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Neues Angebot : Digitale Hilfe für Analphabeten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Lesen lernen für Deutsche und Migranten. E-Learning-Portale ermöglichen individuelles Arbeiten an jedem Ort.

Pinneberg | 7,5 Millionen erwachsene Menschen in Deutschland gelten als funktionale Analphabeten – also Menschen, die deutschsprachig sind, aber nicht richtig lesen und schreiben gelernt haben. In Schleswig-Holstein gehören 250.000 Menschen dazu – das ist fast jeder Zehnte. Diesen Zahlen haben die Stadtbücherei und die Volkshochschule (VHS) von Pinneberg den Kampf angesagt: Mit der bundesweiten Alphabetisierungskampagne „Lesen macht Leben leichter“ arbeiten sie Hand in Hand. Unterstützung bekommen beide Einrichtungen von der Sparkasse Südholstein: Der Vertreter Andy Schmidt überreichte gestern der Büchereileiterin Barbara Schulz und dem VHS-Leiter Wolfgang Domeyer ein Notebook und ein Tablet. Beides ist ab sofort als sogenannter „Alpha-Point“ im Einsatz: Die Technik wird für Alphabetisierung im ganz individuellen Lerntempo genutzt. „Es ist eine Station zum Deutschlernen“, erläuterte Schulz.

Möglich wird’s mit zwei E-Learning-Portalen vom Deutschen Volkshochschulverband: ich-will-lernen.de und ich-will-deutsch-lernen.de. Denn zu den vielen deutschen Analphabeten kommen natürlich noch Menschen mit Migrationshintergrund, die ebenfalls zumeist mit der geschriebenen Sprache Schwierigkeiten haben. Beide Portale sind multimedial und funktionieren übers Hören. Trainiert werden je nach Vorkenntnissen zum Beispiel das Erkennen von Silben bis hin zu komplizierten Wörtern und ganzen Sätzen. Das Portal für Nicht-Muttersprachler ist aufgeteilt in die Sprachniveaus A1 bis B1 und hat eine Extrakategorie für berufsbezogenes Vokabular – etwa für die Bewerbung oder zum Arbeitsschutz.

Beide Angebote sind kostenlos und mit jedem internetfähigen Medium nutzbar – also auch an den anderen Computerplätzen in der Bücherei oder von zu Hause aus. Aber in der Bücherei wartet ein Hilfsangebot auf die Nutzer: „Unsere Mitarbeiter helfen bei der Einrichtung des Onlinekontos und erklären die Benutzung der Webseiten“, sagte Schulz. Und zwar auch ohne Büchereimitgliedschaft. „Wir sind auch ein Anlaufpunkt für Menschen, die zu Hause die technischen Möglichkeiten nicht haben. Etwa 20 Prozent haben keinen Internetanschluss, das ist nicht selbstverständlich.“

Mit PC und Kopfhörern können die Kunden in der Bücherei auf die Lernportale zugreifen.
Mit PC und Kopfhörern können die Kunden in der Bücherei auf die Lernportale zugreifen. Foto: Felisa Kowalewski
 

Domeyer ist froh über das Betreuungsangebot und speziell den neuen Alpha-Point: „Die VHS hat dafür gar nicht die Räumlichkeiten. Trotzdem brauchen wir dringend dieses Hilfsangebot als individuelle Ergänzung zu unseren Kursen.“ Im Moment gibt es zwei allgemeine Deutsch-Kurse in Vollzeit und zehn Abendkurse – aber alle für Migranten. Für deutsche Analphabeten gibt es derzeit kein Angebot. „Unser Fokus liegt momentan auf Deutsch als Fremdsprache und alle Deutschlehrkräfte sind da gebunden. Wir hatten früher Kurse für Muttersprachler, aber im letzten waren nur drei Teilnehmer. Diese Menschen sind schwer zu erreichen“, so Domeyer. Eine Beobachtung, die Schulz bestätigen konnte: „Niemand kommt hierher und sagt, eigentlich kann ich gar nicht richtig lesen. Menschen, bei denen Deutsch die Zweitsprache ist, treten da natürlich ganz anders auf.“

Trotzdem muss etwas getan werden. „Wir müssen die Menschen schulen und zwar auf niederschwelliger Ebene, denn wir leben in einer Welt der Schriftlichkeit“, erklärte Domeyer. Auch die Sparkasse hat das erkannt: „Bestimmte Dienstleistungen können wir gar nicht an die Menschen bringen, wenn sie sie nicht verstehen können“, ergänzte Schmidt. Und da hilft der Alpha-Point: Beim Lesen und Schreiben genauso wie beim Umgang mit moderner Technik. Domeyer fasste zusammen: „Der Alpha-Point ist der Zugang zur digitalen Welt.“

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