Ein alter Bekannter zieht ins Pfarrhaus

Die Begenung mit Menschen fasziniert Christian Brodowski ebenso wie das Gebet.
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Die Begenung mit Menschen fasziniert Christian Brodowski ebenso wie das Gebet.

Paulskirche: Pastor Christian Brodowski folgt auf Kerstin Otterstein

shz.de von
12. Juli 2018, 16:58 Uhr

Stille Wasser sind tief: So abgedroschen dieser Vergleich auch ist. Er passt zu Christian Brodowski. Der neue Pastor der Paulskirchengemeinde in Schenefeld gehört zur ruhigen, gelassenen Sorte. Im Gespräch ist aber rasch zu spüren, dass hinter der Fassade ein Denker steckt, der im Dienst der Kirchengemeinde und gleichzeitig in der Kommunikation mit Menschen aufgeht.

Brodowski ist in Hamburg geboren und an der Ostseeküste aufgewachsen. Der 34-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach dem Studium hat er sein Vikariat bereits in Schenefeld verbracht – unter der Leitung von Pastorin Kerstin Otterstein. Deshalb ist die Freude umso größer, dass er nun wieder zurückkehren kann an die Grenze Hamburgs. Zuletzt war er Pastor in Mirow in Südmecklenburg. „Das kennen viele aus dem Urlaub“, sagt Brodowski. Der Abschied sei ihm nicht leicht gefallen, er freue sich aber auch auf die neue Aufgabe. Aus seinen Worten wird deutlich, dass es nicht einfach war, in einer Region, in der die Kirche keine tragende Rolle spielt, Pastor zu sein.

Allerdings bot diese Station auch Vorteile: Die Kirche ist zwar nicht gleich so sichtbar im öffentlichen Leben wie in Schenefeld, jedoch seien die Aktivitäten für Belang für die Menschen, weil es wenige Alternativen gebe.

Besonders beeindruckt habe ihn zwar das ehrenamtliche Engagement – trotzdem hatte er viel zu tun: „Ich hatte drei Kirchen, sieben Friedhöfe, jedes Wochenende mindestens zwei Gottesdienste – das ist schon ein anderes Arbeiten als hier“, so Brodowski. Auf der anderen Seite habe er in Ostdeutschland weniger Taufen und Beerdigungen abgehalten als in Schenefeld. Gefallen habe ihm in Mirow der enge Kontakt zu den Menschen. In Schenefeld habe er hingegen mehr Verantwortung, was Personal angeht. „Ich will das gar nicht bewerten. Aber das Arbeiten ist schon sehr anders.“

Jedoch hätten nicht zuletzt die strukturellen Veränderungen vor Ort – Stellen wurden zusammengekürzt – dazu geführt, dass der Theologe die freie Stelle gern angenommen hat. „Ich wollte hier wieder her“, sagt er. Unter anderem sei zudem die Infrastruktur für seine Kinder in Schenefeld besser, die Wege kürzer. „Als Familie haben wir uns darauf gefreut. Ich habe zwar zuerst überlegt. Aber ich habe dann auch aus vollem Herzen Ja gesagt“, führt er aus.

In der Düpenaustadt hat Brodowski sich nun mit seiner Familie niedergelassen. Dort will er Wurzeln schlagen, ankommen. Seine Kinder sind fünf und drei Jahre alt. Das Jüngste ist gerade einmal zehn Wochen auf der Welt. Anfang Juni ist der gebürtige Hamburger mit seiner Frau Hanna und dem Nachwuchs ins Pastorat umgezogen.

Auf den Startschuss freut sich Brodowski schon. „Da ist sonntags Woche für Woche Leben in der Bude. Schenefeld ist eine lebendige Gemeinde, die einen hohen Anspruch hat. An Predigten und an die Art und Weise wie Veranstaltungen durchgeführt werden. Da kann man nicht herumschludern und irgendwas abliefern“, ist er sich sicher.

Gleichzeitig herrsche eine große Offenheit. In Schenefeld komme es regelmäßig vor, dass er Rückmeldungen für Pedigten erhalte. „Das mag ich. Dieses miteinander Lernen. Weiterkommen. Lebendig bleiben. In Bewegung bleiben.“ Die Gemeinde hinterfrage sich ständig. In Schenefeld würden auch mal neue Wege getestet. Diese Experimentierfreude imponiere ihm sehr. „Darauf freue ich mich. So verstehe ich auch Gemeinde. Das braucht eine gewisse Dynamik. Manchmal auch Reibung.“

Was ihn an seinem Beruf gefällt? Darüber könne er zwei Stunden reden, sagt Brodowski lachend. „Ich finde, es gibt nichts Spannenderes als mit so unglaublich verschiedenen Menschen zu arbeiten.“ Sich immer neu einstellen und dabei eine Glaubensdimension ins Spiel bringen zu müssen – das begeistere ihn nach wie vor. „In Betrieben hat man nur einen bestimmten Ausschnitt der Gesellschaft. Ich habe als Pastor die Chance, mit der ganzen Bandbreite der Gesellschaft zu arbeiten und ihr zu begegnen.“ Jeder Mensch benötige eine andere Ansprache. Die Mitte bilde dabei „hoffentlich“ der Glaube. Der Beruf sei anstrengend und komplex. Aber mache auch viel Spaß. „Ich bin für alle da“, führt der Pastor aus. Und das nimmt man ihm auch ab.

www.paulskirche-schenefeld.de

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