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Eine Insel erwacht zum Leben : Ehrenamtliche Helfer aus aller Welt unterstützen Naturschützer im Kreis Pinneberg

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der letzte sesshafte Bauer hat Pagensand 1998 verlassen. Seitdem ist die Elbinsel menschenleer und steht vollständig unter Naturschutz. In den vergangenen drei Tagen herrschte jedoch reges Treiben auf dem Eiland.

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erstellt am 10.Aug.2017 | 10:00 Uhr

Pagensand | Der letzte sesshafte Bauer hat Pagensand 1998 verlassen. Seitdem ist die Elbinsel menschenleer und steht vollständig unter Naturschutz. In den vergangenen drei Tagen herrschte jedoch reges Treiben auf dem Eiland. 15 Jugendliche und junge Erwachsene aus aller Welt, zwei Betreuer und die beiden Ranger aus dem Haseldorfer Elbmarschenhaus hatten in den Gebäuden des für die Wartung der Schifffahrtssignale zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamts Quartier bezogen. Ihr Auftrag: Umweltschutz.

Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) organisieren seit mehr als 60 Jahren Freiwilligendienste in der ganzen Welt. Nach eigenen Angaben werden jährlich mehr als 5000 Freiwillige in den unterschiedlichen Diensten betreut. Ziele des Vereins sind unter anderem die Förderung des Verständnisses und der Abbau von Vorurteilen zwischen Angehörigen verschiedener Nationen, sozialer Schichten, Religionen und Weltanschauungen. Die ijgd bestehen aus einem Bundesverein, an den 13 Landesvereine angeschlossen sind. Sie sind alle als gemeinnützige Vereine anerkannt. Die ijgd sind kirchlich und parteipolitisch unabhängig.

Die 16 bis 25 Jahre alten ehrenamtlichen Helfer sind Teilnehmer eines Jugendcamps, das die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste in Zusammenarbeit mit dem Elbmarschenhaus organisiert haben. Insgesamt zwei Wochen sind sie im Kreis Pinneberg aktiv. Unter Anleitung der Ranger Heiko Richter und Wim Nieuwenhuijs haben sie unter anderem bereits Staudämme im Tävsmoor in Appen sowie Heist errichtet und waren auch im Buttermoor und den Sandbergen in Holm aktiv. Bis gestern stand der dreitägige Arbeitseinsatz auf Pagensand auf dem Programm. Heute und morgen geht es zur Carl-Zeiss-Vogelstation nach Wedel. Dann steht die Rückreise an. Die Helfer stammen aus Südkorea, Frankreich, Polen, Türkei, Spanien, Italien und Deutschland.

Zum dritten Mal findet ein solches Workcamp im Kreis Pinneberg statt. Edelgard Heim, Leiterin des Elbmarschenhauses, ist von dem Projekt begeistert: „Knapp 800 Arbeitsstunden stecken die Teilnehmer in den Umweltschutz im Kreis Pinneberg. Das ist eine tolle Leistung und hilft uns an vielen Stellen. Mit vielen Händen kann viel erreicht werden.“

Auf Pagensand haben die Helfer Nistkästen repariert, Schilder erneuert und vor allem Gehölzarbeiten verrichtet. „Diese erfolgen im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Pinneberg und sind deshalb eine zulässige Maßnahme zum Erhalt des Lebensraumes“, erläutert Heim. Natürlich würde darauf geachtet, dass keine Vögel in den Bäumen brüten.

Doch wieso greift der Mensch überhaupt ein? Wieso überlässt er nicht einfach der Natur die Insel? Wäre das in diesem Fall nicht der bessere Umweltschutz? Dass dieser Eingriff in die Natur wichtig ist, betont Frank Allmer. Für den Naturschutzbund (Nabu) Hamburg betreut er im Auftrag der Naturschutzbehörde des Kreises Pinneberg das Gebiet seit 25 Jahren. „Ich habe die Insel 1960 das erste Mal betreten. Insbesondere in den vergangenen 20 Jahren hat sich die Natur stark verändert“, sagt Allmer. Probleme bereiten vor allem fremde Pflanzen, sogenannte Neophyten. „Diese machen sich hier breit und nehmen Tieren wie dem Neuntöter den Lebensraum. Dieser selten gewordene Vogel braucht freie Flächen“, erläutert der Naturschützer, warum junge Bäume und Sträucher entfernt werden müssen und der Einsatz der Workcamp-Teilnehmer so wichtig ist. Der Nabu allein hätte das nicht leisten können.

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