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Kreis Pinneberg : Diskussion um die Vergabe der Stellen für den Bundesfreiwilligendienst

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Stellen für den Bundesfreiwilligendienst werden für jüngere Kandidaten freigehalten, um Chancengleichheit zu erhalten.

Kreis Pinneberg | Sie übernehmen Fahrdienste, betreuen Kinder und Jugendliche und helfen in ihrer Dienststelle dort, wo Not am Mann ist: Bundesfreiwilligendienstler (Bufdis). Sie engagieren sich für das Allgemeinwohl in Kindertagesstätten, Sportvereinen, der Bahnhofsmission oder Schulen.

Die Besonderheit: nicht nur Jugendliche können sich für zwölf Monate für die Gesellschaft einbringen, sondern auch Erwachsene über 27 Jahren können geförderte Dienststellen in Anspruch nehmen. Damit sollte der Freiwilligendienst auf einer breiteren gesellschaftlichen Basis stehen. Einzige Voraussetzung ist, dass die Schulpflichtzeit abgeschlossen ist. Der Wegfall des Zivildienstes hat für die Einrichtungen 2011 zwar eine große Umstellung zum Freiwilligendienst bedeutet, bietet aber die Möglichkeit, dass sich Jedermann freiwillig einbringen kann.

Doch Christoph Sonnenberg, Sprecher der Initiative für Jugendförderung Deutschland, hat einen deutlichen Rückgang der Anzahl der älteren Bufdis festgestellt. So seien im Oktober noch 3606 Frauen im Alter zwischen 51 und 60 Jahren im Bundesfreiwilligendienst aktiv gewesen, im Januar seien es jedoch etwa 400 weniger gewesen. „Die Tendenz zu weniger älteren Bufdis ist meiner Ansicht nach deutlich zu erkennen“, sagt Sonnenberg.

Auch Volker Schwarz, Schulleiter am Kreisförderzentrum Heideweg-Schule in Appen, beobachtet Ähnliches: „Ältere Bufdis werden eigentlich nicht mehr eingestellt, da die Plätze ohnehin sehr rar sind.“ Einen offiziellen Einstellungsstopp für Bewerber über 30 Jahre gibt es nicht. Jedoch wird ein Teil der Plätze jüngeren Freiwilligen vorbehalten. „Im Gegensatz zu den lebensälteren Freiwilligen beginnen sie in der Regel ihren Bundesfreiwilligendienst im August oder September“, begründet Antje Mäder, Sprecherin des zuständigen Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, die Einschränkung. Um eine faire Verteilung der vorhandenen Dienststellen auf alle Altersgruppen zu gewährleisten müssten die Kapazitäten eingeteilt werden.

Beruf, Studium oder doch erst ein Jahr ins Ausland? Nach dem Schulabschluss stehen viele junge Leute unter Entscheidungsdruck. Freiwilligendienste können bei der beruflichen Orientierung und Selbstfindung helfen. Hierzu gibt es bereits seit 50 Jahren das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und seit 2011 außerdem den Bundesfreiwilligendienst, der als Ersatz für den Zivildienst eingeführt wurde.
„Es ist eine tolle Möglichkeit für junge Menschen in verschiedene Bereiche einzutauchen und sich zu erproben“, sagt Gerold Melson, Sprecher der Agentur für Arbeit Elmshorn. „Die Jugendlichen wollen erst herausfinden, ob die soziale Arbeit mit Kindern überhaupt etwas für sie ist“, berichtet Jürgen Stein, Referatsleiter Allgemeine Jugendarbeit der Sportjugend Berlin, der 120 Freiwillige pro Jahr betreut.
Ein Vorteil sei auch, dass die Freiwilligen während ihres Engagements persönlich reiften, so Melson. „In so einem Jahr werden  Berufswünsche konkreter“, sagt er. Außerdem sei es eine  sinnvolle und gute Alternative, um etwaige Wartezeiten zu überbrücken. 
Bundesweit engagieren sich in den  Freiwilligendiensten etwa 86000 Menschen. Wer über 27 Jahre alt ist, darf sich lediglich für den Bundesfreiwilligendienst melden. Bewerber unter 27 Jahren können sich zwischen den beiden Diensten entscheiden. (dpa/gam)

Schulleiter Schwarz bedauert diese Entwicklung. „Wir hatten in der Vergangenheit auch zwei ältere Bufdis, da wäre mehr möglich“, sagt er. Die Bufdis übernehmen an seiner Schule unterschiedliche Aufgaben, vom Fahrdienst bis hin zur Versorgung der teilweise körperlich behinderten Schüler. Sechs Stellen gibt es in Appen für August zu besetzen, drei sind bereits vergeben. Über mangelndes Interesse von Bewerbern beklagt sich Schwarz nicht.

Am Förderzentrum Raboisenschule in Elmshorn sind die sechs Bufdis pro Jahr laut Dörthe Wiedner, kommissarische Schulleiterin, meistens unter 20 Jahre alt. Über zu wenig Interesse am Freiwilligendienst kann sie nicht klagen, würde sich aber mehr männliche Bewerber wünschen. „Gerade in der Förderpflege bräuchten wir mehr Männer“, sagt Wiedner.

Laut der Initiative für Jugendförderung ist die Zahl der Freiwilligen bundesweit rückläufig. Während es 2013 bundesweit noch mehr als 50.000 Frauen und Männer waren, die sich für mindestens zwölf Monate engagierten, sank die Zahl 2014 um 12.119 Freiwillige.

„Von einem Einbruch kann nicht gesprochen werden“, sagt Mäder. Die genannten Zahlen würden die Dienstbeginne spiegeln. „Da ein Dienst in jedem Monat eines Jahres begonnen werden kann, sind diese Zahlen wenig geeignet, um den Verlauf des Bundesfreiwilligendienstes darzustellen“, warnt sie. Insgesamt seien 2014 etwa 2000 Freiwillige mehr im Dienst gewesen, als im Vorjahr, was sich durch den Jahresdurchschnitt von 42.786 Freiwilligen belegen ließe.

Auch in der Jugendbildungsstätte des Kreisjugendrings (KJR) Pinneberg engagiert sich jährlich ein Bufdi. Zwar habe die Stelle immer besetzt werden könne, „aber ich habe keine Auswahl zwischen Bewerbern mehr“, sagt Ingo Waschkau, Geschäftsführer KJR. Er hat einen Einbruch bei den Bewerberzahlen festgestellt.

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erstellt am 13.Feb.2015 | 12:00 Uhr

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