Tanzlokal Moda : Disko-Brand in Wedel: Wurden die Ermittlungen zu einseitig geführt?

Die Brandruine der einstigen Diskothek in Wedel: Aus den Trümmern retteten sich nach dem Feuer noch zwei Köche.
Die Brandruine der einstigen Diskothek in Wedel: Aus den Trümmern retteten sich nach dem Feuer noch zwei Köche.

Im Prozess kritisieren die Verteidiger den Fokus auf Brandstiftung. Ein technischer Defekt sei nicht auszuschließen.

shz.de von
24. Mai 2018, 14:00 Uhr

Wedel | „Ich habe von dem Brand zunächst aus der Presse erfahren“, sagte der Kriminalbeamte der Polizeidirektion Bad Segeberg, der die Ermittlungen leitete, am Mittwoch bei seiner Zeugenvernehmung vor dem Landgericht Itzehoe. Nach dem Brand in der Wedeler Diskothek Moda am 25. Mai 2017 habe zunächst die Kriminalpolizei Pinneberg die Ermittlungen geführt. Der 41-Jährige übernahm den Fall im Juli des vergangenen Jahres.

Aussage sei „auswendig gelernt“

Kaum hatte er mit seiner Aussage begonnen, hakten die Verteidiger ein. Professor Michael Gubitz, Verteidiger des 37-jährigen Hamburgers, der einen 38-jährigen Wedeler und einen 36-jährigen Hamburger dafür bezahlt haben soll, die Diskothek anzuzünden, nannte die Aussage „auswendig gelernt“. Als der Ermittler von „zwei Brandherden“ sprach, hakte auch Martin Lemke, zweiter Verteidiger des 37-Jährigen, ein. „Wir reden hier von angeklagter Brandstiftung. Da ist es schon interessant, wenn der Zeuge von zwei Brandherden spricht. Was ist ihre Qualifikation, das zu bewerten?“, fragte Lemke. „Wenn die Strafprozessordnung umgesetzt werden soll, muss man den Zeugen auch frei vortragen lassen. Ich will nicht jeden möglicherweise wertenden Begriff hinterfragen. Dann kommen wir nie voran“, versuchte der Vorsitzende Richter Johann Lohmann die Vernehmung des Kriminalbeamten voranzubringen.

Diese gestaltete sich aber zäh. Immer wieder verwies der Polizeibeamte auf die Aufzeichnungen und musste einräumen: „Daran erinnere ich mich nicht.“ Als Lohmann mehrfach nachhakte und passagenweise aus dem Vernehmungsprotokoll zitierte, regte sich bei Verteidiger Mirko Laudon, Anwalt des Wedelers, Kritik: „Ich beanstande das. Wenn der Zeuge keine Erinnerungen hat, können sie nicht weitere Vorhalte machen.“ Das sah Lohmann anders: „Das ist kein seltenes Problem. Manchmal funktioniert es.“

Ein Brandsachverständiger wurde nicht eingesetzt

Für Aufklärung sorgte der Polizist zumindest in dem Punkt, warum kein Brandsachverständiger eingeschaltet wurde. Als er den Fall übernommen habe, seien fast zwei Monate vergangen, durch Sicherungsmaßnahmen sowie wiederholte Einbrüche sei die Brandruine zudem massiv verändert worden. „Als Leser ist man im Nachhinein immer schlauer. Es wäre aber schön, wenn ein Satz dazu in den Akten gestanden hätte“, sagte Lembke. Er bemängelte, wie auch Laudon und Gubitz, dass die Ermittlungen zu einseitig erfolgt seien. „Ich habe mal notiert, dass es 2825 Seiten sind. Das ist schon ein wenig her. Wo ist der Strang, der sich mit einem elektrischen Defekt beschäftigt wie es ein Gutachten klar sagt“, fragte Lembke. „Ich bin dem nachgegangen, was aufgrund des Zustands des Gebäudes möglich war“, erläuterte der Zeuge. Fragen zu erneuerten Kabeln und elektronischen Komponenten konnte der Polizist allerdings keine machen. „Wäre es nicht geboten gewesen, das mit einem Sachverständigen durchzugehen“, hinterfragte Laudon. Warum dies nicht erfolgte, wurde gestern nicht geklärt.

Der Prozess wird kommende Woche Dienstag fortgesetzt. Dann wird es um die zweite Vernehmung und die Belehrung des Wedelers als Zeugen gehen. „Es standen Fahren ohne Fahrerlaubnis oder Brandstiftung im Raum. Da gab es keinen Spielraum mehr. Sie haben nicht unüberlegt, sondern bewusst den Angeklagten nur als Zeugen belehrt, so dass er der Wahrheitspflicht unterliegt“, warf Lemke vor. Lohmann unterbrach: „Das ist zu einem anderen Zeitpunkt zu klären.“

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