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„Buntes Tangstedt“ : Ehrenamtliche Helfer organisieren Abend mit Asylbewerbern

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eritrea: Flucht vor der Diktatur. Anerkennung wird zur Warteschleife.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2015 | 16:00 Uhr

Tangstedt | Vor etwa 19 Monaten entschloss sich der heute 18-jährige Gezai, aus Eritrea im nordöstlichen Afrika, zu fliehen. Gemeinsam mit sieben anderen Flüchtlingen berichtete Gezai am Dienstagabend in Tangstedt über seine Erlebnisse auf dem Weg nach Europa.

Gezai floh zu Fuß zunächst in den Sudan. Dann ging es in einem Autokonvoi mit weiteren 150 Flüchtlingen nach Libyen. „Wir hatten nicht genug Wasser und haben Benzin mit Wasser gemischt und das getrunken“, erinnerte sich Gezai.

Insgesamt 14 Tage war Gezai unterwegs, bis er in Tripolis ankam. „Mit einem Schiff sind wir dann nach Sizilien gekommen“, sagte der 18-jährige. Weiter über Rom, Mailand, München und Neumünster kam Gezai dann in der Gemeinde Tangstedt an. Insgesamt sieben Monate war er unterwegs. „Ich habe für die Reise 2950 Euro bezahlt“, sagte Gezai.

Grund für seine Flucht ist das Militär. „Die Menschen in Eritrea leben in einer Diktatur, sie werden zum Militär gezwungen bis zum 70. Lebensjahr. Man dient also der Diktatur“, erklärte Detlef Kuhn, der die Betreuung zweier Flüchtlinge übernommen hat.

Die Heimat ohne Abschied verlassen

Nachdem der Vater und die Brüder von Gezai bereits aus dem Land geflüchtet waren, musste er eine schwere Entscheidung treffen. „Ich habe meine Mutter alleine zurückgelassen, ohne ihr Bescheid zu sagen“, sagte Gezai leise. Dies habe ihrem Schutz gedient. Der junge Mann möchte nun in Deutschland bleiben und eine Ausbildung zum Schreiner oder Tischler machen.

Gezais Schicksal berührte die etwa 60 Besucher im Tangstedter Gemeindezentrum sichtlich – während er berichtete, herrschte Stille im Raum. Die Idee zum Abend unter dem Motto „Buntes Tangstedt“ hatten die vier ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen Sabine Sommerfeld, Marga Ehlers, Sabine Hollinger und Nadine Oesting-Held. „Wir haben nicht mit so vielen Besuchern gerechnet und es freut uns, dass das Interesse so groß ist“, betonte Ehlers.

Weiterhin dringend Wohnungen gesucht

Die Flüchtlinge erhielten bei ihren Erzählungen Hilfe von Betreuern, aber einige versuchten auch selbst, ihre Erlebnisse auf Deutsch vorzutragen. Die Asylbewerber aus Eritrea, Albanien und auch Syrien hatten sich gut darauf vorbereitet, ihre Geschichten zu erzählen.

Für die Besucher gab es am Ende die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Eines brannte ihnen allen unter den Nägeln: „Was macht die Verwaltung momentan mit ihnen?“, fragte ein Besucher. Laut Sommerfeld ist die Situation für die Flüchtlinge mit einer Warteschleife zu vergleichen. „Ihre Erlaubnis wird teilweise nur monatsweise verlängert. Sie leben alle hier in ständiger Anspannung, bis sie endlich ihren Status als Flüchtling erhalten“, berichtete Sommerfeld, die von den Flüchtlingen auch häufig „Mama Sabine“ genannt wird.

Sobald die Asylbegehrenden ihren Status erhielten, müssten sie in eine eigene Wohnung ziehen. „Deswegen bitten wir sie ganz dringend, uns Bescheid zu geben, wenn sie eine freie Wohnung haben oder jemanden kennen, der eine zur Verfügung stellen kann“, appellierte Ehlers an die Besucher.

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