Kreis Pinneberg : Diskussion über allgemeine Dienstpflicht für junge Männer und Frauen

Geht es nach den Christdemokraten, sollen junge Menschen nach dem Schulabschluss zunächst ihren Pflichtdienst absolvieren – beispielsweise bei der Bundeswehr.  Archivfoto: grafikfoto.de
Geht es nach den Christdemokraten, sollen junge Menschen nach dem Schulabschluss zunächst ihren Pflichtdienst absolvieren – beispielsweise bei der Bundeswehr. Archivfoto: grafikfoto.de

Auf politischer Ebene wird zurzeit Gesellschaftsjahr debattiert. Meinungen aus dem Kreis Pinneberg.

shz.de von
08. August 2018, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Aktuell wird in der Politik diskutiert, ob es eine Dienstpflicht für junge Menschen geben soll. Vor allem die CDU wünscht sich ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für alle. Bedeutet: Junge Menschen sollen ihren Pflichtdienst in der Pflege, den sozialen Diensten, im Ehrenamt oder bei der Bundeswehr absolvieren. Shz.de hat die Bundestagsabgeordneten des Kreises Pinneberg, Michael von Abercron (CDU), Ernst Dieter Rossmann (SPD) und Cornelia Möhring (Linke) sowie Ingo Waschkau, Leiter des Kreisjugendrings Pinneberg, nach ihrer Meinung diesbezüglich gefragt.

Gegen Personalmangel

Michael von Abercron nimmt klar Stellung: „Ich fordere schon seit Jahren eine allgemeine Dienstpflicht, die Vorteile liegen klar auf der Hand.“ So sorge eine Dienstpflicht laut des Christdemokraten dafür, dass junge Menschen eher zu Staatsbürgern im besten Sinne werden. Durch den Dienst könnten sie sich zudem besser mit der deutschen Gesellschaft identifizieren. „Egal ob in der Pflege, in sozialen Diensten, im Naturschutz, dem Ehrenamt oder der Bundeswehr: Es mangelt überall an Personal“, merkt von Abercron an. Eine allgemeine Dienstpflicht könne in diesen Bereichen Abhilfe schaffen.

Die Dienstpflicht habe laut von Abercron zudem soziale und integrative Aspekte. „Zu Zeiten der Wehrpflicht lagen der Rechtsanwaltssohn und der Mauerergesellensohn nebeneinander im Matsch, sie mussten zusammenarbeiten“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete. Ob in der Bundeswehr, der sozialen Arbeit oder dem Naturschutz: Überall gebe es Extremsituationen, in denen es unglaublich wichtig sei, sich aufeinander verlassen zu können – ungeachtet der Herkunft. Soziale Grenzen könnten durch die Dienstpflicht eingerissen werden, argumentiert von Abercron.

Anspruchsvoll und motivierend

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann findet die Idee eines verpflichtenden Engagements ebenfalls gut. Allerdings sollte dies in einer anspruchsvollen und motivierenden Form gestaltet werden. Ohne diese Qualitäten gehe der Pflichtdienst nach hinten los. „Die jungen Menschen hätten dann mit Recht das Gefühl, dass ihnen ein Jahr Lebens-, Bildungs- und Arbeitszeit einfach geklaut würde“, teilte Rossmann unserer Zeitung in einer Stellungnahme mit. Ein „Gammeldienst“ mache keinen Sinn, sei bei mehr als 700 000  jungen Menschen immens teuer und schädige darüber hinaus der Wirtschaft bezüglich des Fachkräftebedarfs. „Was die CDU jetzt lostritt, ist deshalb so lange eine Gespensterdebatte für das Sommerloch, so lange es CDU und CSU nicht einmal hinbekommen, den Bundesfreiwilligendienst attraktiver zu gestalten und die Zahl von 39 000 jungen Menschen im Bundesfreiwilligendienst deutlich zu erhöhen“, führte Rossmann weiter aus.

Für Cornelia Möhring von den Linken könnte die Idee der Dienstpflicht aus dem 18.  Jahrhundert stammen: „Sie kommt nicht nur muffig daher, sie ist auch falsch und versteckt die eigentlichen Ziele.“ Hinter einem verpflichtenden Gesellschaftsjahr verberge sich die Reaktivierung der Wehrpflicht und des Zivildienstes. Zwangsdienste sind laut Möhring nicht mit ihrem Verständnis von Demokratie und einer freien Gesellschaft vereinbar – und zudem verfassungswidrig. Den sozialen Bereich würde man damit nur auffüllen wollen. Eine Ausbildungsoffensive und subventionierter Wohnraum für Pflege-Azubis würden eher helfen. „Wer dagegen den sozialen Zusammenhalt durch das gemeinsame Kriechen im Matsch herstellen will, wie Herr von Abercron, der ist anscheinend völlig aus der Zeit gefallen“, kritisiert Möhring den CDU-Bundestagsabgeordneten.

Freiwillig statt verpflichtend

Ingo Waschkau, kann die Debatte nachvollziehen. Von Pflicht hält er allerdings wenig. „Es ist wichtig und richtig, sich sozial zu engagieren. Doch so ein Engagement wie beim Kreisjugendring lebt von der Freiwilligkeit“, erklärt der Leiter der Einrichtung. Auf eine Null-Bock-Einstellung bei jungen Menschen, die verpflichtend ihre Aufgabe beim Kreisjugendring antreten müssten, könne er gut verzichten. Das störe nur das Arbeitsklima der sozialen Einrichtung. Für Waschkau ist die Debatte auch nur ein Sommerloch-Thema.

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