Literatur : Dinge, die ich über meine Frau weiß: Wladimir Kaminer las in Kummerfeld

Der Autor Wladimir Kaminer las auf Einladung des Kulturvereins „KuKuK“ im „Lindwurm“. Im Mittelpunkt stand seine „literarische Familie“ beziehungsweise sein Buch „Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß.“
Der Autor Wladimir Kaminer las auf Einladung des Kulturvereins „KuKuK“ im „Lindwurm“. Im Mittelpunkt stand seine „literarische Familie“ beziehungsweise sein Buch „Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß.“

„Mit Kummerfeld kann ich behaupten, dass ich wirklich überall war“ begann der Bestsellerautor den literarischen Abend.

shz.de von
19. Mai 2018, 12:00 Uhr

Kummerfeld | Wladimir Kaminer ist Bestsellerautor und Kolumnist. Am Donnerstagabend schaute er in Kummerfeld vorbei, wo er auf Einladung des Vereins „Kunst und Kultur in Kummerfeld“ (KuKuK) eine Lesung hielt. „Mit Kummerfeld kann ich behaupten, dass ich wirklich überall war“ rief er den etwa 290 Zuhörerinnen und Zuhörern im großen Saal zu, den freundlicherweise die Pächter Thomas und Karin Mittag kostenlos zur Verfügung gestellt hatten. Mit dieser scherzhaften Bemerkung hatte der Wahl-Berliner die Anwesenden sofort auf seiner Seite: Der Kontakt zwischen Bühne und Parkett war hergestellt.

Wer Familie hat, braucht sich nicht auf die Suche nach Abenteuern zu begeben: Sie finden in den eigenen vier Wänden statt. Das weiß keiner besser als Kaminer, der bereits, wie er verriet, über sämtliche Familienmitglieder geschrieben hat: Kinder, Mutter und Frau. „Meine Kinder sind erwachsen, aber mein Sohn sucht sich noch. Allerdings am falschen Ort – nämlich zu Hause“, stellte er fest. Viel erzählte er über seine sprachbegabte Tochter, über Volksweisheiten im allgemeinen und russische im Besonderen. Ihre eigentliche Weisheit liege hinter den Pausen und dem Schweigen. Die Lacher auf seiner Seite hatte der Autor, als er ein vielleicht nicht sehr tiefgründiges „Sprichwort“ zum Besten gab: „Hüte Dich vor blonden Frauen und Autos, die die Russen bauen.“

Schnee ist Faschismus der Natur

Nicht umhin konnte der Schriftsteller, das Thema Frauen anzuschneiden, die aus jedem Chaos Ordnung schaffen würden, ohne etwas zu verändern. Und damit war er auch schnell bei seinem Buch „Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß“, in dessen Mittelpunkt „seine“ Olga steht. Sie ist für ihn ein offenes Buch, er müsste es nur lesen können. Dem Publikum verriet er „Einige Dinge, die sie liebt“, das zweite Kapitel in dem Buch. Darin heißt es unter anderem, dass seine Frau den Winter überhaupt nicht leiden könne. Schnee sei für sie „Faschismus der Natur“.

Schuhe als Medizin

Im Laufe der Jahre habe er, Kaminer, herausgefunden, was am besten gegen die Herbstdepressionen, gegen Husten und Niesen helfe. Nicht der Knoblauch mit Zitrone, nicht die Hustenbonbons und nicht Vitamin C aus der Apotheke, sondern ein neues Kleid, neue Schuhe und eine neue Handtasche. Auch ein neuer Schal könne heilende Wirkung entfalten. „Kauft meine Frau eine neue Handtasche, die ihr wirklich gut gefällt, hat sie mehrere Wochen danach gute Laune“, so der Ehemann. „Mit drei Handtaschen, einem Paar Schuhe und einem Kleid kommen wir gut durch den ganzen Winter und überstehen die ungünstige Jahreszeit ohne große gesundheitliche Schäden.“ Im Laufe des Abends schlug der Autor noch viele Kapitel auf, erzählte Anekdoten und Geschichten. Die Zuhörer zeigten sich begeistert und werden die Begegnung mit Wladimir Kaminer und seiner „literarischen Familie“ sicherlich noch lange in guter Erinnerung behalten.

Geboren ist Kaminer 1967 in Moskau. Die Familie ist russisch-jüdischer Herkunft. Nach einer Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk studierte er Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Während des Studiums verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs und dem Veranstalten von Partys und Untergrundkonzerten in der Moskauer Rockszene. Bereits Kaminers erstes Werk „Russendisko“ aus dem Jahr 2000 war ein Bestseller. Er gewann damit auch außerhalb Deutschlands an Bekanntheit. Die Geschichte wurde im Jahr 2012 von Oliver Ziegenbalg verfilmt.

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