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Pinneberger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 16:06 Uhr

Weltfrauentag : Drei Generationen im Gespräch

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Erika Rosin diskutiert mit Tochter Anke und Enkelin Lea Ramson aus Tornesch über Gleichberechtigung.

shz.de von
erstellt am 07.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Tornesch | Die eine wurde in den Wirren des Zweiten Weltkriegs geboren, die andere in den wilden 1960ern und die Dritte kurz vor dem Jahrtausendwechsel: Zum morgigen Weltfrauentag diskutieren Erika Rosin (79) aus Moorrege, ihre Tochter Anke Ramson (51) und Enkelin Lea Ramson (15) aus Tornesch über Gleichberechtigung: Von Heidi Klum als Vorbild, Feuerwehren, die keine Frauen zulassen, und der Wahlfreiheit, für seine Kinder zu Hause zu bleiben oder arbeiten zu gehen.

Im Vergleich zu ihrer Jugend habe sich schon viel geändert, findet Erika Rosin. „Damals waren die Frauen ja nicht berufstätig, wenn sie Kinder hatten. Da war schon eine gewisse Abhängigkeit.“ Sie habe auch Fälle gekannt, bei denen die Frauen geschlagen wurden, sich aber nicht trennen konnten. Sie selbst habe ihre Ehe aber als gleichberechtigt empfunden. „Wir haben immer alles miteinander geregelt, was geregelt werden musste.“ Gebürtig kommt die 79-Jährige aus Halstenbek. Sie wohnte später mit ihrem Mann Helmut über der Feuerwache, kümmerte sich um den Telefondienst.

Ihre Tochter Anke ist gelernte Erzieherin, Sozialpädagogin und arbeitet heute als Familiencoach. Deshalb liegen ihr Kinder besonders am Herzen. Sie findet, dass jede Mutter frei entscheiden sollte, ob sie zunächst zu Hause bleiben will. „Ich denke, der Druck ist heute schon sehr groß, Karriere machen zu müssen.“ Natürlich sollte die Betreuung möglich sein. „Aber viele müssen die Doppelbelastung von Job und Kindern aushalten. Da frage ich mich: Ist das Emanzipation?“ Sie glaubt auch, dass „die Gesellschaft es noch nicht verstanden hat, die weiblichen Mechanismen wertzuschätzen. Ich finde die Quote nicht schlecht, weil man dann beweisen könnte, dass man mit den weiblichen Qualitäten anders aber nicht weniger erfolgreich arbeiten könnte.“ Ob sie schon einmal diskriminiert wurde? Ramson erinnere sich noch daran, dass sie in den 1970ern als Mädchen nicht bei der Jugendfeuerwehr mitmachen durfte. „Das war damals nicht erlaubt laut Landesfeuerwehrgesetz. Und da war ich schon richtig sauer. Und ich hatte einen Physiklehrer, der der Auffassung war, dass Mädchen keine bessere Note als Vier verdient hatten.“

Lea als Jüngste im Bunde hat zwar das Gefühl, dass die Mädchen heute emanzipiert seien, sie kritisiert aber, dass in Medien und Filmen ein rückständiges Bild gezeigt werde. Mutter Anke ergänzt: „Kann ich singen, kann ich über den Laufsteg gehen und sehe ich gut aus: Darum geht es heute.“ Die 15-Jährige gibt ihr Recht. „Es geht häufig um das Aussehen. Viele nehmen sich halbnackte Tänzerinnen als Vorbilder. Zum Glück ist das bei mir anders.“ Es gebe nur wenige, die sich von diesen Trends nicht beeinflussen ließen. Dabei seien bessere Vorbilder als Heidi Klum dringend notwendig, sagt die 15-Jährige. In sozialen Netzwerken bekämen die Bilder aber eben den meisten Zuspruch, auf denen die Mädchen am wenigsten anhätten.

Anders zu sein werde zunehmend schwieriger

Lea überlegt kurz und fügt dann hinzu: „Die Gleichberechtigung geht immer weiter zurück. Nicht vom Gesetz oder von den Quoten her, aber in den Köpfen und im Umgang.“ Anders zu sein werde zunehmend schwieriger. „Zum Beispiel werden Mädchen mit kurzen Haaren ausgeschlossen, weil es nicht typisch ist.“ Gerade in sozial schwachen Familien sei ihr aufgefallen, dass Töchter ein geringeres Selbstbewusstsein haben. „Auch viele Jungs sehen es so, dass Mädchen weniger wert sind und nur gut aussehen müssen. Manche sagen dann: Geh doch in die Küche.“ Sie selbst würde so eine Behandlung nicht akzeptieren. „Wer gleichberechtigt sein will, muss sich auch dafür einsetzen.“

Hilft denn ein Aktionstag, um auf die Probleme hinzuweisen? Anke Ramson findet es gut, die Frauen dadurch „wachzurütteln“. „Ich glaube aber, dass dieser Tag nur denen bewusst ist, die sich ohnehin damit auseinandersetzen.“ Bei den Jüngeren sei der „Tag der Jogginghose“ bekannter, sagt Lea und lacht. „Ich bin mir sicher, ich bin die einzige in der Klasse, die davon überhaupt weiß.“ Für Erika Rosin ist der 8. März ohnehin ein besonderer Tag: Sie feiert dann ihren Geburtstag.

Am 19. März 1911 fand der erste Internationale Frauentag statt. Die Frauen, die damals auf die Straße gingen, kämpften in erster Linie für das Frauenwahlrecht, aber auch für bessere Arbeitsbedingungen, ein Arbeitsschutzgesetz, einen Mutterschutz und eine 40-Stunden-Woche. Der Internationale Frauentag wird inzwischen stets am 8. März gefeiert und ist in einigen Ländern sogar gesetzlicher Feiertag. Heute wird der Tag genutzt, um mit weltweiten Aktionen auf bestehende, soziale Ungerechtigkeit hinzuweisen.
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