Ein Barockherz schlägt in der Brust

SerieMeike Ruhe, Kirchenmusikerin der Ostergemeinde, plant Konzert mit internationalen Profimusikern und der eigenen Kantorei

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22. Dezember 2017, 18:15 Uhr

Mit Meike Ruhe, Kirchenmusikerin der Osterkirche Kummfelds, sprachen wir über das Fehlen eines Kinderchores in der Gemeinde, ihre Pläne für den Jugendchor und ein besonderes Konzert der Kantorei im Januar, bei dem internationale Profimusiker praktisch direkt aus der Elbphilharmonie in die Osterkirche nach Kummerfeld stolpern, um gemeinsam mit der heimischen Kantorei ein fulminantes Konzert zu geben.

Die Kirche war der Raum, in dem Ruhe als Kind zur Musik fand: „Dort spielte ich Blockflöte, war im Kinderchor, lernte Klavier. Mit 13 sagte ich meiner Mutter: Ich will Organistin werden.“ In Hamburg studierte sie dann Kirchenmusik, arbeitete auch acht Jahre in einer Hamburger Gemeinde. Nach der Geburt des zweiten Kindes zog sie mit ihrer Familie nach Pinneberg. Inzwischen ist sie 21 Jahre hier beschäftigt, kennt die Gemeinde länger als der amtierende Pastor Bernd Andresen. Früher gab es noch zwei Kinderchöre. Die fehlen heute. Ruhe: „Damals musste ich bei der Geburt meines dritten Kindes pausieren. So etwas ist sehr personengebunden.“ Zwar habe man Vertretungen besorgt, aber „wenn die Chorleitung nicht in der Gemeinde wohnt und aus Hamburg eingeflogen kommt, merkt man einfach den Unterschied“. Der Kinderchor brach zusammen und es gelang Ruhe nicht, ihn später wieder neu hochzuziehen. Zum einen reiche dafür die Zeit nicht, denn eine richtige Kantorenstelle sei an der Osterkirche gar nicht vorgesehen. Sie selbst ist mittlerweile eigentlich schon in Rente, ist auf geringfügiger Basis beschäftigt. „Meine Arbeitszeit von fünf Stunden wöchentlich überschreite ich so schon bei Weitem“, sagt sie lachend. Probleme sieht sie aber auch in der Gesellschaft: „Die Kinder sind zeitlich viel mehr in der Schule eingebunden als früher. Und dann sind sie durch Fernsehen und Internet total vollgestopft. Man muss immer Knüller bieten, damit sie dabei bleiben. Einfach mal etwas üben und eine Durststrecke überwinden klappt kaum noch“, sagt sie. Dass es keinen Kinderchor mehr gibt, bedauert Ruhe sehr. „Es war eine sehr lebendige Zeit, die Eltern mischten ordentlich mit“, erinnert sie sich.


Nachwuchs für den Jugendchor

Ein weiterer Nachteil des Wegfalls der Kleinsten ist fehlender Nachwuchs auch im Jugendchor. Auf den konzentriert sich Ruhe dafür mit doppelter Hingabe. Letztes Jahr studierte sie mit den Jugendlichen das Musical Tabaluga ein. „Ein Musical möchte ich im kommenden Jahr wieder machen“, sagt sie. „Es macht unheimlich Spaß, die sind so kreativ – auch was das Bühnenbild angeht, haben sie viele Ideen. Ach, ich liebe sie,“ schwärmt Ruhe. Für ein Musical wäre aber Nachwuchs sehr hilfreich. „Ich habe schon meine Mädels angespitzt, sie sollen Leute mitbringen.“

Von Erfolg gekrönt ist auch Ruhes Arbeit mit der Kantorei, dem Erwachsenenchor. „Oftmals werden Chöre mit ihren Chorleitern alt. Das ist hier nicht der Fall. Wir sind bunt gemischt, auch mit Mitgliedern über die Gemeindegrenze hinaus.“ Der Chor entwickele sich prächtig, nicht zuletzt weil der Stimmbildner Sven Olaf Gerdes regelmäßig mit den Mitgliedern übt. Lachend erläutert Ruhe: „Ich habe eine Fortbildung gemacht bei einer Professorin der Hamburger Musikhochschule mit dem Titel Anti-Aging für die Stimme.“ Höhepunkt dieser Chorarbeit ist ein Konzert am Sonnabend, 13. Januar, um 19 Uhr in der Osterkirche. Die Sänger treten dort gemeinsam mit dem Barockorchester Elbipolis auf. „Eigentlich wollten wir im Dezember schon spielen, aber an dem Termin musste Elbipolis in der Elbphilharmonie auftreten“, sagt Ruhe. Deswegen habe man das auf Januar verschoben. Elbipolis: Das sind international erfolgreiche Vollprofis. Der Kern stammt aus Hamburg, Teile kommen aber aus ganz Deutschland dazu. Die Musiker übernachten zu Hause bei Chormitgliedern, gemeinsam studieren sie das Programm ein. „Das Tolle ist, das Elbipolis trotz der Professionalität eine enorme Spielfreude mitbringen. Sie nehmen Rücksicht auf die Chorlaien und proben lieber länger, damit sich die Sänger richtig wohl fühlen.“ Das Ergebnis kann sich sicher hören lassen. >Nächste Woche: Rolf Sieberkorb, Vorsitzender des TuS Borstel-Hohenradens

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