Aus dem deutschen WM-Lager : Das Klima und die Taktik

Fußballexperte Gerhard Delling berichtet exklusiv aus dem deutschen WM-Lager. Heute natürlich passend zum Turnierauftakt der DFB-Elf.

shz.de von
16. Juni 2014, 14:26 Uhr

Heute wird die deutsche Nationalmannschaft – so wie es aussieht – nass gemacht. Keine Panik, das gilt auch für die Portugiesen. Bedauerlicherweise auch für mich. Sintflutartige Regengüsse gehören  in Salvador zum Tagesprogramm. Und nur wenige Minuten nach dem Regenguss brennt die Sonne wieder  erbarmungslos.

Das extreme Klima hat Auswirkungen auf das Spiel, hat mir Bundestrainer Joachim Löw noch einmal erläutert. „Langer Ballbesitz kann tödlich sein. Wir müssen möglichst schnell zum Abschluss kommen!“ Tempowechsel werden der Schlüssel zum Erfolg sein. Also etwas, das zuletzt nicht wirklich zum Repertoire der deutschen Elf gehörte. Gab sie Vollgas, kam meist richtig guter Fußball dabei heraus, wollte sie kräfteschonend agieren, wurde es brenzlig. Aber auch daran hat Löw gearbeitet.

Keine Frage: der Bundestrainer und auch die Spieler strahlen nach einer Woche Brasilien spürbare Gelassenheit aus. Einen kaum beeinflussbaren Rest an Unsicherheit  inklusive. Dass bei dieser WM alles möglich ist, haben anschaulich die Spanier demonstriert. Sie haben in Salvador nicht nur den Regen abbekommen, ihnen ist regelrecht der Kopf gewaschen worden. Aber gegen den Welt- und Europameister schienen sich höhere Mächte verschworen zu haben. Die portugiesisch sprechenden Brasilianer hatten sich überraschend nicht auf die Seite der Spanier geschlagen. Und dann fand das Spiel gegen die Niederlande auch noch am Freitag, den 13.ten statt. Und vom Hotel in das Stadion in der 3-Millionen-Metropole Salvador benötigte der Mannschaftsbus eine quälend lange Stunde. Stellt sich die Frage für das Spiel unserer Mannschaft heute gegen Portugal, ob die einheimischen Zuschauer in der anno 1549 von Portugiesen gegründeten Stadt frenetisch das Team um Ronaldo unterstützen werden – und in welchem Hotel Joachim Löw und Co übernachten. Da ist die Antwort bekannt: Es ist dasselbe Hotel, das die Spanier genutzt haben! Aber wenigstens ist schon der 16.te!

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