Pinnebergerin soll Geld nach Nigeria überweisen : Dubiose Geschäfte: Ebay-Betrüger droht mit Interpol

Diesen selbst gebauten Bollerwagen wollte Marina Schumacher bei Ebay verkaufen. Ein windiger Käufer zeigte Interesse – dann forderte er Geld.
Diesen selbst gebauten Bollerwagen wollte Marina Schumacher bei Ebay verkaufen. Ein windiger Käufer zeigte Interesse – dann forderte er Geld.

Betrugs-Masche im Internet: Für Marina Schumacher wird der Verkauf eines Bollerwagens zur Geduldsprobe. Nun warnt sie andere Nutzer.

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10. Februar 2018, 16:21 Uhr

Pinneberg | Drei, zwei, eins, meins! Mit diesem Spruch wirbt Ebay. Längst aber haben Ganoven die Plattform für ihre verbrecherischen Deals entdeckt. Vor Betrügern ist im World Wide Web niemand mehr sicher. Weder Käufer noch Verkäufer. Das hat auch Marina Schumacher aus Pinneberg jedoch zu spüren bekommen. Sie wollte einen selbst gebauten Bollerwagen für vier Kinder über Ebay-Kleinanzeigen verkaufen, geriet dabei jedoch an einen windigen Käufer. Zwar ging am Ende alles gut aus. Mit ihrer Geschichte will sie andere warnen.

„Ich habe eine SMS bekommen. Ein Mann aus den Niederlanden, der Interesse an dem Bollerwagen bekundete, schlug vor, den weiteren E-Mail-Gesprächsverlauf über Outlook laufen zu lassen“, sagt Schumacher. Schnell habe man sich auf einen Preis geeinigt. „Im vergangenen Sommer habe ich den Wagen selbst gebaut“, sagt die Tagesmutter aus Pinneberg.

Spedition aus Nigeria

Das erste Mal habe sie gestutzt, als der Mann, der in holprigem Deutsch schrieb, sie aufforderte, ihm ihre Bankverbindung zu übermitteln. Am selben Tag bekam sie zwei Anfragen von Interessenten aus der näheren Umgebung. „Ich schrieb ihm, dass ich den Bollerwagen lieber an potenzielle Käufer vor Ort veräußern würde.“ Doch der Mann aus den Niederlanden blieb hartnäckig: „Er schrieb mir, dass er ihn unbedingt haben möchte. Ich sollte ihm die Bankverbindung mitteilen.“

Marina Schumacher hatte zwar immer noch ein ungutes Gefühl, willigte aber ein. Am nächsten Tag ging sie zur Bank, um zu fragen, ob ein Risiko bestehen würde, dem Käufer die Bankverbindung mitzuteilen. Das Kreditinstitut verneinte.

Die Tagesmutter schickte dem angeblichen Niederländer dann ihre Daten. Jetzt wurde es richtig kurios: Sie erhielt plötzlich eine Aufforderung von der UBS Bank mit einer Anleitung zur Abwicklung des Geldtransfers auf Englisch, in der ein Link von der Western-Union-Bank enthalten war. Sie sollte nun plötzlich vorab Frachtkosten in Höhe von 90 Euro für den Transport der Ware überweisen – dann, so teilte ihr der Käufer mit, würden der Kaufpreis plus die Frachtkosten an sie freigegeben werden. „Das war so nicht vereinbart“, sagt die Pinnebergerin. Wie sich später herausstellte, war die Spedition, die den Bollerwagen abholen sollte, angeblich in Nigeria ansässig, weshalb die Abwicklung über die Western Union Bank erfolgen sollte.

Käufer droht mit rechtlichen Schritten

Die Geschichte ist hiermit aber immer noch nicht zu Ende. „Einen halben Nachmittag lang habe ich mich damit herumgeschlagen, Erkundigungen über vorgeschlagene Zahlungsabwicklung, die ich zuerst gar nicht verstanden habe, da sie auf Englisch war, einzuholen“, erzählt sie.

In der Filiale der Postbank in Pinneberg – sie ist der Partner für Western- Union-Zahlungen – habe man ihr dann erklärt, dass mit der ihr gegebenen Nummer zur Abrufung des Geldeingangs für den Kaufpreis keine Zahlung abrufen könne. Da in der E-Mail auch etwas von Money Gram Charges stand, sollte sie es bei Money Gram versuchen. Beim Partner von Money Gram war die gegebene Nummer aber auch nicht gültig. „Zwischenzeitlich habe ich dann noch einen Abholauftrag einer Spedition per E-Mail erhalten,“ sagte sie.

Nun wurde es Marina Schumacher zu bunt: Sie schrieb dem vermeintlichen Niederländer, dass das alles nicht abgemacht war und auch kein Kaufvertrag zu Stande gekommen sei. Ein Kaufvertrag brauche zwei übereinstimmende Willenserklärungen und die sind zur Zahlungsabwicklung nie zustande gekommen. Sie werde kein Geld nach Nigeria überweisen. Doch der Käufer zeigte sich alles andere als freundlich: „Er drohte mir mit rechtlichen Schritten.“

Abzocker betreiben großen Aufwand

Der dreiste Schlussakkord bei diesem Ebay-Deal mit Hindernissen: „Ich erhielt eine E-Mail, angeblich von Interpol, in der man mir mitteilte, mich zu verhaften, falls ich das Geld nicht überweise.“ Das Schreiben war eine Fälschung, das war der Tagesmutter völlig klar. An diesem Punkt hat sie den Kontakt mit dem Käufer abgebrochen und Anzeige bei der Kripo Pinneberg erstattet. Sie ist zwar nicht auf den Betrug hereingefallen, die Pinnebergerin ist aber überzeugt, dass diese Masche bei vielen anderen Verkäufern auch angewandt wird – und zwar deutschlandweit. „Es wird ein großer Aufwand betrieben, um Leute abzuzocken.“

Was rät die Polizei? „In jedem Fall ist es wichtig, seinen gesunden Menschenverstand einzusetzen“, sagt Arndt Habermann, Sprecher der Polizei Bad Segeberg. Bei ausländischen Bankverbindungen soll der Kunden immer hellhörig werden. „Das gilt auch, wenn teure Produkte zu günstig angeboten werden.“ Kommt es zum Betrug, sollte die Tat bei der Polizei angezeigt werden. Die Dienststelle wird im Rahmen ihrer datenschutzrechtlichen Möglichkeiten Infos über die tatverdächtige Person herausfinden.

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