Umstellung auf Elektroantrieb : E-Busse: Kreis Pinneberg wird landesweit Vorreiter

In wenigen Jahren sollen im Kreis Pinneberg nur noch elektrisch betriebene Busse im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden.

In wenigen Jahren sollen im Kreis Pinneberg nur noch elektrisch betriebene Busse im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden.

Kreisverkehrsgesellschaft plant Umrüstung. Spätestens ab 2020 sollen nur noch E-Busse angeschafft werden.

shz.de von
27. März 2018, 10:15 Uhr

Kreis Pinneberg | Es ist ein kühner Plan der Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg (KViP): In wenigen Jahren sollen im Kreis Pinneberg nur noch elektrisch betriebene Busse im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden. Den Strom dafür soll eine eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Gelände der zu 75,1 Prozent kreiseigenen Verkehrsgesellschaft in Uetersen liefern. Der erzeugte Strom wird  in einer Großbatterie gespeichert. Mit diesem Projekt wäre die KViP Vorreiter in Schleswig-Holstein.

„Wir wollen spätestens ab 2020 nur noch E-Busse anschaffen“, so Thomas Becker, Geschäftsführer der KViP anlässlich eines Informationsbesuchs von Mitgliedern der SPD-Kreistagsfraktion. Für die Installierung der Photovoltaik-Anlage sowie den Erwerb  des ersten E-Busses rechnet die KViP mit 1,5 Millionen Euro. „Das wäre ein Entwicklungs- und Forschungsprojekt und hätte Pilotcharakter in Schleswig-Holstein“, sagt Becker. 

Finanzierung weitgehend sicher   

Dafür ist die Finanzierung weitgehend sicher. Bis jedoch die gesamte Busflotte der Kreisverkehrsgesellschaft von derzeit 45 Fahrzeugen umgerüstet ist, würden normalerweise knapp 15 Jahre vergehen. Um die Umstellung auf E-Busse zu beschleunigen, müsste sich die öffentliche Hand stärker finanziell beteiligen.

Bereits vor einigen Jahren hatte die KViP einen Elektrobus angeschafft. Doch offensichtlich war die Sache damals noch nicht ausgereift. Das reparaturanfällige Fahrzeug erwies sich als nicht tauglich für den täglichen Einsatz im Linienverkehr. Deshalb wird diesmal auch erst dann gestartet, „wenn leistungsstarke E-Busse angeboten werden, die für den täglichen Linienverkehr geeignet sind“, sagte Becker. 2019 könnte das der Fall sein.

„Wir setzen auf die Umstellung auf E-Mobilität im Kreis Pinneberg. Die KViP als Aufgabenträger des Kreises ist bereit, in diesem Bereich Verantwortung zu übernehmen. Das begrüßen wir“, sagte Hannes Birke, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion.

Umgestaltung des Betriebshofs

Die Planungen sind bereits relativ weit gediehen. Der Betriebshof der Gesellschaft soll umgestaltet, auf den Dächern des KViP–Sitzes in Uetersen eine Photovoltaik-Anlage installiert werden. Diese Anlage soll den Strom für die E-Busse liefern. Gespeichert wird dieser in einer Großbatterie. „Das ist alles durchaus realistisch“, sagte Birke.

Diskutierten über die Zukunft des ÖPNV im Kreis Pinneberg: Hannes Birke, Hans-Peter Stahl (beide SPD, von links), KViP-Geschäftsführer Thomas Becker, Helmuth-Jahnke, Werner Harms und Ulrich Rahnenführer (alle SPD).
Bernd Amsberg

Diskutierten über die Zukunft des ÖPNV im Kreis Pinneberg: Hannes Birke, Hans-Peter Stahl (beide SPD, von links), KViP-Geschäftsführer Thomas Becker, Helmuth-Jahnke, Werner Harms und Ulrich Rahnenführer (alle SPD).

 

Aber das Projekt ist teuer: Ein mit Diesel betriebener Bus kostet rund 200.000 Euro, ein E-Fahrzeug etwa 350.000 Euro. Der Bund übernimmt laut Birke 80 Prozent der Mehrkosten. Den Rest muss die KViP aufbringen. Die ersetzt derzeit, unabhängig vom Antrieb, pro Jahr zwei bis drei Busse. Bei 45 Fahrzeugen wird es folglich mindestens 15 Jahre dauern, bis die komplette KViP-Flotte unter Strom steht. „Das muss beschleunigt werden“, forderte Birke. Möglich sei das aber nur, „wenn die öffentliche Hand erhebliche Mittel zusätzlich einsetzt“. Das beurteilt Becker ebenso: „Nur aus  Eigenmitteln wird uns das nicht gelingen.“ Für die Photovoltaikanlage, die Batterie und den ersten Bus, der mit etwa 500.000 Euro noch relativ teuer ist, rechnet die KViP mit 50 Prozent Zuschüssen. Zusagen dafür liegen laut Becker zum Teil schon vor. Der Rest sind Eigenmittel der Gesellschaft. Mit von der Partie bei dem Projekt  ist Eon. Der Stromanbieter will in Erfahrung bringen, ob mit dem per Photovoltaik erzeugten und in der Batterie gespeicherten Strom Netzschwankungen beim per Windkraft erzeugten Strom stabilisiert werden können.

Umstellung nicht auf Knopfdruck

Auch die Fachschule Kiel hofft laut Becker auf Erkenntnisse in Sachen Stromerzeugung. Denn eines der Ziele bei diesem Projekt sei auch, die Sinnhaftigkeit der eigenen Stromerzeugung darzulegen. „In dieser Komplettheit hat es ein solches Projekt in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben“, so Becker.

Die SPD-Politiker waren beeindruckt. „Für die  Umstellung auf E-Mobilität haben wir immer ein offenes Ohr“, bekräftigte Birke. Es sei aber deutlich geworden, „dass man diese Umstellung nicht auf Knopfdruck erledigen kann“. Becker machte deutlich, dass die KViP nur loslegen wird, „wenn zuverlässige Busse auf dem Markt sind.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen