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Helferausbildung im Kreis Pinneberg : Ebola – Ein Restrisiko bleibt immer

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Drei weitere Lehrgänge sind bis Ende November noch geplant.

Appen | „Ein Restrisiko bleibt immer“, sagte Brigadegeneral Michael Traut, Abteilungsleiter für die Ausbildung der Streitkräfte, gestern in der Marseille-Kaserne in Appen. Dort endet heute die fünftägige Schulung für 33 Soldaten und zivile Mitarbeiter der Bundeswehr, die sich freiwillig für den Einsatz im Ebola-Gebiet Liberia gemeldet haben. Montag startet bereits der zweite Ausbildungsgang. Am 22. November soll die vorerst letzte von vier Einheiten in Appen enden.

„Unsere Kapazitäten erlauben es uns, maximal 160 Freiwillige auszubilden“, so Traut. Die Unteroffiziersschule der Luftwaffe stelle die Infrastruktur für dieLehrgänge „Ebola 1“ für Ärzte und Pflegepersonal sowie „Ebola 2“ für nicht-medizinisches Personal. Zusätzliche Schulungen plane die Bundeswehr zeitlich flexibel, um die Zeitspanne zwischen Training und Einsatz kurz zu halten.

„Ich denke, dass wir in der Kürze der Zeit eine solide Ausbildung zusammengestellt haben“, sagte Traut. Unterweisungen in rechtliche Hintergründe des Einsatzes, kulturelle Besonderheiten in Liberia und zur Gefahrenlage hätten die Teilnehmer intellektuell gefordert. Darüber hinaus wurde besonders Wert auf die Fürsorge und Betreuung der Freiwilligen sowie der Techniken zum Stressabbau gelegt. „Zentraler Kern der Ausbildung war aber der richtige Umgang mit der Schutzausrüstung“, sagte Traut.

Immer wieder übten die Lehrgangsteilnehmer das An- und Ablegen der Ausrüstung. Immer in Zweierteams, um sich gegenseitig zu kontrollieren und zu unterstützen. „Das Verfahren ist von Ärzte ohne Grenzen im Einsatz getestet worden und zertifiziert“, erläuterte Oberstarzt Dr. Johannes Backus, Leiter der Ebola Task Force der Bundeswehr. Die Zertifizierung stehe auch den Lehrgangsteilnehmern noch bevor. Vor den jeweils vier Wochen dauernden Einsätzen in Liberia werden die Freiwilligen vor Ort noch einmal unterwiesen, um die Inhalte auch im neuen Umfeld und unter den neuen klimatischen Bedingungen zu verinnerlichen.

 

„Der Mediziner erläuterte die weitere Planung: Anfang November werde ein Vorausteam der Bundeswehr in Marsch gesetzt. Zentrale Aufgabe sei der Aufbau einer Isolierstation mit 100 Betten. Wer wann in den Einsatz geschickt werde, werde in enger Absprache mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) abgestimmt, das den Einsatz in Liberia leitet. „Es ist sicherlich ein Novum für alle, dass das DRK den Einsatz leitet und die Bundeswehr fachlich und disziplinarisch unterstellt ist“, sagte Dirk Kamm, Leiter des Katastrophenmanagements beim DRK.

„Jeder Teilnehmer ist sich der Bedrohung bewusst, aber wir stehen unter dem Schutz des international anerkannten Zeichens des Roten Kreuzes“, erläuterte Traut, der auf Nachfragen zum Einsatz von Waffen zum Selbstschutz nicht einging. Das rote Kreuz auf weißem Grund gilt als Schutzzeichen im Sinne der Genfer Konventionen.

Das DRK werde die liberianischen Kollegen unterstützen. „Anders geht es gar nicht“, sagte Kamm, und Backhus erläuterte: „Ziel muss es sein, dass das liberianische Gesundheitssystem wieder autark arbeiten kann.“ Daher sollen 90 Prozent der geplanten 300 Mitarbeiter der Isolierstation aus Liberia stammen. Die restlichen zehn Prozent stellen DRK und Bundeswehr, die für den Einsatz aktuell ein Jahr angesetzt haben. „Ob und wie es weitergeht, muss später entschieden werden“, so Traut. Das DRK plane mit einer Einsatzdauer von neun Monaten - wie nach dem Erdbeben in Haiti 2010.

Sollte sich trotz aller Schutzmaßnahmen ein Bundeswehrangehöriger infizieren, sagte Traut, dass 20 Transportisolatoren angeschafft worden seien, um im Notfall Patienten zur Behandlung nach Deutschland auszufliegen. Traut stellte klar: „ Wir versuchen alle gesund und vor allem ohne Ebola nach Hause zu bringen.“ Kommentar Seite 18

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erstellt am 24.Okt.2014 | 10:00 Uhr

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