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Seminar in Tornesch : Dozentin vermittelt neue Wege für einen entspannteren Umgang mit dem Nachwuchs

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Erziehen ohne Brüllen und Drohen - Eltern in Tornesch konnten sich Ratschläge für einen entspannten Umgang mit ihren Kindern einholen.

Tornesch | Räum dein Zimmer auf! Zieh dich an! Putz dir die Zähne! Zuweilen schmettern diese Aufforderungen an den lieben Kleinen ungehört ab. Viele Eltern tappen dann in die „Brüllfalle“, sagt Erzieherin und Psychotherapeutin Sylke Rothacker. Wenn die Nerven blank liegen, wüssten sich Erwachsene oft nicht anders zu helfen als zu schreien und zu drohen. Dass es auch anders geht, haben die Teilnehmer bei der Veranstaltung „Wege aus der Brüllfalle“ erfahren.

Die Familienbildung Wedel hatte das Angebot in Tornesch gemacht, um Müttern und Vätern Hilfestellungen zu geben. „Wenn die Gefühle mit uns durchgehen, ist dies aber zutiefst menschlich“, beruhigte Rothacker die Teilnehmer. Allerdings fühlten sich Eltern häufig danach sehr schlecht, wenn sie ihren Nachwuchs trotz guter Vorsätze so behandelt haben. Zudem sei dies ein schlechtes Vorbild. „Kinder lernen: Wer nicht brüllt, tobt oder droht, erreicht nichts. Nur wer brüllt, gewinnt“, erklärte die Dozentin. Damit sei die Spirale der Gewalt eröffnet – der Schritt von verbaler zu tatsächlicher Gewalt sehr klein. Wie Eltern richtig mit dem Selbstbehauptungswillen der Kinder umgehen, wurde im Film „Wege aus der Brüllfalle“ von Wilfried Brüning erklärt. Darin wurden alltägliche Szenen nachgespielt, in denen sich Mütter oder Väter besonders provoziert fühlen. Deshalb stand zunächst die Frage im Raum, warum Kinder nicht hören – auch wenn man sie höflich bittet. Erklärt wurde dies mit dem Modell, dass Mädchen und Jungen „Hüllenwesen“ seien. Im Spiel erschaffen sie sich ihre eigene Welt und konzentrieren sich ganz darauf. Nur Dinge, die ihnen gut tun, dringen dann zu ihnen durch. Wer diese Tatsache akzeptiere, könne einen entspannteren Umgang mit Sohn oder Tochter pflegen. Denn die tauben Ohren seien kein persönlicher Angriff auf die Erziehungsberechtigten.

Um die Aufmerksamkeit der Kleinen zu bekommen, sei es wichtig, sichtbar zu werden. Wer die Wand, die Gardinen oder die Pfanne anspricht, aber das Kind am anderen Ende des Raumes meint, dürfe keine Reaktion erwarten. Stattdessen sollen Mütter und Väter zum Kind gehen, ihm in die Augen blicken, den Körperkontakt suchen und die Forderung kurz und knapp formulieren. Erst dadurch könnten sie in die Fantasiewelt eindringen. Durch Körpersprache sei es möglich, Autorität auszustrahlen, ohne autoritär zu sein. Bei langen Vorträgen und Überzeugungsversuchen würden Kinder irgendwann abschalten. Besser sei es, die Aufforderung klar zu machen und dann zu schweigen. Dann befinde sich der Nachwuchs im Zugzwang zum nächsten Schritt. Wenig sinnvoll seien auch überzogene Drohungen, bei denen die Konsequenzen nie eingefordert werden, ein Nein, das am Ende doch zum Ja wird und Angriffe, die das Kind kränken und im Selbstwertgefühl verletzen.

Die Eltern zeigten sich begeistert von den Beispielen, die im Film thematisiert wurden. „Da ertappt man sich schon mal selbst“, sagte eine Mutter. Die Teilnehmer waren sich einig, dass sie die Methode testen wollen, um künftig einen entspannteren Umgang mit den jüngsten Familienmitgliedern zu haben.

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erstellt am 11.Mär.2015 | 17:30 Uhr

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