Polizei durchsucht Privatgrundstück in Quickborn : Drei Tote und viele offene Fragen

„Ist beschlagnahmt! Betreten verboten!“: Die Ermittlungen auf dem Grundstück unweit der A7 gingen gestern weiter.
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„Ist beschlagnahmt! Betreten verboten!“: Die Ermittlungen auf dem Grundstück unweit der A7 gingen gestern weiter.

Ein verbluteter Straftäter, ein erschossener Boxer, ein 78-jähriges Überfallopfer – Im Fokus der Ermittler: Ein Grundtsück in Quickborn.

shz.de von
27. Januar 2018, 16:00 Uhr

Quickborn | Unweit der A7 am Harksheider Weg in Quickborn liegt eine kleine Wohnsiedlung. Die Häuser liegen an unbefestigten Wegen. Einige Gärten sind blitzsauber gepflegt – mit gestutztem Rasen und neuem Trampolin. Auf anderen Grundstücken stehen Flachdachbaracken, umgeben von zugewucherten Grünflächen. Aber das, was sich in den vergangenen drei Tagen dort ereignete, wo lange Jahre Frank L. als selbstständiger Maurer lebte, gab es auf bisher keinem der Grundstücke. Tiefe Gräben sind über das Gelände gezogen worden, das Hausinventar liegt haufenweise auf dem verbliebenen Rasen verteilt und an der aus Brettern zusammengezimmerten Pforte klebt ein signalrotes Schild: „Ist beschlagnahmt! Betreten verboten!“

Seit Mittwoch sucht die Polizei hier nach neuen Spuren im Fall des im Sommer 2017 getöteten Nachwuchsboxers Tunahan K. aus Schenefeld (unsere Zeitung berichtete). Kriminal-Experten haben gestern die Spurensuche auf dem Grundstück in Quickborn fortgesetzt. Laut Polizeipressestelle entdeckten sie dort wieder Spuren und stellten Beweisstücke sicher. Um welche es sich handelt, gab die Polizei nicht bekannt. Auch wollte die Pressestelle weder bestätigen noch dementieren, dass auf dem Areal Patronenhülsen entdeckt wurden, die zu der Waffe passen, mit der Tunahan K. erschossen wurde. Nach Informationen unserer Zeitung wurden derartige Munitionsreste gefunden.

Der 22-jährige Boxer war seit dem 23. Juni 2017 vermisst. Ein Lkw-Fahrer hatte seine Leiche einen Monat später, am 21. Juli, an der A7 in der Nähe des Rastplatzes Holmmoor entdeckt. Die Obduktion ergab, dass der junge Sportler erschossen worden war. In der Nacht vor dem Verschwinden des Boxers war wiederum sein Trainer in Wedel ins rechte Knie geschossen worden. Das Grundstück, auf dem nun möglicherweise Patronenhülsen aus der Tatwaffe entdeckt wurden, liegt 500 Meter von dem Rastplatz Holmmoor Ost entfernt. Und als ob das nicht genug Kriminalität für dieses nur einige Fußballfelder große Areal am Rande von Quickborn wäre: Der einstige Mieter des jetzt von der Polizei umgepflügten Grundstücks war der einschlägig vorbestrafte 58-Jährige Frank L. 2012 war L. aus dem Knast entlassen worden. Fünf Jahre war er in Freiheit. Seit einem Tötungsdelikt im November 2017 saß er wieder in Untersuchungshaft: Er soll eine 76-Jährige bei einem Einbruch in Appen so schwer verletzt haben, dass diese später starb. Am vergangenen Wochenende hatte sich der Mann dann in seiner Zelle das Leben genommen. Zuvor soll er aber einem Mithäftling gegenüber Andeutungen gemacht haben, dass auf seinem Grundstück einiges zu finden sei. Und diese Information gelangte dann an die Polizei.

„Er war ein zurückgezogener Typ“, erzählt einer der Anwohner, der noch immer etwas ungläubig auf das umgepflügte Grundstück blickt: „Man hat sich gegrüßt und gut.“ Ein anderer Mann, der regelmäßig mit seinem Hund dort seine Runden dreht, berichtet: „Schick war das hier nie. Aber so chaotisch wie jetzt nach dem Polizeieinsatz sah es auch nicht aus.“ Die meisten Polizisten sind gestern Nachmittag abgezogen. Jetzt werden die Beweise gesichtet. In dem Wohnviertel ist wieder Ruhe eingekehrt. Im Hintergrund ist nur noch das monotone Rauschen der A7 zu hören.

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