Verkehr : Durchstich in Pinneberg vorerst vom Tisch

Auch die Linienführung des Busses 594 durch die Bismarckstraße ärgert die Anwohner.
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Auch die Linienführung des Busses 594 durch die Bismarckstraße ärgert die Anwohner.

Änderung der geplanten Verkehrsführung am Hindenburgdamm erhitzt Gemüter. Die Grünen diskutieren mit Bürgern.

shz.de von
26. Januar 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Der Ratssitzungssaal war mit etwa 75 Zuhörern gut besetzt. Vor allem die Anwohner des Innenstadtgebietes rund um die Bismarckstraße, Friedensstraße, den Hindenburgdamm oder dem Haidkamp waren der Einladung zu einem Diskussionsabend der Fraktion Grüne & Unabhängige am vergangenen Mittwoch gefolgt. Das Thema einer möglichen Änderung der Verkehrsführung in der Innenstadt erhitzte die Gemüter der Anwesenden als Betroffene zum Teil erheblich.

Nachdem Joachim Dreher, Fraktionsvorsitzender von Grüne & Unabhängige, die Gäste begrüßt hatte, übernahm Manfred Stache (Foto) mit einer erklärenden Lichtbildpräsentation. Bereits nach kurzer Zeit drängte es die Zuhörer, ihre Fragen stellen zu wollen oder einfach nur ihren Frust loszuwerden. Stache musste seine Erklärung daher zugunsten von Fragerunden zweimal unterbrechen. Zum chronologischen Ablauf erklärte Stache den Anwesenden, dass die Idee zu einer Änderung der Verkehrsführung auf einer Anfrage der CDU basierte: „Die Stadtverwaltung hat daraus mehr gemacht und die Politik aufgefordert, ihre favorisierte Variante einer Veränderung zu übernehmen.“

„Die Aufgabenstellung aus Sicht seitens der Stadtverwaltung ist die Entlastung der Friedrich-Ebert-Straße“, so Stache weiter. Er präsentierte das Ergebnis einer Verkehrsprognose der Firma SHP Ingenieure aus Hannover, die seinerzeit auch die Prognose für den Verkehrsfluss der Westumgehung erstellt haben soll.Insgesamt sind fünf Optionen im Gespräch. Eine Variante ist der Durchstich und Anschluss der Friedenstraße an die Elmshorner Straße gegenüber der Prisdorfer Straße. Der Ausbau des Fußweges südlich des Polizeigebäudes zu einer Verbindungstraße als Verlängerung des Hindenburgdamms ist ebenfalls eine der Optionen. Die Verkehrsberuhigung der Bismarckstraße bildet eine weitere Variante, sowohl als Einzelmaßnahme aber auch in der Kombination mit den beiden Durchstichen.

Über Wechselwirkung nichts bekannt

Viele der Zuhörer äußerten ihre Zweifel bezüglich der Validität der Verkehrsprognose. Sie begründeten dies zum einen mit der fehlenden Erklärung zur Wechselwirkung der noch nicht fertig gestellten Westumgehung, andererseits wäre bislang nicht ersichtlich, woher oder wohin der Verkehr überhaupt fließt. Kurzum, die Lösungsansätze seien deshalb einfach zu kleinräumig gegriffen. Mit viel Applaus und Zustimmung wurde die Äußerung eines Anwohners der Friedenstraße bedacht, der sein Missfallen darüber ausdrückte, dass nach seiner Meinung die Stadtverwaltung das Verkehrsproblem einer Hauptstraße mit einem Verkehrsfluss durch Wohngebiete lösen will, mit zum Teil erheblichen Eingriffen in deren gewachsene Struktur.

Ein dickes Lob gab es dafür, dass die Veranstalter eine Diskussion wie diese möglich gemacht haben. Da die anderen Parteien das Parkett der öffentlichen Diskussion an diesem Abend nicht allein der Fraktion Grüne&Unabhängige überlassen wollten, versicherten deren anwesende Vertreter, dass auch ihre Parteien eine Vertagung des Themas bereits beschlossen hätten, mindestens bis verlässliche Zahlen zur Westumgehung vorlägen. Somit ist seitens der Politik eine Entscheidung nicht in Sicht, die Stadtverwaltung hätte also zunächst kein Mandat mehr für eine Fortsetzung.

Mit überzeugender Mehrheit aller Anwesenden wurde die Verwaltung, namentlich der Stadtentwicklungsausschuss, aufgefordert, zu einer Bürgerfragestunde zu diesem Thema einzuladen. Erst danach sollen die nächste Schritte unternommen werden. Der Abend schloss mit einer Diskussion über den Verlauf der Buslinie 594, die derzeit als Versuchsprojekt durch die Bismarckstraße führt, sehr zum Ärger der Anwohner. Ein weiteres Stimmungsbild per Handzeichen der Zuhörer zeigte, dass weder die Anbindung von Famila und Aldi in der Flensburger Straße noch eine Linienführung durch die Bismarckstraße/Friedenstraße als besonders sinnvoll betrachtet wird.

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