Direns Vater prangert US-Waffenlobby an

Ein   Mädchen geht an einem Plakat  am Zaun des  SC Teutonia 1910 vorbei, das an den in den USA erschossenen Diren erinnert.
Ein Mädchen geht an einem Plakat am Zaun des SC Teutonia 1910 vorbei, das an den in den USA erschossenen Diren erinnert.

shz.de von
01. Mai 2014, 16:19 Uhr

Der Vater des in Montana getöteten Gastschülers Diren hat die Waffengesetze in den USA scharf kritisiert. „Amerika kann hier nicht weiterhin Cowboy spielen“, sagte der 46-Jährige. Er habe sich keine Gedanken darüber gemacht, „dass hier jeder jemanden erschießen kann, nur weil er in seinen Garten gekommen ist“. Andernfalls hätte er seinem Sohn, der in der Nacht zu Sonntag in der Garage eines Fremden erschossen wurde, den Schüleraustausch keinesfalls erlaubt.

Zu dem wegen vorsätzlicher Tötung angeklagten Todesschützen sagte der Taxifahrer aus dem Stadtteil St. Pauli: „Er soll die gerechte Strafe bekommen.“ Er sei am Anfang dagegen gewesen, dass sein Sohn in die USA geht, sagte er. „Ich weiß, dass es in Amerika gefährlich ist – nicht überall, aber in den Großstädten.“ Direns Vater will wahrscheinlich heute mit der Leiche seines Sohnes aus dem nordwestlichen Bundesstaat nach Hamburg zurückkehren.

Nach einer Zeremonie in der Yeni-Beyazit-Moschee soll der Leichnam zur Bestattung nach Bodrum im Südwesten der Türkei gebracht werden. In Direns Gymnasium soll es zudem am Montag eine Schweigeminute geben.

Am Mittwochabend hatten Freunde von Diren und sein Hamburger Fußballverein in einem emotionalen Benefizspiel Abschied genommen.

Rund 1000 Zuschauer kamen im Stadtteil Altona zusammen, um des 17-Jährigen zu gedenken, darunter seine Mutter und seine beiden Schwestern. Viele Gäste trugen T-Shirts mit einem Foto von Diren, zahlreiche Plakate und Bilder erinnerten an den Hobbyfußballer. Am Spielfeldrand hing ein Banner mit der Aufschrift „Unser Bruder stirbt und Amerika schaut zu“. Einige Besucher legten weinend Rosen nieder.

Unterdessen sagte eine deutsche Konsularbeamtin der Lokalzeitung „Ravalli Republic“, Deutschland bemühe sich um Gerechtigkeit für den Tod des Jungen. Deutsche Diplomaten hätten mit dem zuständigen Staatsanwalt gesprochen. Auch die Hamburger Staatsanwaltschaft will ein Ermittlungsverfahren einleiten. Man habe die erforderlichen Unterlagen von den zuständigen amerikanischen Behörden angefordert, sagte Sprecherin Nana Frombach.

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