Ehrenamtliche Anwältin für Kinderrechte

Bonny Redelstorff. Gabriel
Bonny Redelstorff. Gabriel

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26. Januar 2013, 01:14 Uhr

Wedel | Schaut man sich die Biografie eines Menschen an, dann entdeckt man nicht selten einen roten Faden. Bei Bonny Redelstorff sind an ihn Bilder, Geschichten, Erlebnisse, auch Schicksale zahlloser wunderbarer kleiner Wesen geknüpft. "Kinder - das war und ist einfach in mir drin", sagt die Wedelerin. Gut für die vielen Jungen und Mädchen, die Eltern, Familien, denen ihr Wirken, ihr Engagement, ihre Leidenschaft galt und gilt.

Geboren wurde Redelstorff 1945 in Halle an der Saale. Als sie acht Monate alt war, floh ihre Mutter mit ihr nach Hamburg zu den Geschwistern. Den Vater kennt sie nur aus Erzählungen. Früh lernt Redelstorff, sich in Krippen, Heime zurechtzufinden - und mit anderen Kindern. "Um die habe ich mich schon von Beginn an gekümmert, habe sie zugedeckt", erinnert sie sich. Und daran, dass sie acht Jahre alt war bei dem Initialerlebnis, das richtungweisend für ihr Leben sein sollte. Mit Lungenentzündung wurde sie damals ins Krankenhaus eingeliefert. Fasziniert beobachtete sie die Krankenschwestern, die Kinder gewickelt haben. "Da habe ich gedacht: Das möchte ich auch machen." Sie hat es gemacht, mit einer Ausbildung am Kinderkrankenhaus Altona. Über die Fachhochschulreife führt Redelstorffs Weg - mittlerweile als Kinderpflegerin und Erzieherin - dann in ein Jugendheim für verhaltensauffällige Jungen. Eine Arbeit, die ihr liegt und "gut gefällt". Sie gibt sie erst 1975 auf, als sie selbst ein Kind zur Welt bringt. Ein Jahr zuvor hatte sie ihren Mann geheiratet. Einen Kinderarzt, den sie im Krankenhaus kennen gelernt hatte. 1976 bekommt ihr Sohn ein Schwesterchen. Eine Zeit, in der Bonny Redelstorff ihre eigene Mutterrolle "sehr genossen" hat. "Kinder, Babys waren immer auch Hobby. Es ist so entzückend, wenn man sie beobachtet, sie sind so unbeschwert und ehrlich." Eine Phase, die die 67-Jährige mittlerweile als Großmutter gerade wieder erlebt und genießt.

1982 zog die Familie nach Wedel. Dort kam im selben Jahr ihr drittes Kind zur Welt, und dort bekam das, was sie in Blankenese als Kursusleiterin begonnen hatte, eine neue Qualität: Gemeinsam mit drei weiteren Frauen gründet Bonny Redelstorff 1984 die Familienbildung.

Als unruhiger Geist, der sie ist lockt jedoch schon bald eine Rückkehr ins Berufsleben: mit dem Aufbau der Psychosomatik am Klinikum Rissen. "Ich wusste, das hängt mit dem Zusammenspiel von Körper und Seele zusammen. Das hat mich immer gereizt." Die Faszination bringt Redelstorff zwar rein in die neue Herausforderung, jedoch nicht wirklich weiter. "Weil ich aus der Beratung kam, habe ich zunächst alles falsch gemacht. Nicht Ratschläge waren gefragt, sondern Hilfe zur Selbsthilfe." Das passt zu einem Menschen, der früh selbstständig war, immer seinen Weg gegangen ist, von dem er sich nicht hat abbringen lassen. Und der immer wieder fasziniert ist davon zu beobachten, wie sich Charakter entwickelt - wenn man ihn nur lässt. Mit dem neuen Feld, das sie betritt, setzt Redelstorff sich zunehmend mit einer anderen Form der Entwicklung auseinander: wie der Körper reagiert, wenn sich die Seele schützt. Sie erschließt sich dieses Feld über einer weitere Ausbildung - die zur Gestalttherapeutin. Diese bringt sie nach Zwischenstationen letztlich auch zurück in die Psychosomatik-Abteilung, als Leitung. Dort arbeitet sie heute immer noch tageweise.

Der Rest der Zeit als Renten-Ruhestand? Nicht für Bonny Redelstorff. Denn Familienbildung, das war nur der Anfang engagierter Projekte, die die Wedelerin aufgezogen hat. Ein anderes ist der Kinderschutzbund Wedel. Auch für dafür gab es ein Initialerlebnis. Rund 15 Jahre ist das her, als ein Großvater auf der Straße seinen Enkel mit der Jacke geschlagen hat. Ihr Eingreifen, die Polizei, und das unbefriedigende Gefühl, das reicht nicht: "So entstand der Kinderschutzbund." Aus der treibenden Kraft von Bonny Redelstorff. "Ich presche oft vor, bin sehr spontan und emotional", sagt sie. Ist dann aber auch Team-Player und lässt sich gern begleiten von "tollen Menschen, mit denen ich zusammenarbeite."

Über Kinderschutz und Bonny Redelstorff ist auch die die Hilfsinitiative Weki - Wedel für Kinder geerdet, über die unbürokratisch durch Spenden Mahlzeiten für Kinder an Kitas und Grundschulen finanziert werden. Ein Wohnprojekt für junge Mütter, das ebenfalls auf Initiative von Redelstoff ins Leben gerufen wurde, musste letztlich eingestellt werden. Was weiterlebt, ist die Gruppe für Angehörige von Menschen mit psychischen Problemen, die Redelstorff leitet. Und das Kochen mit Grundschulkindern in der der Ganztagszeit.

In ihrem Kopf wächst außerdem der Plan für einen Gesprächskreis für Kinder chronisch und psychisch kranker Eltern. Wieder Kinder, wieder Engagement. "Nicht, weil ich so ein toller Mensch bin. Das kommt, ergibt sich, ist einfach da." Und weil Redelstoff längst erfahren hat: Engagement, diese Menschlichkeit, die sie lebt, "das ist nicht nur Geben. Ich kriege auch unglaublich viel zurück." Wie die Freundschaften, die ihr so wichtig sind. "Ich tauge einfach nicht zum Eremiten."

Bonny Redelstorff - durch und durch Gesellschaftsmenschen? Eine Über-Mutter? Nein. Die modisch-schlanke Mitsechzigerin mit dem neugierig-forschenden, bisweilen fordernden Blick, die so gewinnend lächeln kann, kommt nicht als Muttchen oder Glucke, vielmehr als ebenso beseelte wie beherzte Streiterin, als Anwältin für Kinderrechte daher.

Auf den eigenen Weg bringen: Auch bei ihren Kindern hat sie das gekonnt und gemacht. "Ich gönne ihnen ihr eigenes Leben." Sich selbst auch. Das braucht sie. Rückzug, "einfach sitzen, in den Garten schauen". Braucht Klavierspielen, Musik, nicht nur im Chorgesang, auch allein, mag Lesen. Und Reisen. Auf Trekking-Touren durch Afrika, Nepal. Tibet ist ein Traumziel. Dabei dürfen dann allerdings doch gern wieder andere dabei sein. Individualisten wie sie selbst.

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