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Speerwerfer Wolfram Gambke : Doping ist eine Frage der Gelegenheit

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Er war Olympia-Teilnehmer und Deutscher Meister: Der Pinneberger Leichtathlet Wolfram Gambke kennt die Doping-Problematik.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2013 | 16:00 Uhr

Vierter bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, Deutscher Meister 1986 – Speerwerfer Wolfram Gambke aus Pinneberg war vorn mit dabei, wenn es national und international um Titel und Medaillen ging. Die Erfolge, sie waren sauber, sagt der heute 53-Jährige. Aber er weiß: „Der einzige Sportler, der heute noch glaubwürdig sein will, ist der, der sagt, dass er gedopt hat.“ Alles andere nehme ihm die Öffentlichkeit nicht ab.

Die einzige Chance, als sauber anerkannt zu werden, so Gambke, ist zu erläutern, weshalb Doping für einen selbst nicht infrage gekommen ist. „Das ist immer auch eine Frage der Gelegenheiten“, sagt der ehemalige Speerwerfer. Diese hatte er nicht. „Ich habe in Pinneberg trainiert, einer sportlichen Provinz“, betont er. Der Trainer war der eigene Vater, die Gruppe klein und offen. „Da gab es niemanden, der das Wissen hatte“, erinnert er sich. Denn das müsse vorhanden sein. „Es muss immer einen geben, der einem sagt, was man wie einnehmen muss – und wann man es absetzen muss, um nicht erwischt zu werden.“ In Pinneberg habe es diese Strukturen nicht gegeben. „Dazu sind nur große Vereine mit eigenen medizinischen Abteilungen in der Lage“, sagt Gambke.

Dass nicht bei allen alles mit rechten Dingen zugegangen ist, das weiß er auch. „Da gab es den Trainingspartner, der plötzlich bessere Kraftwerte hatte als ich“, erinnert sich Gambke. „Allerdings“, fügt er lachend hinzu, „gebracht hat es ihm in der Weite nichts.“

"Der Sport muss sauber bleiben"

Das Umfeld muss stimmen, um systematisch zu dopen. Bei den Speerwerfern sei das auch von Seiten des Bundestrainers kein Thema gewesen. „In anderen Disziplinen war das anders“, weiß der Pinneberger. Und er sagt: „Selbstverständlich war mir immer klar, dass gedopt wird.“

„Man braucht auch jemanden, den man absolut vertrauen kann“, betont Gambke. Für ihn selbst sei die Einnahme leistungsfördernder verbotener Mittel keine Option gewesen. „Ich war mit meinen Leistungen immer zufrieden. Und durch Training war auch immer noch eine Steigerung der Leistung im Speerwurf möglich.“ Und dabei habe er körperlich eher wie ein schlechter Sprinter gewirkt.

Als betrogener Saubermann sieht sich Gambke indes nicht. „Ich weiß nicht, ob ich in einem anderen Verein den Verlockungen widerstanden hätte“, sagt er. Kein Neid, auf die, die betrogen haben. „Ich zeige nicht mit Fingern auf andere“, sagt er.

Aber dennoch: „Der Sport muss sauber bleiben“, fordert der Ex-Athlet. Er finde es richtig, dass bei Aufdeckung Titel aberkannt werden. Vielleicht, so sinniert Gambke, wäre eine Amnestie hilfreich, um den Sport zu reinigen. Damit Athleten zugeben, dass sie gedopt haben. Ob es allerdings dazu kommen werde, sei fraglich. „Es gibt zu viele Leute, die Leichen im Keller haben“, glaubt der 53-Jährige. Niemand könne vorpreschen, ohne „andere reinzureißen“.

Für Gambke steht – auch aus der eigene Erfahrung – fest: Ein Sportler kann sich ohne Doping in der Weltspitze bewegen. „Rekorde werden allerdings eher nicht ohne medikamentöse Hilfe geknackt.“

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