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Die Bewahrer : Diese Männer kämpfen für einen Zusatz auf dem Ortsschild

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sie kämpfen für einen Zusatz auf dem Waldenauer Ortsschild: Datum. Die etwa 5000 Einwohner des Pinneberger Ortsteils sind aufgerufen, bis 30. April abzustimmen.

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erstellt am 08.Apr.2017 | 14:00 Uhr

Pinneberg | Hartmut Samland ist noch ein kleiner Junge, als er zum ersten Mal den Namen „Waldenau“ auf dem Schild seines Heimatortes anzweifelt. Sein Grundschullehrer stellt ihm und seinen Klassenkameraden Ende der 1960er Jahre die Aufgabe, Postkarten zu schreiben. Im Adressfeld geben sie Waldenau an. „Unser Lehrer hat sich empört. Waldenau gibt es eigentlich gar nicht, hat er gesagt. Wir gehörten zu Pinneberg und das ursprüngliche Dorf hieße Datum“, erzählt Samland. 1958 wurde er in dem kleinen Ortsteil von Pinneberg, auf dessen Schildern seit 50 Jahren Waldenau steht, geboren. Jetzt beschäftigt er sich wieder mit dem Ursprung seiner Heimat, diesmal ist er aktiv geworden: Er hat abgestimmt.

Seit Kurzem haben die etwa 5000 Waldenauer nämlich die Wahl: Soll der Ortsname „Waldenau“ erhalten bleiben oder um den Zusatz „Datum“ erweitert werden? Die Diskussion ist nicht neu. Sie schwelt seit Jahrzehnten. Die Befürworter blieben hartnäckig – bis Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) im Herbst vergangenen Jahres während der Bürgerversammlung verkündete: „Sie entscheiden darüber, wie Sie heißen wollen.“ Der Bürgerverein Waldenau-Datum, die Kreuzkirche, der SuS Waldenau und die Waldenauer Speeldeel ließen den Worten Taten folgen: Sie kümmerten sich um die Umfrage-Zettel, die vor einigen Tagen an alle Haushalte verteilt wurden. Bis 30. April sind die Waldenauer nun aufgerufen, abzustimmen.

Hartmut Samland musste nicht lange überlegen, wo er sein Kreuz macht. Er will, dass auf dem gelben Ortsschild in Zukunft „Waldenau-Datum“ steht. „Ich bin ortsverbunden“, erklärt er und dann sagt er den Satz, mit dem die Waldenauer ihren Stolz ausdrücken: „Mehr als ein Waldenauer kann ein Pinneberger nicht sein.“ Samland ersetzt „Waldenauer“ allerdings durch „Datumer“. Rund um den Waldenauer Marktplatz wird Pinneberg sehr dörflich. Die Waldenauer grenzen sich bewusst von der Kreisstadt ab. Das erklärt, warum sie so viel Wert darauf legen, ihre Identität zu wahren. Aber warum verschwand Datum eigentlich?

Die hier gezeigte Karte bezieht sich auf Angaben von Hans-Johann Ramcke, einem gebürtigen Datumer, der sich seit Jahrzehnten für die Umbenennung des Ortes in Waldenau-Datum einsetzt. Die abgebildeten Grenzen stellen lediglich näherungsweise die Ortsgrenzen dar. Die tatsächlichen Grenzen können abweichen. 

 

Um das zu verstehen, muss man Hans-Johann Ramcke fragen. Er kämpft seit Jahrzehnten für die Umbenennung der Ortsschilder. Dafür, dass Datum nicht in Vergessenheit gerät. Ramcke nennt sich selbst „richtiger Datumer“. Er wohnt heute noch in dem Haus, in dem er 1955 zur Welt kam. Neben seiner Haustür hängt das Datumer Wappen, im Flur steht ein gelbes Ortsschild, auf dem „Waldenau-Datum“ steht. Ramcke schlägt die Ortschronik auf und zeigt auf das Bild des alten Datumer Meierhofs, dessen letzter Vogt Ramckes Uropa war. In der Geschichte des Ortes ist vor allem eine Jahreszahl bedeutsam: 1842. Damals wurde der Datumer Hof in „Gut Waldenau“ umbenannt. Auf dessen Ländereien entstand dann in den 1930er Jahren die Siedlung Waldenau, Reichsheimstätten der Nazis. 1967 verschwand Datum schließlich gänzlich von den Ortstafeln. Datum wurde laut Ramcke bereits 1511 erwähnt.

„Es ist ungerecht, dass ein Ort nach einer Siedlung benannt wurde“, sagt Ramcke. Jürgen Hilbers, Vorsitzender des Bürgervereins, Volker Brammer vom Verein Förderkreis für Kultur und Brauchtum und Thorsten Ramcke von der Waldenauer Speeldeel stimmen ihm zu. Auch Wolfgang J. Domeyer, Leiter der Pinneberger Volkshochschule (VHS) und Historiker, der sich auch mit der Geschichte der Kreisstadt befasst hat, hält „Waldenau-Datum“ für „historisch richtiger“. „Der Ursprung des Ortes ist Datum, so würde er nicht in Vergessenheit geraten“, sagt er.

Steinberg, die selbst 20 Jahre lang in dem Ortsteil südlich von Pinneberg wohnte, hofft auf eine hohe Beteiligung. Über eine Umbenennung entscheidet am Ende aber die Politik.

Stimmberechtigt sind alle Einwohner ab 16 Jahren. Jeder Zettel darf nur einen stimmberechtigten Namen enthalten, er darf allerdings kopiert werden. Zudem gibt es weitere Umfragezettel in der SuS-Geschäftsstelle, Waldenauer Marktplatz 10. Dort müssen sie auch abgegeben werden und zwar bis zum 30. April. Organisiert wird die Umfrage vom Bürgerverein Waldenau-Datum, der Kreuzkirche Pinneberg, dem SuS Waldenau und der Waldenauer Speeldeel. Beteiligen sich viele Menschen,  wird sich die Pinneberger Politik mit der Umbenennung befassen.
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