„Durch und durch Schenefelder“

War lange Zeit SPD-Vorsitzender in Schenefeld: Gerhard Manthei.
War lange Zeit SPD-Vorsitzender in Schenefeld: Gerhard Manthei.

Gerhard Manthei spricht mit unserer Zeitung über die SPD und seinen Herzensverein Blau-Weiß 96

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08. Oktober 2018, 00:00 Uhr

Mehr als ein Jahrzehnt stand Gerhard Manthei an der Spitze der Schenefelder SPD. Das Amt des Ortsvereins-Vorsitzenden hat er vor kurzem an Hans-Jacob Goßler abgegeben, wurde aber als Dank für seinen unermüdlichen Einsatz zum Ehrenvorsitzenden der Partei ernannt. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Lars Zimmermann blickt Manthei auf seine politische Laufbahn zurück und spricht über die Zukunft seiner Partei sowie seine Verbundenheit mit Blau-Weiß 96.


Fehlt Ihnen etwas, nachdem Sie den SPD-Parteivorsitz in Schenefeld abgegeben haben?

Nein, ich werde derzeit von noch mehr Menschen als früher angesprochen. Alle bestätigen mir, dass es der richtige Zeitpunkt war, das Amt abzugeben. Ich bin ja deswegen nicht weg vom Fenster. Ich biete weiterhin meine Radtouren an und werde zudem die regelmäßigen Hausbesuche beibehalten. Ich bin immer noch für jeden ansprechbar und werde auch in Zukunft meine Meinung sagen. Ich könnte mir außerdem vorstellen, einen Stammtisch ins Leben zu rufen, um dort über die aktuelle Politik zu diskutieren.


Was hat Ihnen als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins besondere Freude bereitet?
Die Arbeit war allein schon deshalb interessant, weil ich enorm viele neue Menschen kennenlernte – darunter auch durchaus bekannte Persönlichkeiten. Ich bin allerdings nicht obrigkeitshörig und habe mir noch nie ein Autogramm geben lassen – außer von Uwe Seeler.


Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Partei in Schenefeld?
Von meiner Fraktion würde ich mir wünschen, dass sie ein wenig lauter und damit in der Öffentlichkeit sichtbarer wird. Eigentlich müssten wir in einer Stadt wie Schenefeld 300 bis 400 Mitglieder haben. Tatsächlich sind es nur etwas mehr als 100. Daran ist die Bundes-SPD nicht ganz unschuldig. Von einer Parteivorsitzenden Andrea Nahles erwarte ich, dass sie ihre Entscheidungen begründen kann und ihr auch bewusst ist, dass wir an der Basis es ausbaden müssen, wenn in Berlin Mist gebaut wird.


Wie kam es, dass Sie zum SPD-Vorsitzenden gewählt wurden?
Klassensprecher, Berufssprecher, Betriebsrat, Mannschaftskapitän bei Blau-Weiß 96 – ich wurde irgendwie immer in diese Funktionen gewählt, ohne etwas dazu zu tun. So ähnlich war es auch in der SPD.


Wieso wurde die SPD Ihre politische Heimat?
Ich war früher Maurer und eine andere Partei kommt für mich als Arbeiter gar nicht in Frage. Mit der Politik kam ich schon in meiner Jugend in Berührung. Politik wurde damals ja häufig noch am Tresen gemacht. Und der kleine Gerd saß immer dabei und hörte zu. Allein durch meine Verbundenheit zu Blau-Weiß 96 bekam ich viel mit. Früher waren fast alle Schenefelder automatisch Blau-Weiße. Diese Identifikation ist heute leider nicht mehr da. Ich selbst bin durch und durch Schenefelder und ein anderer Verein als Blau-Weiß 96 kam für mich nie in Frage.


Als SPD-Politiker hat man es momentan nicht immer leicht. Wie beurteilen Sie das Erscheinungsbild der Sozialdemokraten?
Es ist anstrengend, was sich dort alles abspielt. Was in der großen Politik passiert, ist für den normalen Bürger ohnehin kaum noch nachzuvollziehen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Konzerne vorgeben, wie Gesetze auszusehen haben. Eigentlich sollen unsere Politiker ja Volksvertreter sein. Dazu passt aber nicht, wenn sie außer ihrem Bundestagsmandat noch viele andere Tätigkeiten ausüben. Da stellt sich schon die Frage, wessen Interessen sie vertreten. Unverständlich ist mir zum Beispiel, dass Politiker in den Rundfunkgremien riesige Summen für die Fußball-Bundesliga abnicken und wir trotz allem kaum Spiele sehen können. Auch die Nachgiebigkeit gegenüber der Autoindustrie ist nicht nachzuvollziehen.


Sie haben sich im Sport bei Blau-Weiß 96 und in der Politik engagiert. Was brachte mehr Spaß?
Beides brachte gleich viel Spaß. Politik ist allerdings anstrengender. Fußball ist für mich 90 Minuten Erholung. In politischen Sitzungen wird man ganz anders gefordert.


Was waren die Höhepunkte Ihrer politischen Laufbahn?
Mal stand ein Blumenstrauß vor der Tür, dann etwas zu essen – die Schenefelder haben mir immer gezeigt, dass sie mein Engagement zu schätzen wissen. Diese Bestätigung bedeutet mir sehr viel. Sie zeigt mir, dass ich offensichtlich einiges richtig gemacht habe.


Gab es auch Enttäuschungen?
Mit gelegentlichen Nadelstichen, auch von Parteifreunden, muss man leben. Ein wenig enttäuscht war ich, dass wir die Kommunalwahlen in Schenefeld nicht gewonnen haben. Daran hatten sicherlich auch die Probleme der Bundes-SPD ihren Anteil. Ich höre leider von immer mehr Menschen, dass sie nicht verstehen, was in Berlin passiert. Die Politikverdrossenheit oder sogar Politikverachtung bereitet mir Sorgen. Manchmal habe ich das Gefühl, wir sitzen in einem Hochgeschwindigkeitszug und keiner weiß, wie die nächste Weiche gestellt wird.

Vor welchen Herausforderungen steht Schenefeld in den kommenden Jahren?
Ein wichtiges Thema ist sicherlich die Sanierung der Schulen. Um die auf Vordermann zu bringen, werden Millionen investiert. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Umgestaltung des Gebiets rund um das Rathaus.
Wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Außen rot, voller Leidenschaft ein Blau-Weißer und ein Freigeist, der sich seine eigene Meinung nicht vorschreiben lässt.

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