Arboretums niederlegen. Nun ist er 76. „Es ist schwer, einen Nachfolger zu finden, der das hier ehrenamtlich führen will und auch kann, sowohl zeitlich aus auch fachlich. Gute Leute wollen bezahlt werden.“ Auch er selbst habe das alles nur leisten können, weil er seinen Lehrstuhl flexibel einrichten konnte, und so Freiraum für das Arboretum schaffen. „Und weil meine Frau unermüdlich hier ehrenamtlich mitgearbeitet hat“, sagt er mit sichtlicher Wehmut. „Ohne die Arbeit meiner Frau wäre ich höchstens ein reizendes Nichts gewesen“. Ihr ist auch der Garten der Seele gewidmet im Arboretum: Natürlich in Blau.

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