Ideenwerkstatt : Die Zukunft der Elmshorner Markthalle

Enge im zweiten Obergeschoss. Viele Bürger nahmen sich Zeit für einen Rundgang durch das alte Gebäude. 
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Enge im zweiten Obergeschoss. Viele Bürger nahmen sich Zeit für einen Rundgang durch das alte Gebäude. 

Die Elmshorner Verwaltung möchte von den Bürgern wissen, wie die Zukunft des denkmalgeschützten Gebäudes aussehen soll.

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12. Januar 2018, 16:00 Uhr

Elmshorn | Viele Elmshorner interessieren sich für die Zukunft ihrer Markthalle – das ist spätestens seit Mittwochabend klar. Mehr als 100 Besucher waren beim Rundgang durch das denkmalgeschützte Gebäude, zu dem die Stadt eingeladen hatte, dabei. Viele beteiligten sich anschließend auch an der Ideenwerkstatt im Kollegiumssaal des Rathauses. Motto: „Altes Haus, neues Leben – Perspektiven für die Markthalle“.  Die Verwaltung wollte wissen, was die Bürger wollen - und bekam eine Menge Antworten.

Bevor die Teilnehmer ihre Vorstellungen entwickelten, erläuterten Experten den aktuellen baulichen Zustand des Gebäudes, das um 1920 für die Lederfabrik Stecker errichtet wurde. Lutz Michel, Ingenieur des Hamburger Architektenbüros Christine Reumschüssel, traut dem betagten Bau noch einiges zu. Die Elektrik sei stark veraltet, doch die Gründung sei intakt. Sorgen bereiten ihm Risse im Mauerwerk oder Wasserschäden. Michel: „Viel ist über die Jahre angestückelt worden“. Tragwerksplaner Uwe Guttenberg wies auf den unzureichenden Brandschutz und den Verschleiß an vielen wichtigen Bauteilen hin. Trotz der Mängel: Nach einer Modernisierung könnte die Markthalle zum Schmuckstück in der City werden.

Davon sind auch viele Bürger überzeugt. Sie berieten in vier Arbeitsgruppen und trugen anschließend ihre Ergebnisse vor. In einem Punkt waren sich alle einig: Die Marktfläche mit Ständen im Erdgeschoss muss erhalten bleiben. Einige können sich sogar eine Öffnung der Marktstände an sechs Tagen in  der Woche vorstellen (bisher  zwei Tage). Denkbar ist für die Teilnehmer auch eine Gastronomie, die in Form einer Galerie in den ersten Stock reicht.

Für das erste Obergeschoss, in dem seit vielen Jahren die Theatergruppe Speeldeel ihre Proben- und Werkstatträume hat, wünschen sich die Bürger kleine Veranstaltungsmöglichkeiten, Bürgerbesprechungsräume oder Flächen für Gesundheit und Ausstellungen.

Theater und Kultur soll es im zweiten Obergeschoss geben. Dazu könnten Seminarräume oder sogar Kanzleien kommen. Wünschenswert sind für die Bürger auch Büros für Firmen und ein Multifunktionsraum als Loft für Start-Ups mit bereits eingebauten Schreibtischen.

Besonders dieser Vorschlag begeistert Stadtrat Dirk Moritz. „Wir wollen in Elmshorn jungen Firmen eine Chance geben, das wäre eine Möglichkeit“, sagt er. Moritz war sehr angetan von der Fülle der Ideen und dem regen Interesse der Bevölkerung. Was ihm besonders gut gefiel: Unter den Teilnehmern waren Architekten, Planer, Kulturinteressierte, Marktbeschicker  und junge Bürger. Moritz: „Die Diskussion hat viel Spaß gemacht und war sehr konstruktiv“.  Für den Stadtrat muss die Markthalle künftig „Erlebnisraum in der Stadtmitte “ auf vielen Ebenen sein. Er kann sich vorstellen, dass auch die Speeldeel weiterhin Räume in der Halle nutzt.

Wie und ob sich die Visionen der Bürger umsetzen lassen, hängt entscheidend vom Wohlwollen der oberen Denkmalschutzbehörde in Kiel ab. Die Markthalle  ist geschützt und das bedeutet, dass ohne die Zustimmung der Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege fast nichts möglich ist. Und die sind streng. In ersten Gesprächen hatten die Denkmalschützer klar gemacht, dass sie im Fall der Markthalle für die Zukunft einen „freistehenden Solitär in ursprünglicher Gestaltung“ erwarten.

Damit haben zurzeit alle Pläne für Anbauten, Erweiterungen oder moderne Umgestaltungen keine Chance. Stadtrat Dirk Moritz sieht dennoch Möglichkeiten. „Wir haben erste Gespräche hinter uns, da ist sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen.“ Wenn die Stadt ein gutes Konzept vorlege, seien auf Seiten der Denkmalschützer Kompromisse möglich.

Wie ein guter Plan aussehen könnte, haben die Bürger während der Ideenwerkstatt aufgezeigt. Die Umsetzung braucht Zeit. Deshalb erinnerte Bürgermeister Volker Hatje zu Beginn der Veranstaltung daran, dass der Umbau der Elmshorner City  insgesamt  ein „Projekt für eine  Generation sei“.

Über die nächsten Schritte für die Markthallensanierung entscheiden die Kommunalpolitiker während der gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für kommunale Dienstleister und des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt am 18. Januar im Rathaus. Dann soll der Grundsatzbeschluss für die zukünftige Nutzung fallen. Gut möglich, dass die Politiker als Entscheidungshilfen auch die Vorschläge der Bürger aus der Ideenwerkstatt auf dem Tisch haben.

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