„Dieses Schiff muss man gut lenken“

Sabine Kählert: Ihr Lieblingsplatz in Tornesch ist das Heimathaus in Esingen.
Sabine Kählert: Ihr Lieblingsplatz in Tornesch ist das Heimathaus in Esingen.

Sabine Kählert äußert sich im Interview zu ihren Plänen: Wandel zur digitalen Verwaltung und Stärkung der Infrastruktur

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23. Mai 2018, 16:47 Uhr

Sabine Kählert geht als parteilose Kandidatin ins Rennen. Die 57-Jährige wird von SPD und FDP unterstützt. Seit 37 Jahren ist sie für die Tornescher Verwaltung tätig. Seit 20 Jahren leitet die verheiratete Mutter eines Sohnes das Amt für Soziale Dienste.

Frage: Was macht das Heimathaus zu Ihrem Lieblingsplatz in Tornesch?

Sabine Kählert: Es ist ein Kleinod und Vorzeigeprojekt im Kreis Pinneberg. Für mich ist es ganz besonders, da ich hier meine Silberhochzeit feiern durfte. Das ist eine ganz tolle Erinnerung. Das Heimathaus hat eine lange Geschichte und wäre fast abgerissen worden, wenn sich nicht ganz viele Menschen darum gekümmert hätten. Das Gebäude gehört der Stadt und die Mitglieder der Ernst-Martin-Groth-Stiftung verwalten es jetzt. Hier wird ganz viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. Das finde ich bewundernswert in der heutigen Zeit.


Mit dem Heimathaus hier in Esingen, dem Pomm 91 im Stadtzentrum und künftig dem Dorfgemeinschaftshaus in der Alten Ahrenloher Schule bietet die Stadt den Vereinen und Verbänden viel Raum. Muss sich die Stadt aus Ihrer Sicht darüber hinaus finanziell noch stärker für die Vereine engagieren?

Im Vereinswesen ist die Stadt schon vorbildlich. Die Stadt tritt zum Beispiel in Ausfallbürgschaften ein. Das heißt, wenn Veranstaltungen von Ehrenamtlern organisiert werden, sollen diese nicht auch noch das finanzielle Risiko tragen.

Räumlich haben wir in unseren Stadtbezirken genügend Möglichkeiten. Das Pomm 91 ist die Heimat von ToAll. Der Verein ist aus der Idee heraus entstanden, in Tornesch ein bisschen Kultur zu etablieren. Was ToAll macht, ist aller Ehren wert. Zudem sorgt die Arbeitsgemeinschaft Tornescher Wohlfahrtsverbände dafür, dass es im Pomm 91 fast täglich Angebote für Senioren gibt. Wenn ich das Heimathaus sehe, hat es einen kulturellen Hintergrund, aber bietet auch die Gelegenheit für Familienfeiern. Die Alte Schule wird für unsere Dorfgemeinschaft umgebaut, die lange ihr Zuhause in Krögers Gasthof hatte.

Was wir brauchen, ist mehr Leben im Stadtzentrum – kein Veranstaltungszentrum, aber einen Ort, wie zum Beispiel ein Café, wo man zwanglos miteinander in Austausch kommen kann. Ich bin optimistisch, dass wir das hinbekommen.


Seit 37 Jahren arbeiten Sie in der Tornescher Verwaltung, davon 20 als Amtsleiterin. Sie verfügen über einen enormen Erfahrungsschatz. Ist das ein Vorteil im Duell mit Bernhard Janz?

Ich fühle mich sicher, wenn ich mich um diese Aufgabe bewerbe. Die Anforderungen an Verwaltungen sind erheblich höher geworden. Wir sind Teil eines Systems und setzen Gesetze und Richtlinien um, die vom Kreis, dem Land, dem Bund oder der EU kommen. Dieses Handwerkszeug muss man beherrschen. Man muss sich mit Recht und Gesetz auskennen. Schließlich haftet der Bürgermeister für das, was er tut. Als Bürgermeister von Tornesch ist man Arbeitgeber von 150 Mitarbeitern. Dieses Schiff muss man gut lenken. Die Mitarbeiter muss man effizient einsetzen. Dafür ist es erforderlich, ihre Aufgaben zu kennen und auch die Arbeit von Amtsleitern bewerten zu können.

Kritiker könnten allerdings sagen, dass der Wandel hin zu einer modernen Verwaltung mit mehr Onlineangeboten von Ihnen nicht zu erwarten ist. Was entgegnen Sie diesen?

Ich selbst bin immer neugierig auf Neuheiten gewesen. Wenn ich nur ansatzweise sehe, dass ich irgendwo Ressourcen sparen kann, in dem ich mich neuen Erkenntnissen öffne, dann tue ich das.


Haben Sie konkrete Pläne für Innovationen?

Ich habe vor, die Verwaltung digital aufzustellen. Keiner hat Lust, seine Freizeit für die Beantragung eines Personalausweises im Rathaus zu opfern. Zudem hat die EU vorgegeben, dass wir zu einer papierlosen Verwaltung kommen müssen. Das werden wir umsetzen. Dafür sind viele Dinge umzustellen, zum Beispiel werden wir die elektronische Abrechnung einführen müssen. Ich plane außerdem, ein Controlling und Risikomanagement zu implementieren. Wir müssen große Teile der Verwaltung neu strukturieren. Das werde ich gemeinsam mit meinem Amtsleiterteam angehen.


Der Fachkräftemangel erschwert es zunehmend für Verwaltungen, Posten zu besetzen. Ist es erforderlich, eine Verwaltungsgemeinschaft oder zumindest eine Kooperation mit einer anderen Verwaltung einzugehen?

Wir haben schon Erfahrung damit. Uetersen hat von uns das Standesamtwesen bekommen und wir haben dafür den ganzen sozialen Bereich von Uetersen übernommen. Die Zusammenarbeit auf bestimmten Ebenen kann durchaus ausgebaut werden, wenn es Sinn macht. Ich glaube, dass hierbei meine gute Vernetzung im Kreis Pinneberg hilfreich sein kann.


Tornesch ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Die Infrastruktur – Schulen, Kitas, Straßen – hinkt hinterher. Wie viele Einwohner verträgt Tornesch noch?

Wir haben noch einige wenige Baugebiete in der Planung. Danach aber sollten wir uns eine Ruhephase gönnen, um bei der Infrastruktur nachzusteuern.


Es gab Diskussionen um Ihre Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzende der Adlershorst Baugenossenschaft. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Nein, da ich bereits 19 Jahre diese Tätigkeit und meine Verwaltungsarbeit sehr sauber von einander trenne. Und das werde ich auch in Zukunft so tun. Es gibt auch andere Bürgermeister im Kreis Pinneberg, die in Aufsichtsräten sitzen.


Wie haben Sie den Wahlkampf bislang empfunden, lief alles fair?

Ich bin in solchen Dingen nicht so erfahren und hätte mir an manchen Stellen gewünscht, dass es anders gelaufen wäre. Ich habe mich an die im Vorfeld getroffene Vereinbarung gehalten und bin bei mir geblieben.


Was sind die drei wichtigsten Themen, die Sie als Bürgermeisterin voranbringen wollen?

Kindergärten und Schulen, Verkehr – K22-Bau und mehr Zughalte – sowie Finanzen, das bedeutet die Ausweisung neuer Gewerbegebiete.


Was zeichnet aus Ihrer Sicht einen guten Bürgermeister aus?

Er stellt seine Verwaltung gut auf und hat einen guten Kontakt zum Bürger und ein Ohr für ihn. Ein Bürgermeister muss immer ein Stück vorausdenken und wissen, wo Fördermittel abzuholen sind. Er muss auch in Bereichen, die er selbst nicht beeinflussen kann, für seinen Ort kämpfen – wie etwa bei den Zughalten.


Wie wäre es für Sie, im Falle einer Niederlage unter Bernhard Janz im Rathaus zu arbeiten?
Darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Ich habe ein gutes Gefühl und gehe davon aus, dass ich gewinne.

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