Handelskammer-Chef : Drehzahl in der Metropolregion erhöhen

„Nord-Süd-Gefälle beseitigen“: Kammer-Präses Fritz Horst Melsheimer.
„Nord-Süd-Gefälle beseitigen“: Kammer-Präses Fritz Horst Melsheimer.

Hamburgs Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer hat die Politiker im Norden zu mehr Zusammenarbeit aufgefordert.

shz.de von
01. Januar 2015, 12:36 Uhr

Hamburg | Hamburgs Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer hat die Politiker im Norden zu mehr Zusammenarbeit aufgefordert. Die politischen und wirtschaftlichen Kräfte in der Region sollten „noch stärker als bisher zusammenwirken, um gemeinsam gegenüber dem Bund aufzutreten“, sagte Melsheimer bei seiner Jahresabschlussansprache im Börsensaal der Kammer vor 2200 Gästen. Gemeinsames Ziel müsse es sein, „das bestehende Nord-Süd-Gefälle der wirtschaftlichen Entwicklung auf mittlere Frist zu beseitigen“.

Die Metropolregion Hamburg als Institution sei zwar Motor der Kooperation an der Küste, die Drehzahl müsse aber erhöht werden. Melsheimer erneuerte die Forderung, Wirtschaft und Wissenschaft stärker an den Gremien der Metropolregion zu beteiligen. Er verwies auf die jüngste Kammer-Umfrage zu Defiziten im Großraum Hamburg, aus der sich viele Ansatzpunkte für Verbesserungen ergäben. Dies gelte vor allem für eine länderübergreifende Schul- und Berufsausbildung. „Warum gibt es auf dem Gebiet der Metropolregion in vier Bundesländern vier verschiedene Schulsysteme mit unterschiedlichen Lehrplänen“, fragte der Präses. Auch sollten die Nordländer gegenseitige Schulbesuche erleichtern und ihre Ferienregelungen angleichen. „So wie wir in Hamburg einen Schulfrieden haben, brauchen wir auch einen Konsens für die Metropolregion.“

Ein besonderes gemeinsames Interessen des Nordens gelte der Verkehrs- und Infrastrukturpolitik. Gerade die Seehäfen als Schnittstellen zum Welthandel benötigten leistungsfähige Verkehrswege. Dies gelte für zentrale Projekte wie die Elbquerungen westlich und östlich von Hamburg sowie den Fehmarnbelt-Tunnel.

Im Hamburger Streit zwischen Befürwortern neuer U-Bahnlinien (SPD-Senat) und der Stadtbahn (CDU, Grüne) regte Melsheimer einen „Bahnfrieden“ und die „Metrobahn“ als Kompromiss an. Diese könne ebenerdig als Straßenbahn fahren, unterirdisch als U-Bahn.

Große Chancen für die Wirtschaft im Norden böte zudem eine Olympia-Gastgeberschaft Hamburgs 2024. Zur Furcht vor den Milliardenkosten sagte Melsheimer: „Ich bin davon überzeugt, Hamburg kann sich Olympia auch leisten.“

Die Abschlussrede des ehrenamtlichen Kammerchefs bildet traditionell den Höhepunkt der Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns und ist zugleich eine Abrechnung mit der aktuellen Politik. Auch diesmal gehörte nahezu der komplette Senat mit Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zu den Gästen.

Sechs Wochen vor der Bürgerschaftswahl ließ Melsheimer deutliches Wohlwollen für die SPD-Regierungsarbeit seit 2011 erkennen. „Der Bürgermeister hat, wie ich meine, sein Versprechen gehalten, uns ordentlich zu regieren. Dafür sage ich danke.“ Kritik gab es aber an der Verkehrspolitik („einige übereifrige Planer“) sowie an fehlendem Engagement in der Wissenschaftspolitik („noch kein großer Wurf“).

Deutliche Rüffel verteilte der Präses an Vertreter der neuen Opposition im Kammerplenum, denen er „Verunglimpfungen und Falschaussagen“ vorwarf. Auch die Grünen – möglicher Scholz-Koalitionspartner nach der Wahl – erhielten einen Schuss vor den Bug: „Die Grünen arbeiten an ihrer Regierungsfähigkeit, das Verhältnis zur Mehrheit der Wirtschaft dieser Stadt ist aber verbesserungsfähig.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen