Immer mehr Senioren im Kreis Pinneberg : Dieter Wenskat: „Die Entwicklung ist unterschätzt worden“

Vertritt die Interessen von Älteren im Kreishaus: Dieter Wenskat ist Vorsitzender des Seniorenbeirats.
Vertritt die Interessen von Älteren im Kreishaus: Dieter Wenskat ist Vorsitzender des Seniorenbeirats.

Der Vorsitzende des Seniorenbeirats des Pinneberger Kreistags wünscht sich mehr Rücksichtnahme auf die Älteren.

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10. April 2018, 11:20 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Bevölkerung im Kreis Pinneberg wird immer älter. Laut aktuellstem Bericht des Statistikamts Nord sind etwa 22 Prozent der Pinneberger 65 Jahre alt und älter. Damit hat sich die Zahl seit 2000 um sechs Prozentpunkte erhöht (2000: 16 Prozent).

„Wenn wir uns aber an der realen Entwicklung des Renteneinstiegs orientieren und die Grenze schon bei 60 Jahren ziehen, sind wir bei mehr als 25 Prozent“, korrigiert Dieter Wenskat, Vorsitzender des Seniorenbeirats des Pinneberger Kreistags im Gespräch mit shz.de. Damit zeige sich, dass sich ein immer größerer Teil in der Gruppe der Senioren wiederfinde, betonte er. „Allerdings reagieren die Gemeinden im Kreis noch nicht richtig auf diese Entwicklung“, sagt er.

Antragsrecht auf Kreisebene

Auf Kreisebene habe man die Bedeutung der Senioren bereits erkannt, berichtete der Vorsitzende. „Wir haben hier Rede- und Antragsrecht. Dadurch wird uns auf Augenhöhe begegnet“, lobte Wenskat. Allerdings gebe es in einigen Gemeinden keine Seniorenbeiräte, was er bedauere. „Wir stellen der Politik unser Fachwissen und unsere Einschätzungen zur Verfügung. Wir wissen am besten, was die ältere Bevölkerung angeht und was wichtig ist“, hob der Sparrieshooper hervor.

Für den Vorsitzenden sei es vor allem problematisch, dass in einigen Kommunen die Senioren lediglich in der Sozialarbeit berücksichtigt werden. „Die Arbeit in Vereinen und Verbänden ist sehr wichtig, aber auch die seniorenpolitischen Aspekte müssen auf mehr Anklang treffen. Schließlich handelt es sich dabei um eine immer größer werdende Wählergruppe“, so Wenskat.

Für ihn sei die Entwicklung unterschätzt worden: „Die Senioren sind ja nicht vom Himmel gefallen. Diesen Trend hatte man bereits in verschiedenen Studien prognostiziert“, sagte er. „Das ist wie eine Welle, vor der man erstmal wegläuft, in der Hoffnung, dass sie verebbt – das wird sie aber nicht“, beschreibt er es bildhaft.

Entwicklung auf dem Wohnmarkt

Einer der großen Punkte sei für ihn die Entwicklung auf dem Wohnmarkt. Seniorengerechte Wohnprojekte gebe es noch zu wenig. „Momentan sind die Bauvorhaben eher exklusiv orientiert. Davon müssen wir wegkommen, hin zu einer inklusiven Gestaltung von Wohngebieten“, so der Baufachmann. Diese Strukturen würden jetzt erst gebildet – und das, obwohl die Investoren profitieren würden, fügte er hinzu. Schließlich wachse die Nachfrage und es bestehe ein großer Nachholbedarf im Kreis.

Konkret gehe es darum, barrierefreie Komplexe zu schaffen, in denen die Senioren alles um sich hätten, was sie bräuchten – wie etwa Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und Pflegeeinrichtungen. „Dafür braucht man ein richtiges Management“, erläuterte er. Wenskat sei sich aber bewusst, dass solche Anliegen zeitintensiv seien, deshalb brauche es auch „Geduld von uns und Schub aus den Gremien“.

Ein weiteres, großes Problem sah Wenskat in der Privatisierung der Pflegeheime. „Diesen Trend müssen wir dringend wieder umkehren, die Entscheidungshoheit sollte wieder bei den Gemeinden liegen, nicht bei den Profitjägern“, appellierte der Vorsitzende des Seniorenbeirats. Es könne nicht sein, dass Entscheidungen über die Schließung solcher Heime nur am Gewinn orientiert seien, so der Sparrieshooper. „Es entstehen zwar Kosten für die Gemeinden, aber es geht um die Bevölkerung“, ergänzt er.

Mangelnde Barrierefreiheit

Generell sehe der Interessensvertreter der Senioren ein großes Problem darin, dass in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens die Barrierefreiheit nicht geschaffen ist – so auch beim öffentlichen Personennahverkehr. „Wenn ein Rentner zum Beispiel mit seinem E-Scooter im Bus mitfahren will, gibt es oft Probleme, weil es keine Möglichkeiten gibt, den Scooter richtig festzumachen. Eine Mitfahrt kann dann auch mal verweigert werden“, berichtet Wenskat. „Nach UN-Recht sind alle gleich zu behandeln. Das ist für mich eine Form der Diskriminierung“, kritisierte er. Aber auch Arztbesuche scheiterten oftmals. „Wenn ein Arzt seine Praxis im ersten Geschoss eröffnet und es keinen Aufzug gibt, dann werden Teile der Bevölkerung ausgegrenzt“, fügte er hinzu.

Für die Zukunft wünscht sich der Beiratsvorsitzende, dass das Bild in den Gemeinden „aufgepeppt“ wird, in dem erkannt wird, dass Senioren vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft sind und ihre Interessen stärker in die Politik einfließen. Darüber hinaus seien die Gesetze für die Bevölkerung und könnten geändert werden. „Schließlich wollen wir alle dort alt werden, wo wir Heimat gefunden haben. Und Heimatverbundenheit entsteht nur durch eine Einbindung aller Gemeindemitglieder in das Dorfleben“, appelliert Wenskat.

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