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Pinneberger Tageblatt

25. September 2017 | 01:11 Uhr

Diese Frau lebt das Ehrenamt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit 30 Jahren engagiert sich Ingeborg Triskatis in verschiedenen Einrichtungen für Menschen in der Stadt Pinneberg

Nur eine Tür trennt den Raum von den grell erleuchteten Krankenhausgängen. Und doch scheint es so, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Eine Welt in warmen Rottönen. Vergessen ist das Treiben draußen, vergessen sind die Pfleger und Ärzte in ihren Kitteln, die kranken Menschen und der typische Krankenhausgeruch.

Ingeborg Triskatis steht im „Raum der Stille“ im Regio Klinikum Pinneberg und blättert durch das fast vollgeschriebene Gästebuch. Sie überfliegt Eintrag für Eintrag und bleibt schließlich bei einer Widmung hängen. Leise liest sie den Text vor. Er handelt von dem Krankenhaus, von der Erinnerung an die hier verstorbene Mutter und davon, dass der Raum und das Gefühl der Nähe zur Mutter dem Verfasser Kraft geben. „So etwas ist doch total bewegend“, sagt Triskatis mit leicht brüchiger Stimme. „Manchmal komme ich einfach hier her, setze mich in die Ecke, höre Musik und lese in dem Gästebuch“.

Der „Raum der Stille“ ist der ganze Stolz von Ingeborg Triskatis, die seit sieben Jahren ehrenamtliche Vorsitzende des Fördervereins des Klinikums ist. „Der Raum war das erste Projekt unter meiner Regie“ berichtet Triskatis und erklärt: „Er soll ein Rückzugsort für jedermann sein, um dort zur Ruhe zu kommen und Trost finden zu können“. Zusammen mit der Pinneberger Künstlerin Gisela Meyer-Hahn hat sie dafür neun Monate lang das Konzept beratschlagt und weiterentwickelt. „Obwohl der Raum überhaupt nicht religiös gedacht ist, soll den Besuchern auch die Möglichkeit gegeben werden, ihre Religion hier auszuleben und zwar konfessionsübergreifend“, begründet Ingeborg Triskatis die Bibel, den Koran, die Tora und einen kleinen Gebetsteppich, die allesamt im Eingangsbereich liegen.

Ganz im Gegensatz zur Ruhe im Raum der Stille geht es in der Triskatischen „Buschtrommel“ wilder zu. So nennt die Familie ihre Whatsapp-Gruppe. Über die Smartphone-App steht Ingeborg Triskatis mit ihren vier Töchtern und sechs Enkelkindern täglich in regem Kontakt. „So bekommen immer alle alles mit, und ich bekomme ständig neue aktuelle Fotos der Kinder“, freut sich die Rentnerin und zeigt auf ihren Handybildschirm, der lauter neue Nachrichten anzeigt. „Mein Leben ist bestimmt durch meine Kinder und vor allem durch meine Enkelkinder“.

Ihre Kinder waren auch der Grund, warum Triskatis in Pinneberg ehrenamtlich aktiv geworden ist. So war sie im Elternbeirat der Grundschule Rübekamp und an der Johannes-Brahms-Schule aktiv. „Mein Engagement in der Schule war manchmal sehr zum Leidwesen meiner Töchter. Denen gefiel es nicht, dass ich immer überall dabei und dafür abends oft nicht Zuhause war. Das kam in den besten Zeiten drei bis vier Tage die Woche vor“, erinnert sich Triskatis. 23 Jahre hat sie sich im Elternbeirat an den Schulen, im Kreis- und Landeselternbeirat engagiert – solange bis alle ihre Kinder die Schule verlassen hatten. „Es ist irgendwie nicht mehr das Gleiche, wenn die Kinder nicht mehr da sind“.

Ein trauriger Anlass brachte die aus dem Kreis Plön zugezogene Pinnebergerin zu ihrem nächsten ehrenamtlichen Projekt. Mandanten der Rechtsanwaltskanzlei ihres Mannes hatten ihr Kind bei einem Umfall verloren, da der Notarztwagen im Kreis Pinneberg damals nicht rund um die Uhr, sondern nur wochentags im Einsatz war. „Die Geschichte hat uns sehr betroffen gemacht, und so haben wir uns einer in Halstenbek gegründeten Bürgerinitiative angeschlossen und für die rund um die Uhr Notarztwagen-Versorgung im Kreis gekämpft“, so Triskatis. Mit Erfolg: Im Kreis Pinneberg wurde das sogenannte Rendezvous-System, also die getrennte Anreise und das rendezvousähnliche Aufeinandertreffen von Notarzt und Rettungswagen am Notfallort, eingeführt. Dadurch soll eine schnellere Versorgung der Patienten ermöglicht werden. „Mittlerweile ist das vor allem in ländlichen Gegenden eine gängige Methode, aber damals waren wir einer der ersten Kreise“, erklärt Ingeborg Triskatis. Vor 15 Jahren hat sie dann zusammen mit 40 anderen engagierten Bürgern den Förderverein Klinikum Pinneberg mitgegründet. Außerdem ist sie im Vorstand des Stadtverbands der Christdemokraten. „Ich bin seit meiner Jugend Mitglied in der CDU und habe es auch mal zwei Jahre in der Fraktionsarbeit hier in Pinneberg versucht. Das war mir zu zäh, da bin ich einfach zu ungeduldig. Ich möchte aber gerne mitarbeiten und bin Schriftführerin des Stadtverbands. Das möchte ich auf jeden Fall noch ein wenig weiter machen“, stellt Triskatis fest.

Drei Jahrzehnte Ehrenamt, unzählige Projekte und Initiativen - das ist das Ergebnis des langjährigen Engagements der heute 62-jährigen. Eine lange Zeit, die 2012 mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurde. „Ich habe mich natürlich sehr gefreut und habe meine ganze große Familie mitgenommen“, erzählt Triskatis und fügt an: „Ich finde aber, dass andere Ehrenamtliche in Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen, die sich dort mehrmals die Woche einsetzen, eine solche Auszeichnung noch viel mehr verdient haben“.

Es gäbe einfach immer wieder Sachen, die geändert werden müssten, und ein tolles Feedback zu bekommen, freue sie auch immer wieder - so begründet die Hobbygärtnerin Triskatis ihren unermüdlichen Drang sich aktiv zu engagieren. „Ich möchte, dass mein Leben so weitergeht, dass meine Familie und ich gesund bleiben und ich mich weiter für andere einsetzen kann“, wünscht sich Ingeborg Triskatis.

Bis dahin freut sie sich über jede „Buschtrommel-Neuigkeit“ oder geht mit ihren Enkelkindern in den Hagenbeck Tierpark, um dort, wie es sich die Lütten wünschen, den Schildkröten stundenlang beim Unterhalten zuzugucken.

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