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Asylbewerber in Tangstedt : Ehrenamtliche Helferinnen beklagen fehlende Unterstützung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

„Die Integration im Dorf stagniert“. Die Politiker sind vom Ausmaß der Probleme überrascht.

Tangstedt | Es war ein Hilferuf, den Sabine Sommerfeld, Marga Ehlers, Sabine Hollinger und Nadine Oesting-Held am Dienstagabend an die Mitglieder des Ausschusses für Schule, Sport, Kultur und Soziales in Tangstedt richteten. Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen fühlen sich im Stich gelassen.

Seit sieben Monaten nimmt die Gemeinde Asylsuchende auf. Derzeit sind es 14 Erwachsene und zwei Kinder, die in dem Dorf eine Unterkunft gefunden haben. Die vier Frauen kümmern sich fast rund um die Uhr um die Flüchtlinge. Sommerfeld sagt: „Es läuft an sich sehr gut, aber jetzt sind wir einfach an einem Punkt angelangt, an dem die Integration stagniert.“

Als Beispiel zog sie eine Situation während des diesjährigen Osterfeuers heran. Sie seien mit ihren „Schützlingen“ dort gewesen. „Aber wir standen den ganzen Abend alleine da. Keiner hat irgendwelche Anstalten gemacht, zu uns herüber zu kommen. So stelle ich mir das nicht vor. Diese Situation frustriert uns sehr“, sagte Sommerfeld. Auch Ehlers betonte, dass sie das Gefühl habe, viele verließen sich zu sehr auf das Ehrenamt. „Ich mache das alles sehr gerne, aber der Unmut steigt langsam in mir hoch“, sagte sie.

Zweimal pro Woche bieten Ehlers und Sommerfeld einen Deutschunterricht an. „Wir mussten einen Tag hinzunehmen. Eigentlich müssten sie jeden Tag Deutsch lernen“, erklärte Ehlers, ehemalige Förderschullehrerin. Die Frauen suchen dringend nach Unterstützung. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass vielleicht Bürger eine Patenschaft übernehmen. Dann wäre Kontakt hergestellt“, sagte Ehlers.

„Mehr geht nicht mehr“

Bedingung dafür sei jedoch, dass mehr von der Gemeinde kommen müsse. „Wir sind an unsere Grenzen gelangt. Mehr geht nicht mehr“, sagte Ehlers. Auch Sabine Hollinger, Vorsitzende des TSV Tangstedt, richtete einen eindringlichen Appell an die Politiker: „Wir erhalten keine Unterstützung. So geht es nicht weiter.“

Als weiteren Punkt sprach Ehlers die zahlreichen Autofahrten an, die Sommerfeld mit ihren Schützlingen unternehme. „Sie fährt ständig mit ihnen zum Arzt oder zu Ämtern. Zumindest dafür sollte ein Ausgleich der Kosten geschaffen werden“, sagte Ehlers.

Die Ausschuss-Mitglieder sagten zu, dass sie sich um finanzielle Unterstützung kümmern wollten. Große Reaktionen auf den Hilferuf blieben aber aus. „Ich finde das sehr bedauerlich und verwunderlich“, sagte Bürgermeister Detlef Goos (FDP) auf Nachfrage. Ausschussvorsitzende Annika Ahrens-Glismann (CDU, kleines Foto) sagte im Gespräch mit dieser Zeitung: „Uns war nicht bewusst, dass die Probleme so gravierend sind.“ Die Gemeinde habe keine große Handhabe, weil das Amt Pinnau für die Asylbewerber zuständig sei. Dennoch wollten sich die Mitglieder Gedanken machen, sagte Ahrens-Glismann. Denkbar wäre etwa ein Fest der Kulturen. Zunächst werde aber ein Flyer gedruckt, der im Dorf verteilt werden soll.

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erstellt am 23.Apr.2015 | 16:00 Uhr

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