Pinneberg : Ehrenamtliche dringend gesucht

Klaus Marquardsen, Vorsitzender der Agenda 21 Pinneberg (Zweiter v. r.), überreicht Ulrike Bues (Mitte), die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzt, einen Scheck.
Klaus Marquardsen, Vorsitzender der Agenda 21 Pinneberg (Zweiter v. r.), überreicht Ulrike Bues (Mitte), die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzt, einen Scheck.

Bewerbungen für städtischen Flüchtlingskoordinator liegen der Verwaltung vor. Große Spendenbereitschaft. Agenda 21 hilft.

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23. Juli 2015, 14:15 Uhr

Pinneberg | Anschläge auf Flüchtlingsheime und -unterkünfte, Attacken gegen Asylanten und fremdenfeindliche Parolen an Hauswänden. Nein, davon kann in Pinneberg derzeit keine Rede sein. Doch könnte für die derzeit 250 in der Kreisstadt lebenden Migranten mehr getan werden. Dieser Meinung ist Ulrike Bues.

Wir befinden uns im Café Pino in der Bahnhofstraße. Dienstags und donnerstags jeweils von 15 bis 18 Uhr öffnet dort das Flüchtlingscafé. Kaum ein Stuhl ist an diesem Nachmittag frei. Flüchtlinge aus aller Herren Länder trinken Kaffee und plaudern. Kinder spielen. Alle nehmen eine Auszeit von den alltäglichen Problemen in ihrer neuen Heimat. Dort, im Café Pino, hat Klaus Marquardsen, Vorsitzender der Agenda 21 Pinneberg, Ulrike Bues einen symbolischen Scheck in Höhe von 500 Euro überreicht. Geld, das für die Flüchtlingsarbeit verwendet werden soll. Auch die Grünen spendeten jüngst 300 Euro an den Flüchtlingskreis der Diakonie. „Die Spende soll den Flüchtlingen einen leichteren Start in ihrem neuen Umfeld ermöglichen“, sagt Marquardsen.

„Es gibt viel, viel Bedarf", ergänzt Bues und berichtet, dass unter den Pinnebergern eine große Spendenbereitschaft bestehe. Kleidung, Möbel, Kinderspielzeug und Bücher werden für die Flüchtlinge abgegeben. „Doch das allein reicht nicht aus“, betont die Lehrerin, die sich eigentlich eine Auszeit gönnen wollte, um mit ihrem Mann Roman, ebenfalls Lehrer, zu reisen. Als sie auf die Flüchtlingsproblematik in Pinneberg aufmerksam wurde, ergriff sie zusammen mit ihrem Mann die Initiative. Jetzt haben die beiden einen ehrenamtlichen Vollzeitjob. Sie gehen mit den Flüchtlingen zu den Behörden, stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Die Spendengelder werden aber zur Integration gebraucht. So soll Flüchtlingen und ihren Kindern die Möglichkeit gegeben werden, Sportvereinen beizutreten. „Da müssen beispielsweise zusätzliche Fahrkarten für den Besuch der Vereinsstätten gekauft werden.“

Auch Angela Nordmann-Herrmann unterstützt das Team. „Diese Menschen brauchen Hilfe. Ich versetze mich in ihre Lage. Sie sind in einem fremden Land, können die Sprache nicht und haben kein Geld“, sagt sie.

Neue Heimat im Kreis Pinneberg: Ab dem kommenden Montag lesen Sie in Ihrer Zeitung eine Serie zum Thema „Flüchtlinge im Kreis Pinneberg“. Wir haben etwa Neubürger in ihre Unterkünfte begleitet, einen Sprachkurs besucht und ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen des Asylrechts zusammengetragen.

„Wir tun, was wir können“, ergänzt Marianne Kolter. Sie gehört mit Bues und Nordmann-Herrmann zu den etwa zehn Ehrenamtlichen, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Ihr Eindruck: „Politik und Verwaltung verlassen sich auf das Ehrenamt. „Wir brauchen noch mehr Freiwillige“, fordern die Drei.

Bald gibt es professionelle Hilfe: „Zur Unterstützung des Ehrenamts läuft derzeit das Bewerbungsverfahren für den Posten des „Flüchtlingskoordinators“, berichtet Marc Trampe, Sprecher der Stadt Pinneberg. Es liegen 46 Bewerbungen vor. „Die hohen Flüchtlingszahlen stellen alle Kommunen vor große Herausforderungen. Insbesondere sind wir intensiv dabei, neue Unterkünfte zu schaffen“, sagt er.

Eine weitere Herausforderung sei der künftige Umgang mit der Integrationspauschale. Hintergrund: Das Land hat bisher 95 Euro pro Quartal für jeden Flüchtling zur Verfügung gestellt. Seit dem 1. Juli gibt es einmalig 900 Euro pro Flüchtling. „Wir sind mit dem Kreis und den Kommunen im Gespräch, wie die künftige Ausgestaltung der Integrationspauschale aussehen soll“, sagt er.

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